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13:16 28.09.2016
Posts aus dem Kriegsgebiet: In der Bühnenversion mit Issam Almiski und Salwa Nakkara. Quelle: Julius Matuschik
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Hannover

Der Countdown läuft: Am 18. November feiert die Theaterwerkstatt Hannover, eines der ältesten Freien Theater der Bundesrepublik, mit einem großen Fest den 40. Geburtstag. Einen Monat vorher wagt das Theater ein Experiment und bringt erstmals in seiner Geschichte Facebook-Posts auf die Bühne im Raschplatz-Pavillon, die Netz-Botschaften des Syrers Aboud Saeed. Dessen Posts hat der mikrotextverlag als E-Book unter dem Titel „Der klügste Mensch im Facebook. Statusmeldungen aus Syrien“ herausgebracht - es gibt mittlerweile Übersetzungen in mehreren Sprachen und Hörspielfassungen. Seitdem ist der gelernte Schmied und Facebook-Schriftsteller aus Manbidsch, einer Stadt in der Nähe von Aleppo, ein gefragter Autor. Literaturfans feiern ihn als Facebook-Bukowski oder als den neuen Henry Miller des digitalen Zeitalters. Im vergangenen Herbst präsentierte das Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg die theatrale Uraufführung.

Persönlich berührt

Die Theaterwerkstatt zeigt jetzt eine eigene Version, Regie führt Leila Semaan. Die Kulturwissenschaftlerin und Theaterpädagogin war schon an verschiedenen Bühnen der Stadt aktiv, darunter auch am Schauspiel Hannover, ihr Regiedebüt gab sie 2011 im Klecks Theater - mit Joshua Sobols Stück „Wanderer“. „Ich bin immer auf der Suche nach Stoffen, die mich persönlich berühren. Genau so ging es mir, als ich das E-Book von Aboud Saeed gelesen habe“, sagt die junge Theatermacherin mit palästinensischen Wurzeln. „Ich habe sofort gewusst: Das musst du auf die Bühne bringen.“

Als sich 2011 mit dem „Arabischen Frühling“ in Syrien auch die Proteste gegen das Assad-Regime ausbreiteten, startete Aboud Saeed, Jahrgang 1983, seine persönliche Revolution im Internet - und postete täglich Geschichten, Gedanken und Träume, Dialoge mit seiner Mutter, großspurige Sprüche, frech, klug, mal banal und dann wieder sehr poetisch. Momentaufnahmen aus dem Alltag eines Syrers zwischen Bombenangriffen und Stromausfällen - keine Heldengeschichten, eher ein Überlebenstraining. Doch Saeed ist auch ein begnadeter Selbstdarsteller im Netz - mit enorm hohen Klickzahlen. Seine Posts enden im Jahr 2013, damals verließ der Autor sein Land, inzwischen lebt er in Berlin.

„Unser Schwerpunkt“

Als Partner für Semaans Projekt fand sich die Theaterwerkstatt Hannover. „Das passt perfekt in unser Profil. Wir kooperieren seit vielen Jahren mit Theatern im arabischen Sprachraum und beteiligen uns an Festivals“, unterstreicht Sabine Trötschel aus dem Leitungsteam der Theaterwerkstatt. „Das ist unser Schwerpunkt.“ Weil das Stück auf Arabisch und Englisch gespielt wird, kümmert sich Trötschel darum, dass auch das deutschsprachige Publikum versteht, worum es in den Dialogen auf Arabisch zwischen Saeed (den Part des Autors übernimmt der in Damaskus geborene Schauspieler und Regisseur Issam Almiski) und seiner Mutter (Salwa Nakkara vom Al Midan Theater in Haifa und jüngst zu sehen auf der Berlinale in dem Film „Junction 48“) geht, sie steuert die Zusammenfassung bei.

Die Dialoge hat das Team aus den Posts herausgefiltert, der übrige Text, der das Spiel grundiert, ist auf Englisch. „Das bleibt der internationale Facebook-Raum in der Sprache der Netz-Community, das ist unser gemeinsamer Nenner“, betont Regisseurin Semaan. Und Theaterleiterin Trötschel ergänzt: „Wenn wir Passagen des Stücks in einer anderen Sprache auf die Bühne bringen, merkt das Publikum, wie fremd sich das anfühlt, wenn man einander nicht sofort versteht.“ Der Ausstatter Klemens Kühn überträgt das Medium Facebook ins Bühnenformat und Tonmeister Matthias Meyer, Gründungsmitgliedglied des Musiktheaters bruit, sorgt für einen stimmigen Sound.

Trötschel und das Team von der Theaterwerkstatt Hannover verstehen diese Jubiläumsinszenierung auch als Auftrag: „Wir wollen die Gesellschaft von morgen mit gestalten - und arbeiten an der Verständigung der Menschen aus aller Welt.“ Ein ehrgeiziges Ziel.Dz

Premiere am 1. Oktober, 19.30 Uhr, auf Bühne zwei im Raschplatzpavillon. Karten unter www.pavillon-hannover.de. n Mehr zum 40. Geburtstag der Theaterwerkstatt Hannover lesen Sie in der November- Ausgabe der „Spielzeit“.

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