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Gauthier Dance zeigt sieben Stücke in zwei Stunden

Moderner Tanz Gauthier Dance zeigt sieben Stücke in zwei Stunden

Sieben Stücke in zwei Stunden: Im Stuttgarter Theaterhaus zeigt die hauseigene Kompanie Gauthier Dance die große Bandbreite modernen Tanzes. Der Abend beweist auch, dass es sogar zur ältesten Angelegenheit der Welt ganz gegensätzliche Sichtweisen geben kann.

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Die Tänzer der Gauthier Dance Company tanzen im Theaterhaus in Stuttgart für das Stück "Sechs Tänze" von dem Choreographen Jiri Kylian.

Quelle: dpa

Stuttgart. Es ist die älteste Geschichte der Welt und sie wird an diesem Abend zweimal erzählt. Zwei Menschen verlieben sich ineinander und müssen lernen, die Leidenschaft in den Alltag zu retten. Einmal geht das beim Tanzabend „Lucky Seven“ im Stuttgarter Theaterhaus so: Die Frau wirbt fast albern um den Mann, tänzelt, wackelt ausgiebig mit dem Hintern und bekommt „ihn“ tatsächlich. Sie erleben eine hübsche Zeit miteinander, bis schließlich erste Probleme auftauchen und nicht gelöst werden können. Kurz vor Schluss schaut der eine nach vorne, während der andere nur zurückblicken kann. Schließlich bleibt nichts als eine leere Bank, auf der das Pärchen sich immer traf.

„The Old Man And Me“ heißt diese von Hans van Manen gestaltete traurige Variante der Liebesgeschichte und sie kommt am Mittwoch beim Premierenpublikum ausgesprochen gut an. Für den Tanzabend hat die hauseigene Kompanie Gauthier Dance sechs weitere Choreographien auf die Bühne gebracht, drei davon sind Uraufführungen. Als lose Klammer um all die Stücke könnte herhalten, dass sich die Miniaturen vor allem um Zwischenmenschliches drehen, doch mehr noch zeigen sie Musik und modernen Tanz in ihrer großen Bandbreite.

Da handelt das mit US-Folk-Sänger Devendra Banhart untermalte „Lickety-Split“ davon, wie sechs junge Menschen miteinander umgehen, sich mal hier und mal dort verlieben und schließlich doch oft eigene Wege gehen. In „Punk Love“ wird zu elektronischen Klängen, mit netter Pointe und schnellen Bewegungen von den äußerlich oft sichtbarsten Spuren eines Lebens erzählt: Tattoos.

„Shutters Shut“ mit seinen zwei in schwarze und weiße Korsetts gekleideten Tänzern greift ein ohne Musikuntermalung gesprochenes Gedichtporträt Pablo Picassos auf, das der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein gewidmet ist. „Carlito“, eine Flamenco-Choreographie und Mozarts „Sechs Deutsche Tänze“ runden das Spektrum der insgesamt rund zweistündigen Aufführung ab. Die von Jiri Kylian gestaltete kluge Spielerei darüber, wie am Hofe getanzt wird, während im Hintergrund das Elend wütet, schien beim Publikum aber eher humoristisch anzukommen.

Bleibt noch „Pietra Viva“ vom Italiener Mauro Bigonzetti, die zweite sehr konkrete Liebesgeschichte des Abends. Mit eindrucksvoll langsam geführten Bewegungen zeigen Anna Süheyla Harms und William Moragas im Schlussbild ihres Tanzes, wie eine Liebe auch enden kann: Als starke Skulptur aus zwei Menschen, in der sie von ihm gestützt wird, sich nach oben streckt und damit über sich selbst hinauszuwachsen scheint.

dpa

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