Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Geächtet“ von Ayad Akhtar im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur „Geächtet“ von Ayad Akhtar im Schauspielhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 10.12.2017
Hagen Oechel, Sarah Franke, Henning Hartmann und Johanna Bantzer in „Geächtet“ Quelle: Karl-Bernd Karwasz
Hannover

 „Geächtet“ von Ayad Akhtar ist das erfolgreichste amerikanische Theaterstück der letzten Jahren. 2013 erhielt Akhtar für das Stück den Pulitzer-Preis, 2016 wurde „Geächtet“  in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum besten ausländischen Stück des Jahres gewählt. Jetzt ist es im Schauspiel Hannover zu sehen – und auch in der recht eigenwilligen Inseznierung von Sascha Hawemann ist noch zu erkennen, dass es ein Erfolgsstück, ein handwerklich gut gemachtes Werk ist.

Akhtar zeigt eine Dinnerparty. Amir, ein Anwalt, der seine islamischen Wurzeln verleugnet und seine Frau Emily, eine Künstlerin, die den Islam als Inspirationsquelle nutzt, haben Isaac, einenjüdischen Kurator und dessen Frau Jory, eine Afroamerikanerin, eingeladen. Die gegenseitigen Abhängigkeiten (Aufmerksamkeit, Karrierebeförderung, Ruhm, Sex) sind vielfältig, das Lachen ist laut. Bis die Sprache auf die Religion kommt. Dann beginnt ein Schlagabtausch, an dessen Ende Amir alles verloren haben wird. Das Spiel ist immer genau auf den gewünschten Effekt hin konstruiert, trotzdem ist es recht spannend und stellenweise funkelt es auch in den Dialogen. 

Der besondere Erfolg des Stückes hat sicher auch etwas mit dem Umstand zu tun, dass auf der Bühne ganz aktuelle Themen verhandelt werden: der Islam, die Anschläge vom 11. September. Es gibt ja so eine Sehnsucht nach dem politisch aktuellen Theater.

Das glatte Konversationsstück von heute mag Regisseur Hawemann allerdings nicht präsentieren. Er beginnt mit Soul und Funk: Die Darsteller tanzen exaltiert und tragen Schlaghosen, breites Karo und Goldglitzer aus dem New York der siebziger Jahre. Aus den Boxen schnellt „Papa was a Rollin’ Stone“ von den Temptations. Ach ja. 

Mit der coolen Siebziger-Party (Kostüme: Ines Burisch) gelingt es dem Regisseur, eine schöne und notwendige Kunstdistanz zum Well-Made-Play aufzubauen. Und in einigen halbwegs stummen Szenen zeigt er, dass Zuschreibungen auch Zurichtungen sein können. Den Darstellern werden Masken übergestülpt, sie verkümmern zum Typ. Aber sind sie das nicht längst gewesen? Hagen Oechel als missmutiger Anwalt, Henning Hartmann als gockelhafter Kurator, Sarah Franke als verzagte Künstlerin und Johanna Bantzer als Karrieregirl – entsprechen ganz der Vorlage, die eine gewisse Eindimensionalität verlangt.

Aber der Tanz ist gut.

Ansonsten pustet ein gigantischer Ventilator fortwährend Nebel ins Publikum, und am Ende wird artig Kunstblut vergossen. Ganz wie sich das heute so gehört im Theater. 

Von Ronald Meyer-Arlt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Abosystem Moviepass - Kommt die Flatrate fürs Kino?

Filme auf der großen Leinwand sehen – so oft man will: Abosysteme könnten eine sterbende Institution retten. In den USA wird bereits ein Bezahlmodell nach dem Vorbild von Netflix und Co. getestet.

07.12.2017

Die spitzen Ohren der Elfen sind eine Konstante in der fantastischen Literatur. Der kleine Wiener Verlag „ohneohren“ geht da andere Wege.

08.12.2017

Intendantin Katrin Zagrosek verlässt die Niedersächsischen Musiktage. Sie wird Intendantin der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Das Programm der Musiktage 2017 steht bereits fest. Thematischer Schwerpunkt sind „Beziehungen“.

07.12.2017