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Frank Zappas wilde Weggefährten

Konzert Frank Zappas wilde Weggefährten

Er ist seit mehr als 20 Jahren tot, aber seine Musik ist nicht vergessen. Unter dem Namen Banned from Utopia spielen die ehemaligen Musiker von Frank Zappa dessen Songs. Nun sind sie damit in der Blues-Garage in Isernhagen aufgetreten.

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Unter den Augen des Meisters: Banned from Utopia spielen vor einem Zappa-Foto in der Blues-Garage. Foto: Villegas

Quelle: Irving Villegas

Isernhagen. Eigentlich ist Frank Zappa jeden Abend anwesend in der Blues-Garage Isernhagen. Hinter der Bühne hängen zwei überlebensgroße Porträts der US-amerikanischen Ikonen, die auch nach ihrem Tod noch massiven Einfluss auf die Popmusikgeschichte haben. Zum einen handelt es sich um ein Gemälde von Jimi Hendrix. Zum anderen ist da eben dieses Foto von Zappa, das als Poster aus unzähligen WG-Küchen vertraut erscheint. Der 1993 gestorbene Rockmusiker und Avantgardist, der heute als einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt, sitzt darauf mit heruntergelassenen Hosen auf der Toilette, den Blick provozierend zur Kamera gewandt. Der lässige Selbstdarsteller Zappa hat längst einen eigenen Musikkosmos begründet, seine alle Genres sprengenden Kompositionen werden von Bands und Orchestern rund um den Globus aufgeführt. Manche versuchen dabei, seinen Perfektionismus und seine Präzision zu erreichen. Manchen ist eine lebendige Interpretation wichtiger.

Die Musiker, die sich in der Blues-Garage unter dem Blick des Meisters als Projekt Banned from Utopia zusammengefunden haben, könnten dessen Songs fast alle kaum näher sein. Sänger und Gitarrist Ray White trug seine kraftvolle Soul- und Bluesstimme zwischen 1976 und 1984 zu Zappas Aufnahmen und Auftritten bei, Sänger und Keyboarder Robert Martin war mit seiner flexiblen, genreumspannenden Stimme seit 1981 bis zur letzten Tour 1988 dabei. Bassist Tom Fowler spielte auf einigen wichtigen Zappa-Alben der Siebzigerjahre, bevor er zehn Jahre lang zur Band von Ray Charles gehörte. Albert Wing spielte Tenorsaxofon bei Zappas letzten großen Konzerten. Lediglich Schlagzeuger Joel Taylor und Gitarrist Robbie Mangano gehörten nicht zu dessen Lebzeiten zu Zappas ausgewähltem Musikerkosmos. Der eine genießt jedoch einen hervorragenden Ruf in der US-Studioszene, der andere hat sich als junger Fan an Zappas Gesamtkatalog herangespielt.

Die sechs erfahrenen Instrumentalisten sind keine Nachahmer. Im Vordergrund ihrer Interpretationen steht nicht so sehr Zappas Akribie, sondern vielmehr dessen Kunst der fließenden Übergänge und verspielten Genrewechsel. Rote Fäden aus Rock, Blues, Jazz oder verwandten Musikstilen verlieren sich in einem faszinierenden Geflecht. Zappas Songs sind eklektische Wunderkammern, melodisch vielschichtig und rhythmisch verschroben. Eine Musik der Nachbarschaften: Fragil Atonales wohnt darin unmittelbar neben dem Groove.

Die Musiker von Banned from Utopia leben die Kompositionen aus ihren eigenen musikalischen Perspektiven heraus, jeder für sich und doch hervorragend aufeinander eingestimmt. Dieser Live-Sound ist freier und roher, als es ein Zappa-Purist erwarten würde. Da ist viel Raum für Improvisation, für Wärme, Tiefe und Leidenschaft. Zu einer gewissen Dominanz der bluesrockenden Anteile trägt unter anderem die durchdringende Stimme von Ray White bei, der als Frontmann der Band auftritt. In dieser Show steht die Musik im Vordergrund und weniger der skurrile und oft anarchische Humor Zappas. Hier wird gearbeitet und geschwitzt.

Das Publikum verfolgt den Umgang der Band mit Zappas Material mit großer Aufmerksamkeit. Nicht wenige kennen die Songs offenbar sehr genau und lauschen mit prüfendem Respekt, gelegentlichem Kopfnicken und spontanem Lächeln bei besonders gelungenen Passagen. In der zweiten Zugabe bedanken sich die Musiker mit einem Song, den Frank Zappa zur Hälfte auf Deutsch geschrieben hat, fasziniert von den deutschen Fans und ihrer Sprache. Die kommt in „Sofa No. 2“ vor allem in Form phonetisch reizvoller Wörter wie „Schmutz“, „Ritze“ oder „Metallgeld“ vor - als klangliches Material eines Komponisten, der es liebte, mit Neuem zu arbeiten.

Auf seinem gleichnamigen Album von 1983 war Zappa der „Man from Utopia“. Ray White und Robert Martin waren wesentlicher Teil der „Band from Utopia“. Dass aus „Band“ heute „Banned“ geworden ist, ist eine Verneigung vor dem verstorbenen Visionär. Das Konzert der Weggefährten ist jedoch keine Gedenkfeier. Vielmehr zelebrieren sie den Moment in all seiner Lebendigkeit.

Von Thomas Kaestle

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