Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Hat ein Hannoveraner das Pyramiden-Rätsel gelöst?

Altertumsforschung Hat ein Hannoveraner das Pyramiden-Rätsel gelöst?

Der Hannoveraner Friedrich Wilhelm Korff will das Rätsel um den Bau der Pyramiden gelöst haben. Es ist ein Ergebnis von historischer Dimension. Doch der Forscher findet damit kaum Gehör.

Voriger Artikel
Der Absturz eines erfolgreichen Autors
Nächster Artikel
Der kleine Horror-Zirkus

Kleines Modell, große Idee: Friedrich Wilhelm Korff mit Mini-Pyramide in seinem Arbeitszimmer. 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Als Wissenschaftler müsste der Mann eigentlich am Ziel aller Wünsche sein. Jahrhundertelang haben Forscher nach der Lösung des Rätsels gesucht, das Friedrich Wilhelm Korff nun aufgelöst hat. Es ist ein Ergebnis von historischer Dimension. Doch ausgerechnet das Historische erweist sich dabei als Problem - die aktuelle Forschung hat inzwischen ganz andere Wege eingeschlagen. Korffs Erkenntnisse wecken daher bei vielen Wissenschaftlern vor allem Desinteresse und sogar Spott. Denn Korff hat sich auf schwer vermintes Gelände begeben: Er hat das Prinzip wiederentdeckt, nach dem die alten Ägypter ihre Pyramiden gebaut haben.

Kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin hat so viele krude Thesen angezogen wie die Ägyptologie. Vor allem die rätselhafte Größe und geometrische Schönheit der Pyramiden haben massenhaft Esoteriker, Verschwörungstheoretiker und Ufoforscher auf den Plan gerufen. Ernsthafte Forschung wurde so irgendwann unmöglich: Längst hat sich die Ägyptologie daher von ihrem größten Faszinosum abgewandt und sich soziologischer, wissenschaftstheoretischer und anderer, unzweifelhaft seriöser Fragestellungen angenommen. Natürlich kommt immer mal wieder einer und erklärt das Rätsel der Pyramiden für gelöst. Zu den Ägyptologen aber dringen solche Stimmen schon lange nicht mehr durch. Zu viel Unsinn hat sie auf diesem Ohr ertauben lassen.

Abenteuerliche Umwege 

Es kann also nicht überraschen, dass Korff kein Altertumsforscher ist. An der hannoverschen Leibniz-Universität hat der 2003 emeritierte Professor fast ein Vierteljahrhundert Philosophie gelehrt. Er ist aber auch technisch bewandert, hat eine künstlerische Ader, kann gut rechnen und ist versiert in Latein und Altgriechisch. Korff gehört zur seltenen Spezies der Universalgelehrten: Er schert sich nicht um die Grenzen zwischen Fächern. Wenn ihn ein Problem beschäftigt, sucht er die Frucht der Erkenntnis nicht an einem einzigen Baum, sondern im ganzen Garten. Und so hat er schließlich auch das Bauprinzip der Pyramiden entdeckt: auf abenteuerlichen Umwegen.

Genau diese Umwege stehen heute aber selbst den wohlgesinnten Professorenkollegen in der Sicht, wenn sie Korffs Beweis zu würdigen suchen. Dabei ist seine ursprüngliche These, die er schon 2008 veröffentlich hat, inzwischen unzweifelhaft nachgewiesen. In seinem neuen Buch „Das musikalische Aufbauprinzip der ägyptischen Pyramiden“ (Olms-Verlag, 286 Seiten, 58 Euro) legt Korff die Rechenwege dar, nach denen die Baumeister der Ägypter die Pyramiden geplant und gebaut haben.

Korffs Theorie lässt sich nachrechnen

Mit diesen Rechnungen, die vom Stand der altägyptischen Mathematik ausgehen und auf Zahlenreihen der unteren Primzahlen beruhen, lassen sich die meisten praktischen Probleme, die sich beim Bau stellen, leicht lösen. Sie bieten wenige klare Messpunkte, die gewährleisten, dass die Schenkel der Pyramide am Ende tatsächlich genau an der richtigen Stelle zusammentreffen. Und weil das Ganze Mathematik ist, ist der Bereich der Spekulation verlassen: Korffs Theorie lässt sich nachrechnen. Sie ist so klar wie die Tatsache, dass eins plus eins zwei ergibt.

Doch ganz auf Zahlen reduzieren möchte Korff, für den Mathematik „das filigrane leere Geäst vor dem Schnee“ und „die weiße Rückseite der Musik“ ist, seine Entdeckung eben doch nicht. Das ließ schon der Titel seines ersten Buches zum Thema erahnen, mit dem er heftigen Widerspruch geerntet hat: „Der Klang der Pyramiden“. Korff hat die Zahlen in altgriechischen Quellen gefunden, wo sie auch in einem musikalischen Zusammenhang stehen. Denn die Zahlenverhältnisse, aus denen sich die Proportionen der Pyramiden ergeben, entsprechen denen von musikalischen Intervallen. Der Abstand zwischen zwei Tönen lässt sich so mit den Neigungswinkeln der Pyramiden gleichsetzen. Die Seiten der Cheopspyramide, auf die Korff sein Interesse zuerst gerichtet hatte, erwachsen beispielsweise im Verhältnis 4:3 schräg aus dem Wüstensand. Teilt man die Schwingungen eines Tons im gleichen Verhältnis, etwa indem man die Saite eines Streichinstruments genau an dieser Stelle auf das Griffbrett drückt, entsteht ein neuer Ton, der eine Quarte höher ist als der erste.

Es geht um Bausteine 

Die verschiedenen Neigungswinkel, die sich bei sämtlichen Pyramiden im Nildelta finden, entsprechen auf diese Weise alle einfachen musikalischen Intervallen. Es gibt also einen klaren Bezug zur Welt der Töne; die Musik aber ist davon durchaus noch weit entfernt: Es geht um die Bausteine, nicht um die Architektur.

In seinen ersten Veröffentlichungen hat Korff den Bezug zur Musik stark herausgestellt - und damit vermutlich viele Leser verschreckt: Tönende Pyramiden klingen eben zu sehr nach Esoterik. An der Kritik und Nichtbeachtung seiner Entdeckung wäre Korff fast verzweifelt. Im neuen Buch legt er den Schwerpunkt nun stärker auf die Mathematik: Korff rechnet alle Schritte an verschiedenen Beispielen detailliert vor, sodass ein zweifelsfreier Nachweis seiner Theorie erbracht ist.

Davon, dass die teilweise harsche Kritik der vergangenen Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist, kündet noch der hämische Untertitel „Ein Nachruf auf die zeitgenössische deutsche Ägyptologie“. Korff hat sich enttäuscht und beleidigt von dieser Disziplin abgewandt und Verbündete nun in anderen Fachbereichen gesucht und gefunden. Doch auch, wenn es die Ägyptologen derzeit tatsächlich nicht interessieren sollte: Sie werden nicht umhinkommen, Korffs Entdeckungen eines Tages als richtig anzuerkennen. Vorausgesetzt, sie verrechnen sich nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.