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Geht Michael Jackson bald wieder auf Tournee?

Als Hologramm Geht Michael Jackson bald wieder auf Tournee?

Elvis Presley, Michael Jackson und Whitney Houston als Hologramm – sieht so die Zukunft der Konzertwelt aus? Tote Rockstars werden auf der Bühne wieder zum Leben erweckt und sollen sogar wieder auf Welttournee gehen.

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Gehen Elvis Presley (v.l.), Michael Jackson und Whitney Houston bald als Hologramme auf Tournee?

Quelle: afp

Hannover. Elvis hat das Gebäude verlassen, aber er kommt schon ganz bald wieder – als Hologramm. Eine spezielle Computertechnik erweckt Legenden wie Elvis Presley, Michael Jackson, Tupac und Ronnie James Dio wieder zum Leben, schickt sie sogar auf Welttournee. Leichenfledderei oder spektakuläres Erlebnis? Während viele Fans von diesen Plänen noch nicht sonderlich begeistert sind, wollen Hologramm-Pioniere wie die Firma Eyellusion noch viele weitere Musikgrößen zurück auf die Bühne holen.

Beim Wacken Open Air erlebten 75.000 Fans die Wiedergeburt des Ex-Black-Sabbath-Frontmanns Ronnie James Dio mit gemischten Gefühlen. Während seine Witwe Wendy hinter der Bühne sichtlich ergriffen war und weinte, als sie ihren Ehemann wiedersah, den sie 2010 an den Krebs verloren hatte, stand Ute Kromrey, langjährige Tourmanagerin, daneben und zog ein weniger emotionales Fazit: "Es war ein spannendes Experiment. Manche Fans waren begeistert, die Mehrheit aber war – sagen wir mal – erstaunt. Mir ging es nicht so, dass ich dachte, Ronnie steht jetzt auf der Bühne."

Holgramme als musikalische Zukunft

Doch genau dieses digitale Ereignis bei Livekonzerten soll, geht es nach Jeff Pezzuti, Gründer und Chef von Eyellusion, die musikalische Zukunft sein. Dio sei erst der Anfang gewesen, kündigt der Amerikaner an. Zwölf Konzerte soll es demnächst mit dem "Holo-Dio" geben. Verkauft er für seine Shows genug Tickets, sollen auf den Rocker weitere Legenden folgen. Kurt Cobain, Amy Winehouse, Whitney Houston, Prince, Bob Marley – die Liste ist lang, sehr lang.

Das Prinzip dieser Konzerte ist simpel: Das Hologramm von früheren Auftritten wird auf eine Plattform im Zentrum der Bühne projiziert, dazu spielt die Band – lebendig und in Farbe. Fertig ist die Wiedergeburt. Mit dieser Technik entstünde die Möglichkeit, so sagt es Wendy Dio, ihren Ronnie wieder auf die Bühne zu bringen, "wo er hingehört. So können wir sicherstellen, dass seine Musik und sein Andenken weiterleben". Sie selbst aber gibt auch zu, wie ihr bei den ersten Proben ein kalter Schauer über den Rücken lief. "Es war ziemlich gruselig."

Coachella holt Tupac zurück

Die Hologramm-Idee auf der Bühne ist nicht neu. Beim legendären Coachella-Festival holten die Veranstalter 2012 schon Rapper Tupac zurück. Elvis Presleys frühere Originalband tourt mit dem digitalen "King of Rock’n’Roll" rund um den Globus. Die Technik wird immer besser und immer realistischer. Ein wichtiger Bestandteil der Liveerlebnisse aber fehlt: die Interaktionen mit dem Publikum und damit die emotionale Bindung. Das Gefühl gleicht einem Kinobesuchen, weniger einem Rockkonzert.

"Es gibt keine Interaktion"

Nachgefragt bei Professor Peter Schwenkow. Er ist Konzertveranstalter und Vorstandsvorsitzender der DEAG Deutsche Entertainment AG.

