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Eine Frau mit Mission

Gayle Tufts im Theater am Aegi Eine Frau mit Mission

Ein feines Stück Unterhaltung: Die Comedienne und Sängerin Gayle Tufts präsentiert im Theater am Aegi ihre Bühnenshow „Superwoman“ – und entschuldigt sich dabei für ihren Präsidenten.

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„Superwoman“: Gayle Tufts.

Quelle: HC

Hannover. Es ist kurz vor der Pause, als Gayle Tufts sich wütend auf den Boden der Bühne des Theater am Aegi wirft. Kurz vorher hat die in Deutschland lebende US-Amerikanerin sich für Donald Trump entschuldigt – sie hätte alles ihr Mögliche gegen diese „Mischung aus Dieter Bohlen und Dagobert Duck“ getan. Nur eines, sagt die 56-Jährige beherrscht, hätte sie dazu noch zu sagen. Und geht zu Boden. Hämmert auf die Bühnenbretter.

Gayle Tufts' Programm „Superwoman“ hat größtenteils mit Standardsituationen der Stand-Up-Comedy zu tun – es geht um die Absurdität von Grünkohl-Smoothies, Männer-so-und-Frauen-so-Dinge, um Step-Aerobic und Smartphones, ein bisschen was unter der Gürtellinie wie beispielsweise eine Passage über vaginale Pilzinfektionen gibt es auch.

Ein Hauch Feminismus

Aber zwischen diesen Standards scheint immer auch große Ernsthaftigkeit durch, die Passage über Trump ist so ein Moment, oder wenn Tufts über starke Frauen wie Ginger Rogers und Adele spricht. Hauptsächlich zeigt sich diese Ernsthaftigkeit, ein politisches Gemisch aus linkem Liberalismus mit einem Hauch Feminismus, in den zwischen die Comedy-Monologe geschobenen Songs. Die performt Tufts zusammen mit ihrem Bühnenpartner, dem Filmusikkomponisten und exzellenten Pianisten Marian Lux.

Und wenn Tufts, als Freiheitsstatue verkleidet, über Trumps Einreiseverbote singt, dann merkt man: Tufts hat eine Mission. Dazu kommt, dass die Songs auf Englisch vorgetragen werden, während Tufts das restliche Bühnenprogramm in ihrem charakteristischem, witzig gemeinten Denglish vorträgt – das Programm beginnt sie, beispielsweise, mit dem Satz: „Ich habe eine exzellente Feeling für tonight.“

Zwischen dieser Mission, der Ernsthaftigkeit, und Tufts Denglish-Comedy klickt der Abend manchmal sehr gut zusammen: Die Trump-Passage mit dem Freiheitsstatue-Song, beispielsweise, tariert Witz und Traurigkeit sehr gut aus. Andere Passagen wiederum finden nicht so gut zusammen, weil der Unterschied in Vortragsweise und Thema zu groß wird.

Trotz solcher kleiner Unstimmigkeiten ist der Abend mit Tufts Programm „Superwoman“ ein feines, wenn auch kleines, Stück Unterhaltung. Hauptsächlich liegt das daran, dass man mit Tufts und ihrer 25-jährigen Bühnenerfahrung und Lux als Virtuosen am Klavier zwei Profis zusieht, die nicht nur Spaß an an ihrer Show haben. Sondern auch etwas zu sagen.

Von Jan Fischer

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