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Nachrichten Kultur Galerie Koch zeigt Architekturbilder
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09:25 16.03.2018
Architekturbilder sind bis zum 7. April in der Galerie Koch zu sehen. Quelle: Galerie Koch Stadel
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Hannover

 Schlank und schmal ragt diese Architektur auf, sieben Stockwerke hinauf bis zu den sie überspannenden Bögen ist die Fassade durch Gesimse rhythmisiert, künden Kapitelle und Rosetten von herrschaftlichem Repräsentationswillen. Doch der Leerstand hinter blinden Fenstern sowie die düstere Patina von Verwitterung und Verfall zeugen zugleich davon, dass dieser Anspruch längst verjährt sein dürfte, und zwischen den Bögen sind zweite und dritte Hinterhöfe zu ahnen. Architektur als Herrschaftsgeste? Oder nur ein in absurde Höhen aufgeblähtes Zusammenspiel von Vorder- und Hinterhausensemble, wie man es, freilich in bescheideneren Ausmaßen, aus den ärmeren Kiezen des Berliner Ostens kennt?

Das Gemälde des Berliner Künstlers Stefan Hoenerloh ist ein Beispiel dafür, dass Architekturvisionen alles andere als schlichte Abbilder sein können. Denn er weiß die Betrachter seiner Werke zugleich zu faszinieren und zu irritieren: Einerseits zeigen seine Vexierbilder unmögliche Architektur, Bauten, die so nur Fiktionen sein können, andererseits scheinen sie hyperrealistisch präsent - bis hin zu einer reliefartigen Haptik der Oberfläche, die dem nähertretenden Betrachter das Bauwerk wie zum Greifen echt erscheinen lässt. Hoenerloh ist ein Meister malerischer Mehrfachkodierung.

Klassiker der Moderne und zeitgenössische Künstler – von Schmidt-Rottluff, Nolde und Kirchner bis zu Richard Estes, Stefan Hoenerloh und Thomas Cena präsentiert die Galerie Koch menschliches Bauen in ihrer Ausstellung „Vom Stadel bis zum Wolkenkratzer“.  

Gelegenheit zu solchem Nähertreten und anderen architektonischen Betrachtungen bietet jetzt die Galerie Koch in ihrer neuen Ausstellung „Vom Stadel zum Wolkenkratzer“. Gut 20 künstlerische Positionen sind hier mit insgesamt 30 Werken vertreten – von Postkartenformaten bis zu großen Flächen, von der Zeichnung bis zu Aquarell-, Acryl- und Ölgemälden, vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwartskunst. Und alle widmen sich dem menschlichen Bauen.

Darunter ist einige Prominenz und manche Rarität: Das früheste Werk ist Ernst-Ludwig Kirchners „Landschaft bei Moritzburg“ (1909), auch Nolde und Schmidt-Rottluff sind vertreten. Von Lyonel Feininger ist eine späte Reminiszenz an Usedom dabei, vom als Maler spätberufenen Schriftsteller Hermann Hesse ein „kubistisches Haus“, von Rudolf Jahns eine Linien- und Flächenmalerei, in der nur ein, zwei Vertikalen überhaupt Architektur ahnen lassen.

Neben eher konventionellen Werken wie Werner Heldts Berliner Straßenszene in Kohle oder Reiner Wagners titelgebenden Heustadeln in Öl gibt es auch visuelle Herausforderungen – etwa Thomas Cenas feinziselierte Silberstiftzeichnung „Weißes Haus“, die normierten Häuser von Horst Antes oder die backsteinbewehrten Varianten „Versteinerter Himmel“ von Timm Ulrichs. Und wem die sieben Stockwerke von Stefan Hoenerlohs unmöglicher Architektur noch nicht hoch genug aufstreben, der kann sich an dem Anblick des immerhin 57-geschossigen Woolworth Building erfreuen - präzise festgehalten von Richard Estes, dem Pionier des Fotorealismus. Und überdies auch noch real existierend.

„Vom Stadel zum Wolkenkratzer. Architekturdarstellungen“. Bis 7. April in der Galerie Koch, Königstraße 50.

Von Daniel Alexander Schacht

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