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00:15 15.12.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
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Hannover

Hier geht es um viel: die Weltformel, die Weltzerstörung, die Weltrettung. Die Verantwortung der Wissenschaft. Die Undurchschaubarkeit der Moderne. Die Frage, ob man Gedachtes ungedacht machen kann. Die Schuld. Friedrich Dürrenmats Komödie "Die Physiker" ist groß und klein zugleich. Groß im Thema und klein in der Erscheinung. Warum das so ist, hat der Autor in seiner Dramentheorie erklärt. Realismus, sagt Dürrenmatt, funktioniere in einer Welt nicht mehr, in der man die Handelnden nicht mehr für ihr Handeln haftbar machen kann. Seine Analyse: "Kreons Sekretäre erledigen den Fall Antigone", und: „Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt.“ Daraus schließt er: „Uns kommt nur noch die Komödie bei. “

Darin folgt ihm Regisseur Florian Fiedler. Und er geht noch ein bisschen weiter. Er weitet die Groteske zum Traumgeschehen. Maria-Alice Bahra hat die Ballhofbühne mit luftigen halbdurchsichtigen Gardinen in viele kleine Räume geteilt. Auf den weißen Vorhängen werden Fimsequenzen projiziert. Das ergibt ein kunstvolles Spiel vielschichtiger Überlagerungen und Überblendungen. Es passt zu diesem Vielebenenspiel, in dem Physiker Verrückte spielen, die sich wiederum als Physiker ausgeben.

Das Spiel mit den überlagerten Bilder ist schön anzusehen und stellenweise sehr witzig, aber es ist auch eine Flucht vor den große Themen, um die es hier geht. Vieles wird auch nur so angetippt: Am Anfang gibt es so viel Musik, dass man fast eine „Physiker“-Oper erwartet, später verliert sich das Musikalische. Am Anfang, wenn die Chefärztin Mathilde von Zahnd (schön kühl: Sonja Beisswenger) den Kommissar (nett zerfahren: Mathias Max Herrmann) im Pool empfängt, gibt es witzige Raumprojektionen, später verliert sich auch das. Trotzdem: Es macht Spaß, dem Trio der eingesperrten Physiker (Silvester von Hösslin als Möbius, Jonas Steglich als Newton, Jakob Benkhofer als Einstein) zuzuschauen. Und dann ist da noch Sarah Sandeh. Sie ist in verschiedenen Rollen (nicht nur als Oberschwester, sondern auch als Oberpfleger) zu sehen – und eine großartige Entdeckung: eine sehr wandelbare Schauspielerin, voller Energie und ohne Angst vor Übertreibung. Was ja gut zur Groteskte passt.

Weitere Vorstellungen: am 13., 14 und 20. Dezember, sowie am 3. und 16. Januar.

Chefärztin Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd (Sonja Beißwenger) mit ihren Patienten Jakob Benkhofer, Silvester von Hösslin und Jonas Steglich). Ganz allein: Kriminalinspektor Richard Voß (Mathias Max Herrmann)

Chefärztin Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd (Sonja Beißwenger) mit ihren Patienten Jakob Benkhofer, Silvester von Hösslin und Jonas Steglich). Ganz allein: Kriminalinspektor Richard Voß (Mathias Max Herrmann)

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