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Gedok im Kubus Hannover feiert Jubiläum

Ausstellung Gedok im Kubus Hannover feiert Jubiläum

„Der Faden der Ariadne“: Eine Ausstellung zum 85. Jubiläumsjahr der Gedok im Kubus Hannover zeigt Verstrickungen.

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Eine Ausstellung, die ganz offensichtlich einen roten Faden hat.

Quelle: Kristoffer Finn

Hannover. Vier Kleidungsstücke erzählen von einer vielschichtigen Persönlichkeit: ein sportliches Top, eine Lederjacke, ein geknöpftes Kleid, eine Tunika. In Erika Ehlerdings Fotografie „Ein langer Weg zur Künstlerin“ verkörpern die biografisch bedeutsamen Stücke nicht nur persönliche Erinnerungen, also Verwandlungen und Verstrickungen auf Ehlerdings Lebensweg, sie nehmen vielmehr den Faden auf, den das programmatische Ausstellungsmotto vorgibt.

Mit der Präsentation „Der Faden der Ariadne“ feiert die Städtische Galerie Kubus das 85. Jubiläum der Gedok, des ältesten und europaweit größten Netzwerks für Künstlerinnen. 41 Teilnehmerinnen der Gedok-Region Nord hat eine Jury ausgewählt und ihre Arbeiten zu einer labyrinthischen Schau verknüpft. Der prägnante rote Faden auf Hannovers Fußwegen, der die Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt verbindet, setzt sich jetzt im Treppenhaus und im Ausstellungsraum des Kubus fort. Von Stellwand zu Stellwand, von Werk zu Werk zieht sich der rote Faden und koppelt Malerei, Papierarbeiten, Skulpturen, Installationen und Fotografien.

Auf die Dauer wirkt das penetrant. Ob in Ruth Bubel-Bickhardts federleichten Radierungen zum Ariadne-Mythos, in Ursula Jenss-Sherifs weiblichen Porträts auf Leinwand oder in Karin ­Franitza-Oberschelps Terrakottaskulpturen von drei tanzenden weiblichen Figuren, die der legendären Choreografin Pina Bausch gewidmet sind: Immer drängt sich ein roter Faden in den Vordergrund – aus Wolle, aus Klebeband oder als Pinselstrich. Dem Assoziationsvermögen der Besucher wird zu wenig zugetraut. Sollte nicht die Phantasie des Zuschauers die Verknüpfung herstellen?

In der griechischen Mythologie spann Ariadne den Faden, der den Göttersohn Theseus aus dem Labyrinth des Minotaurus führte. Dieser vermeintlich weiblichen Weisheit spricht die Ausstellung das Wort und schränkt sich damit unnötig ein. Spezifische Themen wie Schwangerschaft, Gleichberechtigung der Frau in der Partnerschaft, weibliche Intuition und femininer Tanz sind Gegenstand der Auseinandersetzung. Dabei könnte man Ariadne viel freier verstehen: als Symbiose von Vernunft und Gefühl, Männlichkeit und Weiblichkeit, als Herausforderung des Minotaurus, des Chaotischen in uns. Die Welt sollte ohne Scheuklappen in den Fokus rücken. In Hildegard Mahns naiver Zeitungscollage „Gratwanderung oder Entscheidungsfreiheit zwischen positiven und negativen Möglichkeiten“ findet sich ein Kommentar auf Genmanipulation, den man schlichtweg ummünzen möchte: „Einmal freigesetzt, sind die Kunstindividuen nicht mehr rückholbar, Fehler irreparabel.“ Eben das möchte man der Gedok wünschen: mehr Mut zum Risiko – politisch inkorrekt und virulent.

„Der Faden der Ariadne. 85 Jahre Gedok“, bis 28. August in der Städtischen Galerie Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2. Dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags 11 bis 16 Uhr.

Kristina Tieke

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