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Kultur „Schaut mal, hab ich nicht einen schönen Pulli?“
Nachrichten Kultur „Schaut mal, hab ich nicht einen schönen Pulli?“
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19:12 10.04.2016
Das Friedrich Liechtenstein Trio im Jazz-Club. Quelle: Eberstein
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Hannover

Friedrich Liechtenstein ist gut drauf. „Schaut mal, hab ich nicht einen schönen grauen Pulli?“, weist „der beliebteste Vollbart der Nation“ („Die Welt“) das Publikum im Jazz-Club auf seine Abendgarderobe hin. Dann fügt er einen Satz an, der wohl sein muss für einen ultracoolen, sonnenbebrillten Berliner Hipster: „Passt doch zu Hannover“. Dass er damit ein wenig zu weit gegangen ist, erfährt er durch den Zwischenruf eines Besuchers. Ein orangener Pulli wäre zu diesem Ort, in internationalen Musikerkreisen als „Orange Club“ bekannt, wohl passender. Das merkt sich Liechtenstein. Zum zweiten Set des Abends trägt er tatsächlich einen, wenn nicht orangefarbenen, so doch dezent roten Pulli.

Eine Nebensächlichkeit. Aber auch Nebensächliches ist wichtig bei dem Konzert des Schauspielers, Regisseurs und als Sänger durch den Song „Supergeil“ für die Werbekampagne eines Einzelhandelsverbandes bekannt gewordenen Charakterkopfs.

Aber was heißt hier schon Konzert! Liechtenstein sieht sich selbst als Performer. Er ist ein Gesamtkunstwerk, dass sich selber ausstellt. So ein Gesamtkunstwerk muss kein guter Sänger sein, obwohl seine Nicht-Stimme großen Charme hat und in tiefen Lagen eine gewisse Wärme verströmt. Sei es die Farbe seines Pullis, die schönen Schuhe der Dame in der ersten Reihe oder von Liechtenstein zu knackigen House-Beats dezent eingestreutes Wolfsgeheul und Delphinschnattern – alles ist Teil einer unterhaltsamen und tiefenentspannten Performance.

Ob das nun Jazz ist und in einen Jazz-Club passt, sei dahingestellt. Es ist wohl eher Electro-Pop. Oder genauer: Rezitativer Electro-Pop mit einem Schuss Chanson und viel Poesie. Seine Mitmusiker sind dazu da, den Meister mit sparsamer wie subtiler Begleitung einen würdigen musikalischen Rahmen zu liefern. Pianist Arnold Kaspar tupft ein paar schöne Harmonien und steuert – wenn nötig – per Knopfdruck am Computer schnittige Designer-Beats bei. Dazu wackelt Liechtenstein mit berufsjugendlichem Charme und Rücken zum Publikum sein Hinterteil. Sebastian Borkowski lotet an Saxofon, Flöte und Bassklarinette mit passenden Klangtexturen die melancholische Stimmung der Songs aus. Es sind Songs, die „Delphinmann“, „Schönes Boot aus Klang“, „Boitzenburg“ oder „Nicht Singen beim Schwimmen“ heißen. Im ersten Teil erklärt Liechtenstein gern, welche Bedeutung hinter den Texten steht. Was weitaus länger ausfällt, als der Song selbst. Im zweiten Teil hält er sich mit Erklärungen merklich zurück. Dafür trägt er jetzt aber den weitaus schickeren Pulli.

Das nächste Konzert im Jazz-Club gibt es am Freitag, 15. April, mit dem Julia Kader Trio.

Von Bernd Schwope

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