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Kultur Kamensek verlässt Hannover
Nachrichten Kultur Kamensek verlässt Hannover
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20:18 19.03.2014
Von Stefan Arndt
Geht: Karen Kamensek will sich nach 2016 auf ihre internationalen Aufgaben konzentrieren. Quelle: Burkert
Hannover

Nun möchte sie sich verstärkt auf ihre internationalen Verpflichtungen konzentrieren. Für Intendant Michael Klügl wird es nun eine wichtige Aufgabe sein, die Weichen für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu stellen. Sein Vertrag, der ebenfalls 2016 ausgelaufen wäre, wurde gestern um drei Jahre bis 2019 verlängert. „Ich freue mich über die Möglichkeit, hier weiter zu arbeiten“, sagt er.

Beide Personalien kommen nicht ganz unerwartet. Schon während der Verhandlung mit dem Land gab es Signale, dass auch die grüne Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic weiter auf den bisherigen Intendanten bauen wird. „In nunmehr acht Spielzeiten leitet Michael Klügl sowohl in künstlerischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht sehr erfolgreich die Staatsoper Hannover“, sagte die Ministerin gestern. Klügl habe dabei durch die Etablierung der Jungen Oper die Jugendarbeit deutlich aufgewertet.

Vor allem hat Klügl in den ersten Jahren seiner Intendanz seit 2006 dafür gesorgt, dass die Auslastung an der Staatsoper kontinuierlich gestiegen ist. Derzeit liegt sie bei gut 85 Prozent.

Das Publikum ist dabei längst an durchweg ambitionierte Produktionen gewöhnt, die nicht selten sogar experimentierlustig sind. Die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Barrie Kosky und Benedikt von Peter hat Hannover zu Recht auch überregionale Aufmerksamkeit beschert. Von Peter hat für seine erste Inszenierung in Hannover, Nonos „Intolleranza“, den Deutschen Theaterpreis bekommen, ein Jahr später hat er mit „La Traviata“ Kritiker und Zuschauer gleichermaßen begeistert. Dass Klügl aber nicht einfach bewährte Modelle weiterlaufen lässt, war Ende der vergangenen Spielzeit zu beobachten, als der Intendant bei der geplanten dritten Produktion von Peters nicht von dessen Konzept überzeugt war, und die „Meistersinger“-Inszenierung daraufhin dem Regisseur Olivier Tambosi übertrug. Von Peter wird trotzdem weiter unter Klügls Intendanz in Hannover arbeiten: Im Mai hat seine „Don Giovanni“-Version Premiere.

Nicht ganz so glücklich wie mit seinen Regisseuren agierte Klügl bisher mit den musikalischen Leitern. Wolfgang Bozic, der 2006 zusammen mit dem Intendanten aus Linz nach Hannover gewechselt war, konnte nicht ganz die hohen Erwartungen einlösen, die an dieses Amt gekoppelt sind. Die erheblich schwungvollere Karen Kamensek leistet im Orchestergraben oft gute Arbeit bei Opernvorstellungen, konnte als Konzertdirigentin aber nicht immer überzeugen. Vor allem die vordergründig wenig effektvollen Werke des deutsch-romantischen Repertoires tönten bei ihr manchem Kritiker zu pauschal.

„Wir begrüßen nach fünf Jahren einen Wechsel an dieser Position“, sagte gestern Orchestervorstand und Soloklarinettist Uwe Möckel. „Es ist immer wünschenswert, nach einiger Zeit neue künstlerische Impulse ins Opernhaus zu bringen, damit es auch fürs Publikum interessant bleibt.“ Ministerin Heinen-Kljajic  dagegen bedauert, dass die Dirigentin ihre Arbeit nicht nach 2016 fortsetzt: „Karen Kamensek hat große Verdienste um die musikalische Qualität der Konzerte und Opernaufführungen der Staatsoper Hannover“, teilte sie mit.

Aus Orchesterkreisen war zuletzt ein gewisser Unmut mit der Arbeit der Chefdirigentin zu hören gewesen. Intendant Klügl äußerte Verständnis für die Entscheidung der Amerikanerin, sie habe zuletzt viele attraktive Angebote ablehnen müssen. Nun freut er sich „auf zwei weitere gute Jahre der Zusammenarbeit“.

Welche neuen Schwerpunkte Klügl für die Zeit nach 2016 genau geplant hat, war gestern nicht zu erfahren. Dass es langweilig werden könnte, schloss der Intendant aber aus. „Ich setzte ja schon jetzt immer neue Schwerpunkte“, sagt er. Finanziell bleibe „für Sonderwünsche“ allerdings nicht viel Platz. Einen Wunsch hat er bei den Vertragsverhandlungen aber doch geäußert: Die Staatsoper soll endlich eine Drehbühne bekommen. Auch dafür ist nun bis 2019 Zeit.

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