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„Alt jeworden, aber jut“

Generalprobe mit Marius Müller-Westernhagen „Alt jeworden, aber jut“

Geradeheraus-Rock bei der Generalprobe – Marius Müller-Westernhagen spielt für 200 geladene Gäste im Berliner Black Box Music. Am Sonnabend kommt der Altrocker nach Hannover. Mathias Begalke hat sich das Probekonzert angehört.

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„Unvergesslich“: Marius Müller-Westernhagen 2012 in der Tui-Arena. 

Quelle: dpa

Berlin. Wo proben eigentlich Popstars für ihre Tourneen durch Mehrzweckhallen und Stadien? Wo gibt es ausreichend Platz, um sich auf Shows dieser Größenordnung vorzubereiten? Bei Black Box Music in Berlin zum Beispiel, einem der führenden deutschen Verleiher von Veranstaltungstechnik. Die Band Rammstein ist Stammkunde, genauso wie Marius Müller-Westernhagen. Der 66-Jährige hat dort im Pankow-Park, einem Gewerbegebiet im Norden der Stadt, gerade sein neues Live-Programm einstudiert. Früher baute der VEB Bergmann-Borsig auf dem Gelände Kraftwerksturbinen.

Beim letzten Test vor dem Tourstart waren auch Fans in der Probehalle 2 mit dabei. Einige hatten die Eintrittskarten gewonnen, indem sie auf Westernhagens Facebook-Seite ihre Erinnerungen an ihn veröffentlichten. Gemeldet haben sich Fans, die das erste Konzert wie den ersten Kuss empfanden, die ihr Kind Marius nannten oder sich ein Porträt des Musikers auf den Arm tätowieren ließen. Einer war auf dem Weg zu Westernhagen im Fahrstuhl stecken geblieben. Er wurde rechtzeitig befreit. „Unvergesslich“, schreibt er.

Auch diese Show vor nur 200 Zuschauern ist ein exklusives Erlebnis. Näher kann man als Fan seinem Idol kaum kommen. Man ist derart dicht dran, dass man problemlos vortreten und dem Sänger und Schauspieler Fragen zurufen könnte: Haben Sie Angst vor dem Älterwerden? Fühlt sich Verliebtsein mit Mitte 60 anders an als mit 18? Waren Sie verletzt oder wütend, als man Sie damals als „Armani-Rocker“ verspottete? Das macht aber niemand.

Die Fans sollen nicht fotografieren. Westernhagen bittet sie außerdem, die Titelreihenfolge nicht vorab in den sozialen Netzwerken auszuplaudern. Die Journalisten, die eingeladen wurden, dürfen dagegen über die Generalprobe berichten. Sie ist wohl auch als PR-Aktion gedacht. Denn es gibt noch genug Tickets für die meisten der sieben deutschen Hallenkonzerte.
Früher war das mal anders. Doch der Musiker hat den Schrumpfprozess selbst erzwungen. Er hatte es satt, in Fußballstadien zu spielen, angehimmelt, überhöht, vergöttert zu werden. Sein aktuelles 19. Album „Alphatier“ stellte er im vergangenen Jahr sogar bei Clubkonzerten vor, gewissermaßen im kleinen Kreis. Er spielte es komplett am Stück. Erst danach rückte er doch noch ein paar Hits raus. Das wird auf der kommenden Tour anders sein.

Westernhagen bietet einen Mix. Doch die „Alphatier“-Songs wie „Liebe (Um der Freiheit willen)“, „Engel, ich weiß ...“ und „Oh, Herr“ geben den Ton vor für seine Best-of-Stücke. Seine amerikanische Band macht selbst aus den zerdudelten Fetenhits „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ oder „Sexy“ wieder schroffen, spannenden Geradeheraus-Rock. Bei „Lass uns leben“ steigt ein Chor aus 200 Stimmen mit ein.

Elen Wendt singt auch mit. Die Berlinerin, 1989 geboren, im Jahr des Mauerfalls, gehört zu den Jüngeren im Publikum. Sie ist Straßenmusikerin, ein Star auf der Schönhauser Allee und dem Alexanderplatz. Westernhagen hat sie dort vor ein paar Wochen beim Vorbeigehen entdeckt, ihr Album gekauft, später angerufen und sie eingeladen, seine Show in der Mercedes-Benz-Arena vor wahrscheinlich 10 000 Menschen zu eröffnen. Eine außergewöhnliche Geschichte. Ob Westernhagen Elen schon im Fernsehen gesehen hatte, ihren Auftritt bei „The Voice of Germany“, ist nicht bekannt.

„Unvergesslich“, werden einige der 200 Zuhörer nach der Show irgendwo im Internet verkünden. Einer, unüberhörbar aus Berlin, sagt seine Meinung schon am Ausgang von Probehalle 2: „Alt jeworden isser, aber jut. Wie immer.“

Konzert in Hannover

Marius Müller-Westernhagen spielt am Sonnabend um 20 Uhr in der Tui-Arena. Restkarten gibt es an der Abendkasse.

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