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Nachrichten Kultur So war das Konzert von Gisbert zu Knyphausen
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01:07 02.03.2018
Gisbert zu Knyphausen im Pavillon. Quelle: Sielski
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Hannover

  Gisbert zu Knyphausen ist einer der unscheinbaren unter den deutschen Liedermachern. Er braucht keine Hornbrille, keine Retroattitüde und keine Kunsthochschulposen. Ihm genügen tiefes Empfinden, ungekünstelt schöne Worte und Musiker, die seine Leidenschaft teilen. Seit Oktober berührt er die Fans mit seinem dritten Album „Das Licht dieser Welt“. Er gewinnt schnell neue dazu. Nachdem er sein für November geplantes Konzert in der Faust wegen einer Kehlkopfentzündung absagen musste, wurde der Nachholtermin in das größere Kulturzentrum Pavillon verlegt – und war schließlich mit 1100 Besuchern auch dort ausverkauft.

Ein Freiherr ohne Allüren

 Untätig war Knyphausen in den sieben Jahren seit der letzten Soloveröffentlichung allerdings nicht. Mit Nils Koppruch gründete er die Band Kid Kopphausen, vor deren Erfolg der Kollege und Freund jedoch plötzlich starb. Den Schock verarbeitete Knyphausen unter anderem in einer Tournee mit dem gemeinsamen Material. Es ist wohl kein Zufall, dass „Niemand“, der erste Song auf dem neuen Album, einer ist, den er noch mit Koppruch schrieb. Mit ihm eröffnet er auch das Konzert „Es dauert lang, bis man lernt, ein Niemand zu sein“, singt der bescheidene Musiker, der mit vollem Namen Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen heißt.

 Trotz adeliger Herkunft und elterlichem Weingut mit Schlosshotel im Rheingau kannte Knyphausen nie Allüren, war seinen Zuhörern immer ganz nah. Wenn der studierte Musikpädagoge über Schwermut singt, klingt das nicht aufgesetzt. Und auch seine Zeilen über Glück scheinen niemals Behauptung zu sein. Er wirft verständige, zärtliche Blicke in alle Winkel des Lebens, nimmt sich Zeit, um sich erst einzufühlen und dann aus emotionalen Verstrickungen wieder freizuschreiben. Er macht es sich nicht einfach.

Offenheit und Stilbewusstsein

Seine Fans spüren Umständlichkeit und daraus resultierende Freiheit, sie kennen und verstehen beide. Sie mögen Knyphausens unsicheres Lachen auf der Bühne. 

Und sie lieben ihn dafür, dass er unterbricht, als jemand im Publikum in Ohnmacht fällt. „Sollen wir weiterspielen oder braucht ihr noch das Licht?“, fragt er, aufrichtig besorgt. 

Zwei seiner neuen Songs, „Cigarettes & Citylights“ und „Teheran Smiles“, singt er auf Englisch, ein Experiment, zu dem er sich auf Reisen entschloss. Dennoch legt er Wert darauf, dabei nicht fremd zu klingen. Also bewahrt er sich seinen deutschen Akzent, aus Gründen der Wahrhaftigkeit. Eine Mischung aus Offenheit und Stilbewusstsein pflegt Knyphausen auch mit seiner neuen Band. Die Instrumentierung ist indes vielschichtiger geworden. 

Dennoch beherrschen auch Bläser, Slide-Gitarre und Keyboards sowohl beschauliche Einfühlsamkeit als auch explosive Leidenschaft. Der neue Sound ist fein, subtil und erdig rockend zugleich. Er lässt viel gleichberechtigten Raum für einzelne Instrumente, der in der gelungenen Live-Mischung im Pavillon transparent erfahrbar wird. Mitverantwortlich an den neuen Klangdimensionen ist der Hannoveraner Jens Eckhoff, der als Jean Michel Tourette bereits die Band Wir sind Helden mitgründete, nun bei Knyphausen Keyboards und Gitarre spielt – und außerdem dessen neues Album produzierte.

Zwei Stunden musikalisches Schaffen

 Auch alten Songs wie „Neues Jahr“, „Sommertag“ oder „So seltsam durch die Nacht“ tut die Dynamik auf der Bühne gut. Posaune und Trompete sorgen für jazzig angehauchte Sentimentalitäten, Bass und Schlagzeug verleihen mancher Zeile neue Wucht. Fast zwei Stunden lang spielt sich Knyphausen durch Songs aus allen Phasen seines musikalischen Schaffens. 

In den Zugaben wünschen sich einige Fans seinen Klassiker „Melancholie“, den er jedoch verweigert. Vielmehr spielt er den neuen Song „Dich zu lieben ist einfach“, der er für seine Partnerin schrieb. Dass sich etwas an seinem Blick auf die Welt verschoben hat, wird nicht nur deutlich, als er singt: „Die Angst und die Wut sind fast aufgebraucht.“

Von Thomas Kaestle

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