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Kultur Fritzi Haberlandt spielt die Marquise von O...
Nachrichten Kultur Fritzi Haberlandt spielt die Marquise von O...
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08:54 11.02.2016
Auf unsicherem Grund: Fritzi Haberlandt als Marquise von O... Quelle: Stöß
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Hannover

Soll sie den Grafen heiraten, der ihr gerade so übereilt einen Antrag gemacht hat? Die Marquise weiß nicht so genau. Also fragt sie ihre Eltern. „Was habt ihr denn so für’n Gefühl?“ Na ja – mühsam lächelt der Vater, vorsichtig nickt die Mutter. Obwohl Gefühle bei Heinrich von Kleist stets eine eminent wichtige Rolle spielen, steht diese Frage so nicht in seiner Novelle „Die Marquise von O…“.

In dem kurzen Prosatext schildert er einen unerhörten Vorgang: Die Marquise wurde von einem russischen Offizier vor einer Vergewaltigung durch den Soldatenmob gerettet. Nach überstandener Gefahr fiel sie in einen tiefen Schlaf – und fand sich einige Wochen später in anderen Umständen wieder. Im Schlaf oder ähnlichen Momenten der Abwesenheit passieren bei Kleist immer sehr merkwürdige Sachen. Sie bringen die Ordnung des Staates, des Militärs oder der Familie durcheinander. Und oft bringt bei ihm genau das den Untergang, was gleichzeitig auch die Rettung sein könnte.

Armin Petras hat Kleists Novelle für das Theater bearbeitet, und er hat diese Geschichte einer Frau in besonderen Umständen mit der Geschichte einer Frau in allgemeinen Umständen verknüpft. Auf knapp anderthalb Stunden Kleist folgen knapp anderthalb Stunden Christoph Hein. In seiner Novelle „Drachenblut“ erzählt er von einer Ärztin, die gern fotografiert und ungern tiefere Bindungen eingeht. Kleist und Hein ergänzen sich nicht zu etwas Fertigem, die beiden Novellen stehen aber auch nicht unverbunden nebeneinander, sondern kommentieren sich sacht gegenseitig. Bei beiden Frauenbildern, die hier präsentiert werden, spielt die Frage der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Und immer kann etwas abstürzen: Regisseur Armin Petras hat beide Novellen höhergelegt: Er lässt sie auf einer gigantischen Wippe spielen (Bühne: Annette Riedel). So eröffnen sich viele Möglichkeiten zu taumeln und zu stürzen.

Vor zwei Jahren hatte die Doppelproduktion „Die Marquise von O… / Drachenblut“ in Stuttgart Premiere. Jetzt wurde das Stück an zwei Abenden am Schauspiel Hannover gezeigt. Das Gastspiel war auch ein Wiedersehen mit der Schauspielerin Fritzi Haberlandt, die zu Beginn ihrer Karriere am Schauspiel Hannover engagiert war, wo sie einen ganz hervorragenden Eindruck gemacht hatte. Sie verleiht der Marquise reichlich bodenständigen Pragmatismus – das Unerklärbare wird bei ihr schnell zum Gegebenen, aus dem man eben das Beste zu machen habe. Die Marquise ist bereits zweifache Mutter, und Mütter finden ja immer einen Weg – das wird bei Haberlandt sehr unterstrichen.
Die Schauspielerin ist eine Meisterin des Beiseitesprechens, eine Künstlerin der kleinen, unscheinbaren Nebengeschichten. Und auch hier war wieder eine kleine wunderleichte Improvisation am Rande zu sehen.

Spannend wäre es gewesen, ihr auch die Hauptrolle der Ärztin aus Heins „Drachenblut“ zuzumuten. Aber die spielt Astrid Meyerfeldt. Und sie spielt sie gut: Ihre Einsamkeit und Zurückhaltung ist auch als Aufbegehren gegen die Zumutungen des Sozialen (und der Mutterrolle) sichtbar.

Das nächste Gastspiel am Schauspiel Hannover gibt es am Sonnabend, 13., und am Sonntag, 14. Februar, jeweils um 19.30 Uhr. Dann zeigt das Berliner Maxim Gorki Theater jeweils um 19.30 Uhr Sebastian Nüblings Inszenierung von Sibylle Bergs Stück „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“. Karten unter Telefon: (05 11) 99 99 11 11.

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