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Darum geht es in Verdis Oper "La Traviata"

Berühmtes Bühnenwerk Darum geht es in Verdis Oper "La Traviata"

Bei ihrer Uraufführung war sie ein Flop – heute ist Giuseppe Verdis "La Traviata" eine der meistgespielten Opern. Am Samstag bringt der NDR das Werk im Maschpark auf die Bühne und die HAZ überträgt es im Livestream. Aber worum geht es in dem Stück überhaupt?

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Eine schrecklich nette Familie: Alfredo (Francesco Demuro, links), Violetta (Marina Rebeka) und Germont (Thomas Hampson).

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Die Handlung von vielen Verdi-Opern ist verschlungen und kompliziert, bei "La Traviata" – Verdis 19. Bühnenwerk von 1853 – ist das aber glücklicherweise anders. Der Komponist und sein Librettist Francesco Maria Piava haben sich dabei einer Vorlage von Alexandre Dumas bedient: Dessen Roman "Die Kameliendame" beschreibt (mit autobiografischen Zügen) das unglückliche Liebesverhältnis zwischen einem jungen Mann aus glänzenden Verhältnissen und einer Kurtisane – also einer Frau, die sich als eine Art Geliebte auf Zeit von vermögenden Gönnern aushalten lässt.

In "La Traviata" heißt diese Frau Violetta Valéry. Die Zuschauer treffen sie zu Beginn der Oper bei einem Fest in ihrem derzeit von dem Baron Douphol finanzierten Salon, bei dem auch Alfredo Germont anwesend ist. Er verliebt sich in Violetta, die ihn erst abweist, um dann aber doch einer Verabredung zuzustimmen und Alfredo als Zeichen der Verbundenheit eine blühende Kamelie zu überreichen.

Violetta muss Alfredo verlassen

Zu Beginn des zweiten Aktes sind bereits drei Monate nach dieser Begegnung vergangenen. Alfredo lebt seither mit Violetta zusammen und entdeckt trotzdem erst jetzt, dass sie den gemeinsamen Haushalt allein finanziert. Er bricht auf, um selbst Geld zu besorgen. Währenddessen sucht sein Vater Violetta auf und bittet sie, die seine Familie entehrende Beziehung zu seinem Sohn zu beenden. Violetta spürt bereits, dass ihre Lungenkrankheit sie bald töten wird und stimmt deshalb schweren Herzens zu. Bei seiner Rückkehr sucht Alfredo Violetta vergebens. Ein Brief von ihr informiert ihn, dass sie ihn verlassen werde. Tatsächlich findet Alfredo sie wieder bei dem Baron Douphol. Dort verunglimpft er seine Geliebte und bewirft sie mit Geld, als bezahle er für geleistete Liebesdienste. Alfredos Vater ist vom Verhalten des Sohnes entsetzt, und Violetta ist traurig, weil sie ihm den Grund für ihr Verhalten nicht offenbaren kann.

Stück war bei Uraufführung ein Flop

Zu Beginn des dritten und letzten Aktes hat Alfredo einige Wochen später aber durch seinen Vater doch davon erfahren. Sofort eilt er zu Violetta, die er auf dem Krankenbett findet. Ihre Versöhnung aber kommt zu spät: Violetta stirbt in Alfredos Armen.

Trotz des Erfolgs des Romans war der Stoff wegen seiner damaligen gesellschaftlichen Brisanz auf der Opernbühne ein Wagnis. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass das Stück bei der Uraufführung ein Flop war. Der Erfolg stellte sich erst bei späteren Aufführungen ein – und hält bis heute an: "La Traviata" ist inzwischen Verdis meistgespielte Oper.

Spannung vor den ersten Tönen

Keri-Lynn Wilson ist Großes gewohnt , aber von den Aufführungen beim Klassik-Open-Air heute und am Sonnabend erwartet sie doch „ein bisschen mehr Elektrizität und mehr Energie“ als sonst üblich. Dabei meint die kanadische Dirigentin, die schon im vergangenen Jahr im Maschpark mit von der Partie war, nicht die dieser Tage drohenden Gewitter. Wilson spricht von der Masse der Zuhörer, die in Hannover zuletzt den üblichen Rahmen bei Weitem übertroffen hat: 45 000 Menschen waren bei den insgesamt drei Aufführungen im vergangenen Jahr live dabei, und zählt man die Übertragungen in Fernsehen und Internet dazu, steigt die Zahl der Zuschauer sogar auf rund eine Million. Kein Wunder, dass es bei den Künstlern jetzt ein bisschen kribbelt.

Besonders nervös scheinen sie deshalb aber nicht zu sein. NDR-Fernsehchefin Marlis Fertmann berichtet im Gegenteil von einer auffallend entspannten Arbeitsatmosphäre und der Vorfreude, die bei allen Beteiligten zu spüren sei. Tenor Francesco Demuro etwa findet, dass mit der „wunderbarer Kulisse und einer tollen Besetzung alle Zutaten für einen wunderbaren Abend“ bereitstehen. Seine Kollegin Marina Rebeka freut sich, dass eine Oper einmal so viele Zuhörer bekommt. Und Star-Bariton Thomas Hampson schwärmt von den besonderen Möglichkeiten, die die Fernsehproduktion bietet. „Oper gilt ja manchmal als zu großformatige Kunstform“, sagt der Sänger. Aber mithilfe der zehn Kameras können man die vielen Details beim „Entzifferungsprozess der Partitur“ viel deutlicher zeigen, als in einer reinen Bühnenaufführung. Für ihn hat gerade die Kombination aus Massenveranstaltung und Intimität einen besonderen Reiz.

Wer das als Zuschauer nachvollziehen möchte und keine Karte für einen Platz vor der Bühne bekommen hat, ist wohl am besten vor der Videowand aufgehoben, die sie Stadt gegenüber dem Landesmuseum aufgestellt hat und auf der die Aufführungen jeweils ab 21 Uhr zu sehen sein werden. Im Park sorgen Lautsprecher dafür, dass die Musik auf allen größeren Wiesen zu hören sein wird. Und falls es entgegen den hoffnungsvollen Prognosen der Veranstalter doch gewittern sollte, ist zumindest am Sonnabend auch das heimische Wohnzimmer kein ganz schlechter Platz: Das NDR Fernsehen sendet eine Aufzeichnung ab 21.45 Uhr. Schon ab 21 Uhr wird es einen Livestream unter anderem auf haz.de geben .

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