Tote Musiklegenden stehen dank Hologramm-Technik wieder auf der Bühne. Sehen so die Konzerte der Zukunft aus?

Hologramme können eine interessante Ergänzung eines Konzerts sein, mehr nicht. Das ist wie Mundwasser und Zahnpasta. Nur mit Zahnpasta lassen sich die Zähne auch putzen. Es ist aber ganz nett, wenn man noch etwas dazu hat.

Früher wurde auch gesagt, den Fans würde es nicht gefallen, wenn die Konzerte zum Beispiel ins Kino übertragen würden. Ein Trugschluss.

Es funktioniert sehr viel stärker, als wir jemals vermutet hatten. Daher kann ich mir auch vorstellen, dass es Fans gibt, die sich Lemmy Kilmister oder Elvis Presley angucken wollen. Aber das funktioniert nur dann, wenn man ein einziges Event daraus macht. Am Ende des Tages ist es so: Da es bei diesem Modell keine Interaktion zwischen Künstler und Fan gibt, wird es für das Konzertgeschäft auch niemals eine Gefahr sein. Live ist eben live – was ich mir vorstellen kann, ist, dass man bestimmte Konzerte konserviert. Ich glaube aber, dass man das nur an dem Ort reproduzieren kann, wo es auch tatsächlich stattgefunden hat.

Die Firma Eyellusion hat eine Welttournee mit zwölf Konzerten mit dem Hologramm von Ronnie James Dio angekündigt.

Wenn eine Karte 15 Euro kostet, könnte es funktionieren. Ansonsten nicht. Es wird ein paar Hardcorefans geben, die auch durch den Effekt des Neuen angelockt werden. Insgesamt aber halte ich das Konzept nicht für ein langfristig tragendes Geschäft, das Live auch nur in irgendeiner Form ersetzen kann. Es findet keine Kommunikation statt – auf der Bühne steht ein Toter. Das Phänomen wird sehr schnell vorbei sein. Anfangs ist die Neugierde. Das wird kein Trend.

Dabei ist es gerade diese Nähe zu den Fans, die den Unterschied ausmacht. Eine Nähe, die Lemmy Kilmister, verstorbener Sänger der Rocker von Motörhead, zur Legende machte. 70 Jahre harter Rock und jede Menge Whiskey-Cola hinterließen Spuren – und die gibt es nicht aus der Konserve. Sein Manager Todd Singerman gehört zum Team von Eyellusion. Er soll Berichten zufolge schon am digitalen Erbe arbeiten. Steht also bald ein "Geister-Lemmy" auf der Bühne? 2014 wurde der Rockstar danach gefragt: "Ich will niemanden als Hologramm auf der Bühne sehen. Am wenigsten mich selbst", lautete die Antwort in seiner gewohnt schnodderigen Art. "Lemmy war Motörhead. Ohne ihn kann es kein Motörhead geben", betont Ute Kromrey, Tourmanagerin und 18 Jahre an Lemmys Seite. "Ich habe manchmal das Gefühl, ich müsste Lemmy heute mehr beschützen als zu Lebzeiten." Jeder habe seine Helden, sicher. Aber: "Es ist nun einmal vorbei."

Tote brechen Rekorde

Das sehen nicht alle so. Mit Toten lässt sich nämlich zu viel Geld verdienen. Michael Jackson starb 2009, verdiente aber alleine 2015 stolze 115 Millionen Dollar. Auf Platz zwei der Forbes-Liste mit den am besten Post-mortem-Verdienenden liegt Elvis Presley. Der King starb vor fast 40 Jahren, seine Erben bekamen 2015 noch immer 55 Millionen US-Dollar. Reggae-Legende Bob Marley bringt es auf 21 Millionen US-Dollar (Platz vier), Ex-Beatle John Lennon auf zwölf Millionen (Platz sieben). Einnahmen, die noch steigen, wenn die toten Stars wieder auf der Bühne stehen – als virtuelle Legenden für die Ewigkeit.

 Von Carsten Bergmann, RND

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