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Harken, Hölzer und Bleche

Ausstellung zeigt Arbeiten von Jochen Weise Harken, Hölzer und Bleche

„Schön gefunden“ heißt die Ausstellung in der Galerie vom Zufall und vom Glück, die die jüngste Werkgruppe des in Hannover und Meinersen arbeitenden Künstlers Jochen Weise präsentiert. Die Holzdrucke und Aquarelle zeigen: Weise ist nicht nur ein einfallsreicher Künstler, sondern auch ein hervorragender Handwerker.

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Rhythmus vom Altar

Zwischen Figuration und Abstraktion – aus der neuen Werkgruppe von Jochen Weise.

Quelle: Schacht

Hannover. Vertikal türmt sich ein merkwürdig zusammengeschraubter Hochsitz auf, fast pedantisch genau festgehalten sind Scharniere und Fensterdurchsichten, Rost auf der Felge, Schlieren auf dem Anhänger, Lichtblitze auf den Latten der Bretterbude darüber – so als wollte der Urheber dieses Bildes damit einer Art Hyperrealismus huldigen. Doch dann scheint ihm die Lust am Figurativen vergangen zu sein: Der Bildhintergrund ist flächig, die am Hochsitz lehnende Leiter hat nur drei Sprossen – Jochen Weise, ein Schöpfer im Schlendrian?

Tatsächlich ist dieser Künstler ein akribischer Grenzgänger zwischen figurativer und nicht gegenständlicher Malerei. Auf seinen Bildern erhält der Zufall nur für klar kalkulierte Aufgaben Spielraum, hier etwa für den wässrigen horizontalen Farbverlauf im Vordergrund und die geschwemmten senkrechten Schlieren im Hintergrund. In dessen Grau lässt Weise einen fahlen Baumstumpf aufragen, der die Rechtecksflächen von Wiese und Acker zerschneidet. Perspektive deutet nur eine Diagonale an, aus der der Baum herauswächst. Doch das reicht aus, um dieses Gemälde zum Kippbild zu machen, das zwischen räumlicher Tiefe und geometrischer Flächigkeit changiert.

„Schön gefunden“ heißt die Ausstellung in der Galerie vom Zufall und vom Glück, die die jüngste Werkgruppe des in Hannover und Meinersen arbeitenden Künstlers zeigt, Ölgemälde, Holzdrucke und Aquarelle. Darauf bildet er die alltäglichen Objekte seines Umfelds ab: Harken und Hölzer, Bleche und Maschendraht, eine ausgediente Zielscheibe vom Schützenfest und eine defekte Deichsel, Gegenstände, die meist vor einer düsteren Holzwand oder an deformiertem Wellblech lehnen.

Ausstellungstipp

Jochen Weise: „Schön gefunden“. Bis 26. Juni in der Galerie vom Zufall und vom Glück, Theodor-Lessing-Platz 2.
Geöffnet dienstags bis freitags von 15 bis 18 sowie sonnabends und sonntags von 12 bis 15 Uhr.

Lauter Objekte des eher ländlichen Nahbereichs also, meist noch dazu in dunklen, den Blick begrenzenden Ecken. Banalität im Winkel? Die Enge bricht Weise auf, indem er der peniblen Gegenständlichkeit die Abstraktion bloßer Flächen entgegenstellt, und das mit aufwendigen Malverfahren: mit Tropf- und Spritztechniken, wässrigen Farbverläufen oder dickem Spachtelauftrag. Der kann bloßer Geometrie, aber auch der Gegenständlichkeit dienen. Dass etwa der Schattenwurf eines Wellblechdaches so authentisch wirkt, liegt daran, dass Weise dessen Wellen als dickes Relief auf die Leinwand setzt. Und eine Lattenwand sieht so erstaunlich echt verwittert aus, weil er die Farbe auf der Leinwand jene Risse ziehen lässt, die man eben auch von verwitterten Lattenwänden kennt.

Man merkt: Jochen Weise, Jahrgang 1946, ist nicht nur ein einfallsreicher Künstler, sondern auch ein hervorragender Handwerker. Er war Werkzeugmacher und Technischer Zeichner, bevor er in Hannover und Braunschweig Kunst studiert hat. Und er hat sich als Künstler mit jugendlichen Skatern ebenso beschäftigt wie mit minimalistischen Farbexperimenten und raumgreifenden Installationen. „Schön gefunden“ ist auch deshalb eine schöne Ausstellung, weil sie zeigt, dass man mit fast 70 Jahren durchaus noch neue künstlerische Projekte starten kann.

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