Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
„Ein Ort, an dem man nur gewinnen konnte“

Interview mit Fotoprofessor Rolf Nobel „Ein Ort, an dem man nur gewinnen konnte“

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Fotoprofessor Rolf Nobel über die fünfte Lumix-Ausgabe, seine Emeritierung, Hanover und seine Studenten: "Wir haben noch nie so viele Studenten gehabt, die für die größten Blätter Deutschlands, ob „Stern“, „Spiegel“ oder „Geo“, schon während des Studiums arbeiten und veröffentlichen."

Voriger Artikel
Mit Schirm und Charme zur Ikone
Nächster Artikel
Auf dem Kunstboulevard

Fotoprofessor Rolf Nobel.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Herr Nobel, gerade haben Sie die Termine für das nächste Lumix Festival für jungen Fotojournalismus im Jahr 2016 festgelegt. Am 15. Juni geht es los. Arbeiten Sie schon dran?
Absolut! Wir haben schon einige arrivierte Fotografen für die Abendvorträge auf der Liste. Auch einige junge Leute, deren Arbeiten uns aufgefallen sind und die wir auffordern werden, sich für den Wettbewerb zu bewerben.

Das Lumix-Festival ist seit der Premiere 2008 zur größten Leistungsschau junger Fotojournalisten in Europa geworden. Müssen Sie es bei der fünften Auflage allmählich vergrößern oder verlängern?
Nein. Never change a winning team. Mehr Luft haben wir auch gar nicht. Weder für den Wettbewerb noch für die Zuschauer - nicht alle haben fünf Tage Zeit, das Festival zu besuchen. Und neben den 60 Wettbewerbsreportagen gibt es ja auch noch täglich Gastvorträge. Da wird niemandem langweilig. Von der Zuschauerkapazität ist noch ein wenig Luft. Ich würde mir wünschen, dass mehr Schulklassen kommen.

Ihr Studiengang für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie hat dem Festival auf die Beine geholfen. Hat das Festival auch dem Studiengang geholfen?
Wahnsinnig. Wir haben noch nie so viele Studenten gehabt, die für die größten Blätter Deutschlands, ob „Stern“, „Spiegel“ oder „Geo“, schon während des Studiums arbeiten und veröffentlichen. Die verantwortlichen Bildredakteure gucken mittlerweile ganz genau hin, was in Hannover passiert. Und seit dem ersten Festival 2008 sind wir auch in Ländern wie den USA bekannt, die sonst nicht viel über den Tellerrand schauen. In Deutschland sind wir mit weitem Abstand die herausragende Schule in der Ausbildung von Bildjournalisten.

Woran liegt das?
Zum einen am von Beginn an ganz engen Kernprofil. Meine Großmutter hat beim Skat immer gesagt, wenn das Blatt nicht gut war: von jedem Dorf ’n Hund. An vielen Hochschulen wird sehr in die Breite ausgebildet, von Mode-, Kunst-, Porträt-, Werbefotografie bis zum Fotojournalismus. Wir haben vier Professoren, die nur Fotojournalismus unterrichten, dazu eine eigene Theoretikerin. Zudem haben wir es geschafft, im Rahmen dieses sehr verschulten Bachelorsystems, das ich persönlich unter aller Kanone finde, eine sehr gute Pädagogik zu machen. Wenn ich mir heute die Arbeiten aus dem zweiten Semester angucke - so gut war ich nicht mal, als ich abgeschlossen habe.

Das nächste Lumix-Festival ist Ihr letztes in Diensten der Hochschule, weil Sie sich im August 2016 emeritieren lassen. Hätten Sie gedacht, dass die Fotografie in Hannover einen solchen Lauf nimmt?
Nicht in den kühnsten Träumen.

Was hatten Sie denn vor?
Ich hatte eine Professur in Hamburg, da hätte ich auch bleiben können. Hannover war eine Herausforderung, Fotografie war hier anfangs nur eine Studienrichtung im Studiengang Kommunikationsdesign, es gab keine Professur. Hannover war ein Ort, an dem man nur gewinnen konnte. Es herrschte hier eine große Offenheit und Neugier, und es gab Institutionen wie das Sprengel-Museum, die hervorragende Arbeit leisteten, wenn auch in einem anderen Fotografiebereich. Also, ich wollte schon eine erfolgreiche Ausbildungsinstitution schaffen. Aber dass wir irgendwann zu den besten der Welt gehören, daran hätte ich nicht zu denken gewagt.

Ist die im vergangenen Jahr gegründete Galerie für Fotografie (GaF) auf dem Eisfabrik-Gelände in der Südstadt ein Resultat dieser Entwicklung?
Ja. Wir waren bei der Realisierung nicht mehr auf Vertrauensvorschuss angewiesen, sondern wir hatten schon bewiesen, dass wir’s draufhaben. Das Risiko war also relativ gering. Die Besucherzahlen wachsen, genauso wie die Zahl der Förderer. Wir haben gerade den Spar- und Bauverein gewinnen können.

Läuft die Suche nach Ihrem Nachfolger schon?
Wir gucken uns schon Leute an, aber es muss erst die Nomination geschrieben werden. Es soll schon sehr in die Richtung gehen, die ich eingeschlagen habe. Aber bestimmte Dinge kann man nicht einfach als Anforderung formulieren, das hat viel mit Persönlichkeit zu tun. Auch mit der Entscheidung, nach Hannover zu ziehen. Ich glaube, dass ein Professor in der Stadt wohnen muss, in der seine Studierenden leben.

Werden Sie aus Hannover wegziehen?
Nein. Ich liebe diese Stadt. Hamburg mag schöner sein. Aber Hannover ist die Stadt mit der wesentlich höheren Lebensqualität.

Interview: Uwe Janssen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Die Böhsen Onkelz in der Tui-Arena

Comeback der Deutschrocker: Dienstag spielten die Böhsen Onkelz in der Tui-Arena im Hannover.