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Gothic-Szene pilgert zum M’era Luna in Hildesheim

„Gruftie“-Schaulaufen Gothic-Szene pilgert zum M’era Luna in Hildesheim

Sie sind Klempner, Industriearbeiter oder Fitness-Trainer. Doch beim M’era Luna werden sie zu Fantasiegestalten mit Korsage, Gasmaske oder Nietenjacke. Das Gothic-Festival ist nicht nur ein Musikfest, sondern auch der Treff der schwarzen Szene aus ganz Europa.

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In Hildesheim hat das M’era-Luna-Festival begonnen.

Quelle: dpa

Hildesheim. Frivole Korsagen und Mini-Röckchen, strenge Militär-Uniformen oder auch ein Schlumpf-Kostüm: Der Hildesheimer Flugplatz wird einmal im Jahr zu einem riesigen Laufsteg für die Anhänger der Gothic- und Darkwave-Szene. Rund 20 000 Besucher kamen nach Veranstalterangaben in diesem Jahr nach Hildesheim - etwa 4000 weniger als im Rekordjahr 2010. Dabei wird die Musik hier beinahe zur Nebensache. Die Fans können sich auch bei Modeschauen über die neuesten Trends informieren, über einen Mittelaltermarkt spazieren oder Lesungen von Szene-Autoren besuchen.

Thorsten aus Hildesheim ist im richtigen Leben Arbeiter in einem Betrieb der Kunststoffverarbeitung. Am Samstag hat er sich eine Ledermaske übergestreift. Sein Gesicht ist bleich geschminkt und mit roten Spritzern verziert. Sein schwarzes Lederkostüm mit unzähligen Nieten und Schnallen hat er selbst gebastelt. Eine halbe Stunde hat er nach eigenen Angaben gebraucht, um sich so zurechtzumachen. Die Musik sei nicht ausschlaggebend für den Festival-Besuch, sagt der 38-Jährige. „Man wird akzeptiert, wie man ist“, freut er sich.

Die Gothic-Szene pilgert an diesem Wochenende wieder zum Hildesheimer Flugplatz. Dort hat am Samstag das M’era-Luna-Festival begonnen.

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Das ist vielen Besuchern bei dem Festival wichtig. Sie schlüpfen für zwei Tage in eine andere Rolle. „Bei M’era Luna kann man seine Fantasien ausleben“, sagt Festival-Organisator Jasper Barendregt von der Agentur FKP Scorpio. Das M’era Luna findet bereits zum elften mal auf dem Flugplatzgelände statt. Zuvor feierte die Szene bereits an gleicher Stelle seit 1996 das Zillo-Festival.

In den Anfangsjahren stand die Musik noch mehr im Vordergrund. Die Besucher waren vor allem schwarz gewandet und düster geschminkt. Seitdem sind nicht nur die Kostüme fantasievoller geworden. Auch das Rahmenprogramm haben die Organisatoren ausgeweitet. Nachdem es in den vergangenen Jahren bereits um einen Mittelaltermarkt und Modenschauen erweitert wurde, haben in diesem Jahr erstmals Szene-Autoren bei Lesungen im Flughafen-Hangar Auszüge aus ihren Werken präsentiert.

Auch wenn das Drumherum immer wichtiger wird, steht das Musikprogramm natürlich weiter im Mittelpunkt. In den vergangenen Jahren standen unter anderem die Sisters of Mercy, Marylin Manson und Unheilig auf der Bühne in Hildesheim. In diesem Jahr gehören die britischen Synthie-Popper Hurts zu den Top Acts. Die Gruppe kletterte im vergangenen Jahr mit ihrem Song „Wonderful Life“ auf Platz zwei der deutschen Charts. Weitere musikalische Höhepunkte des Festivals waren die niederländische Gruppe Within Temptation und die deutsche Band ASP. Insgesamt traten an den zwei Tagen mehr als 40 Bands auf zwei Bühnen auf.

Anders als es die oft furchteinflößende Verkleidung vermuten lässt, sind die Anhänger der „Gruftie“-Szene ein äußerst friedliches Völkchen, wie Organisator Barendregt erklärt. Schlägereien oder andere Ausschreitungen werden beim M’era Luna so gut wie nie registriert. „Wir brauchen viel weniger Sicherheitskräfte und viel weniger Polizei als bei anderen Festivals.“ Das liegt seiner Meinung nach auch an dem besonderen Charakter der Veranstaltung: „Es ist ein großes Freundetreffen.“

dpa

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Winterspring ist der Wecker für die Festivalgemeinde. Der Winterfrühling passt zum Sommer 2011, zumal der Sänger auch noch Regen heißt. Rain Dusky und seine Mitstreiter haben aber nicht viel Zeit am ersten der beiden M’era-Luna-Tage auf dem Hildesheimer Flugplatz.

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