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Unerbittliche Waliser

Funeral For A Friend im Musikzentrum Hannover Unerbittliche Waliser

Leicht hatte es diese Band in den letzten Jahren nicht. Als die Emo-Welle der Nullerjahre ihren Höhepunkt erreichte, setzte Funeral For A Friend mit ihrem ersten Studioalbum „Casually Dressed and Deep in Conversation“ in der Post-Hardcore-Szene noch Maßstäbe. Dann wurde sie vielen Anhängern zu poppig, zu casual.

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Hart und pragmatisch: Funeral for a Friend

Quelle: Ditfurth

Hannover. Bandmitglieder gingen, neue kamen hinzu. Jetzt, nach 13 Jahren, haben die fünf Waliser um Sänger Matthew Davies-Kreye und Gitarrist Kris Coombs-Roberts ihr siebtes Album auf den Markt gebracht: „Chapter and Verse“. Die Songs wollen an alte Zeiten anknüpfen; die hannoverschen Fans, die an diesem Abend zum Musikzentrum pilgern, wollen es auch.

Die walisische Band "Funeral For A Friend" hat am Mittwoch im Musikzentrum gespielt.

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Schon während des Auftritts der Vorband New Deadline wackeln erste Köpfe im Takt der finnischen Power-Punk-Musik. Mit viel Liebe und Bewegungslust röhrt Sänger Jonas Aaltio Songs wie „Monte Rosa“ oder „Hurricane“ aus dem Album „Remember“ ins Mikro. Gitarrist Markus Ikävalko und Bassist Lauri Talja stapfen in militärischer Manier aufeinander zu, voneinander weg. Schlagzeuger Eemeli Rimpiläinen bangt Haupt und Haar in wilder Ekstase; die melodischen Bridges dienen als Vorboten für das, was kommt.

Funeral For A Friend legt nach kurzer Pause ohne viel Tamtam einfach los. Hart und pragmatisch spielt die Band ihr Set aus alten und neuen Hits. Da hat „Conduit“ aus dem gleichnamigen Album von 2013 genauso viel Platz wie „You’ve Got a Bad Case of the Religions“ aus dem aktuellen.

Die unverwechselbar harmonische Stimme von Davies-Kreye rettet dabei nicht nur über die polternden Rhythmen des Schlagzeugers Pat Lundy und des Bassisten Richard Boucher, mit ihren Texten benennt Davies-Kreye auch gesellschaftliche Missstände. Dabei singt er kraftvoll klagend über soziale Ungerechtigkeit („Inequality“) und die Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen („1%“).
Dass Funeral For A Friend auch in politischer Mission in Deutschland unterwegs ist, unterstreicht Davies-Kreye vor allem zwischen den Songs: Die bedingungslose Aufnahme von Flüchtlingen in Europa ist ihm wichtig, große Zustimmung erhält er aus dem Publikum.

Die positiv-aggressive Dauerbeschallung erreicht ihren Höhepunkt mit den Postcore-Balladen „History“ und „Roses of the Death“. Nass geschwitzt und oberkörperfrei haut Schlagzeuger Lundy das Letzte aus seinem Instrument heraus, die Gitarristen Kris Coombs-Roberts und Gavin Borrough verblüffen mit jedem neuen Riff, Davies-Kreye rockt energiegeladen über die Bühne.

Das rund 70-minütige Power-Work-out endet fulminant und aufreibend. Eine Zugabe gibt es trotz ausdauernder Fanrufe nicht. Da sind die Waliser unerbittlich.

Von Melanie Huber

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