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14:34 24.08.2016
Daniel Nerlich (vorn Mitte) mit Bandkollegen Sandro Tajouri (l.) und Tom Schneider (2. v. l.), rechts im Hintergrund: Andreas Schlager - Szene aus „Rocco und seine Brüder“. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?

Wir machen Punkrock Poetry. Das ist ein harter Sound, der nichts neu erfinden will, dessen einzelne Elemente - Text, Melodie und Rhythmus - aber Grenzen sprengen. Dieser Sound ist mit großer Intensität aufgeladen. Er erzeugt im besten Fall eine hohe Energie.

Das Wort Energie fällt schnell, wenn es um Ihre Band geht, es beschreibt auch Sie als Schauspieler sehr treffend...

Darum geht es mir, ja. Man muss den inneren Regler beherrschen. Energie kann vieles sein. Sagen wir mal: Ich will etwas Energetisches erleben auf der Bühne.

Sie sind Kopf und Stimme von A Boy Named River und zugleich Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover. Wenn Sie mit der Gitarre ans Mikro treten, tritt dann der Schauspieler Daniel Nerlich vollständig dahinter zurück?

Ja, der Schauspieler ist weg. All die Empfindungen, die ich mit einem Song verknüpfe, strömen auf mich ein. Das hat nix zu tun mit dem Spielmoment, wo ich geschützt bin durch eine Rolle, durch meine Kollegen; es ist, als würde ich jemandem ein Gedicht vorlesen. Ich merke auch schnell, ob der Funke überspringt. Allerdings holt mich auch die Musik immer wieder ab. Ich kann mich sehr gut im Sound meiner Band verlieren.

Bisher lief die Band eher neben Ihrem Job als Schauspieler, jetzt kommt beides zum ersten Mal in einer großen Theaterproduktion zusammen. Wie fühlt sich diese Verschmelzung live auf der Bühne an?

Gut, aber auch ungewohnt. Ich habe ja eine kleine Rolle, und die Möglichkeiten, als Spieler einzugreifen, sind leider nicht so oft gegeben. Ich bin eher Beobachter, absorbiere, was passiert, und versuche, es durch die Songs wieder „rauszuspucken“. Trotzdem ist es ein Zusammenspiel, und es ist echt spannend. Songs schreiben ist ein ganz anderes Mittel, als ich sonst einer Produktion zur Verfügung stelle. Zu sehen, was die Kollegen damit machen, ist extrem befriedigend.

Sind die Songs in „Rocco und seine Brüder“ eigens für die Inszenierung entstanden?

Wir mussten tatsächlich fast alles komplett auf den Proben entwickeln. Das war auch eine ganz interessante Erfahrung, es hatte so eine fantastische Folgerichtigkeit. Dadurch ist jetzt ein Soundtrack für das Stück entstanden.

Und diesen Soundtrack kann sich der Besucher von „Rocco und seine Brüder“ im Programmheft mit nach Hause nehmen?

Wenn wir es terminlich schaffen, werden wir einige Songs veröffentlichen in einer Edition, die man im Theater bekommt.

Wie ist die Premiere bei den Ruhrfestspielen gelaufen?

Gut. Die Bühne dort ist riesig, anders als Hannover. Wir mussten uns alle umstellen, auch musikalisch. Als die Premiere lief, hatte ich ein schönes Gefühl, so, als würden wir beschenkt - things fall into place, sagt man im Englischen.

Das war alles nicht ganz einfach, aber im Moment der Premiere waren die eigentlich unvereinbaren Gegensätze Theater und Rock ’n’ Roll vereint.

„Rocco“ spielt im Boxermilieu, für die Inszenierung wurde sogar eigens ein Boxtrainer engagiert. Wie war es für Sie, in diese Welt einzutauchen?

Ich wäre gern mehr eingetaucht, muss ich zugeben, aber eine Verletzung hat das leider verhindert.

Was ist passiert?

Ich habe mich beim „Auftrag“-Gastspiel am Deutschen Theater Berlin schwer an der Schulter verletzt. Ein dummer Unfall. Danach konnte ich alles andere als boxen. Das war sofort klar.

Ursprünglich waren Sie für die Rolle des Simone vorgesehen, den jetzt Jacob Benkhofer spielt.

Ich kenne Jakob gut und war erleichtert, dass gerade er das macht. Inzwischen kann ich mir keinen anderen mehr vorstellen in dieser Figur.

Rocco und seine Brüder

nach dem Film von Luchino Visconti

Premiere

22. September

19.30 Uhr, Schauspielhaus

Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

anschl. Premierenfeier

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