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„Geächtet“ von Ayad Akhtar im Schauspielhaus

Premiere „Geächtet“ von Ayad Akhtar im Schauspielhaus

Pulitzerpreis, Kritikerauszeichnung als bestes ausländisches Stück: „Geächtet“ von Ayad Akhtar ist das erfolgreichste amerikanische Theaterstück der letzten Jahren. Jetzt ist es in der Inszenierung von Sascha Hawemann im Schauspiel Hannover zu sehen. 

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Hagen Oechel, Sarah Franke, Henning Hartmann und Johanna Bantzer in „Geächtet“

Quelle: Karl-Bernd Karwasz

Hannover.  „Geächtet“ von Ayad Akhtar ist das erfolgreichste amerikanische Theaterstück der letzten Jahren. 2013 erhielt Akhtar für das Stück den Pulitzer-Preis, 2016 wurde „Geächtet“  in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum besten ausländischen Stück des Jahres gewählt. Jetzt ist es im Schauspiel Hannover zu sehen – und auch in der recht eigenwilligen Inseznierung von Sascha Hawemann ist noch zu erkennen, dass es ein Erfolgsstück, ein handwerklich gut gemachtes Werk ist.

Akhtar zeigt eine Dinnerparty. Amir, ein Anwalt, der seine islamischen Wurzeln verleugnet und seine Frau Emily, eine Künstlerin, die den Islam als Inspirationsquelle nutzt, haben Isaac, einenjüdischen Kurator und dessen Frau Jory, eine Afroamerikanerin, eingeladen. Die gegenseitigen Abhängigkeiten (Aufmerksamkeit, Karrierebeförderung, Ruhm, Sex) sind vielfältig, das Lachen ist laut. Bis die Sprache auf die Religion kommt. Dann beginnt ein Schlagabtausch, an dessen Ende Amir alles verloren haben wird. Das Spiel ist immer genau auf den gewünschten Effekt hin konstruiert, trotzdem ist es recht spannend und stellenweise funkelt es auch in den Dialogen. 

Der besondere Erfolg des Stückes hat sicher auch etwas mit dem Umstand zu tun, dass auf der Bühne ganz aktuelle Themen verhandelt werden: der Islam, die Anschläge vom 11. September. Es gibt ja so eine Sehnsucht nach dem politisch aktuellen Theater.

Das glatte Konversationsstück von heute mag Regisseur Hawemann allerdings nicht präsentieren. Er beginnt mit Soul und Funk: Die Darsteller tanzen exaltiert und tragen Schlaghosen, breites Karo und Goldglitzer aus dem New York der siebziger Jahre. Aus den Boxen schnellt „Papa was a Rollin’ Stone“ von den Temptations. Ach ja. 

Mit der coolen Siebziger-Party (Kostüme: Ines Burisch) gelingt es dem Regisseur, eine schöne und notwendige Kunstdistanz zum Well-Made-Play aufzubauen. Und in einigen halbwegs stummen Szenen zeigt er, dass Zuschreibungen auch Zurichtungen sein können. Den Darstellern werden Masken übergestülpt, sie verkümmern zum Typ. Aber sind sie das nicht längst gewesen? Hagen Oechel als missmutiger Anwalt, Henning Hartmann als gockelhafter Kurator, Sarah Franke als verzagte Künstlerin und Johanna Bantzer als Karrieregirl – entsprechen ganz der Vorlage, die eine gewisse Eindimensionalität verlangt.

Aber der Tanz ist gut.

Ansonsten pustet ein gigantischer Ventilator fortwährend Nebel ins Publikum, und am Ende wird artig Kunstblut vergossen. Ganz wie sich das heute so gehört im Theater. 

Von Ronald Meyer-Arlt

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