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Kultur Grand Central Station in New York wird 100 Jahre alt
Nachrichten Kultur Grand Central Station in New York wird 100 Jahre alt
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16:00 01.02.2013
Ein Gebäude, das gut ankommt: Am 2. Februar wird die Grand Central Station in New York 100 Jahre alt. Quelle: dpa
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New York

Am 2. Februar wird der vielleicht berühmteste Bahnhof der Welt 100. Der Bahnhof hat zwar 67 Gleise und damit wohl mehr als jeder andere in der Welt. Doch nicht ein einziger Fernverkehrszug fährt mehr aus dem Palast an der 42. Straße. Dafür aber Vorortzüge mit täglich Hunderttausenden Pendlern. Und, so errechnete ein Fachmagazin, 21,6 Millionen Touristen im Jahr kommen vorbei. Der Louvre in Paris hat nicht einmal halb so viele – wobei der Bahnhof natürlich keinen Eintritt kostet.

Schon 1831 hatte New York seine erste Eisenbahn. 1858 verbannte man die dampfenden Ungetüme an den Stadtrand – das ist heute Midtown bei 42nd Street und Times Square. Cornelius Vanderbilt, seinerzeit der reichste Mann der Welt, sorgte für einen kräftigen Aufschwung seiner Eisenbahnen, doch 1902 führte ein Unfall zu einem Einschnitt: Als in den vollgequalmten Tunneln unter New York zwei Züge zusammenstießen, starben 17 Menschen. Eine Woche später wurde ein Plan vorgelegt für elektrische Züge – und einen neuen Bahnhof. Den Wettbewerb dafür gewann das Architekturbüro Reed and Stem – Reeds Schwester war mit dem Vizepräsidenten des Baukomitees verheiratet. Später kam noch das Büro Warren and Wetmore dazu – Warren war der Cousin von Eisenbahnchef William Vanderbilt. Aber neben Beziehungen hatten sie offenbar auch Talent, denn was da am Sonntag, dem 2. Februar 1913, eine Minute nach Mitternacht eröffnet wurde, war atemberaubend.

„Ein Gedicht in Stein“ – so warb schon eine Broschüre 1913 für das Grand Central Terminal mit zwei Ebenen, als es nach zehn Jahren Bauzeit mit einer Riesenfeier eröffnete wurde. Die Fassade mit den großen Bogenfenstern, den mächtig aufragenden Säulen im Beaux-Arts-Stil ist auch heute immer noch ein architektonisches Juwel inmitten der Wolkenkratzer. Riesige Kronleuchter demonstrierten mit ungezählten Glühbirnen stolz die damalige Errungenschaft der Neuzeit: elektrisches Licht. Restaurants, ein Gourmet-Markt und schicke Läden machen das Warten auf den nächsten Zug, die nächste Broadway-Show oder den nächsten Geliebten zum vergnüglichen Zeitvertreib.

Der neue Bahnhof wurde in eine Reihe gestellt mit dem Eiffelturm und dem Londoner Kristallpalast. Die nächsten Jahrzehnte waren die Glanzzeit. Wenn Präsidenten und Filmstars nach New York kamen, nahmen sie den Zug und kamen natürlich in Grand Central an. Das edle Hotel Waldorf-Astoria hatte ein eigenes Gleis, und im Bahnhof waren ein Kino, eine Galerie und sogar eine Kunstschule. Im Jahr 1947 nutzten gut 65 Millionen Amerikaner Grand Central – rein statistisch fast jeder zweite Einwohner des Landes.

Doch bald rollte der Bahnverkehr aufs Abstellgleis, und von Glanz war keine Rede mehr. 1967 sollte der Bau abgerissen werden – doch die New Yorker, allen voran Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy, wehrten sich und verwiesen auf die nahe Pennsylvania Station. Deren prächtiger Bahnhof war nur ein paar Jahre zuvor durch einen „modernen“ Bau ersetzt worden. Das bunkerähnliche Gebilde mit DDR-Charme gilt noch heute in New York als klassische Bausünde. Grand Central blieb, wurde jedoch umgebaut, und es wurde ein 55-stöckiges Gebäude draufgeknallt.
Erst 1976 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt. Doch das Gebäude verfiel und war nur noch ein Schatten seiner selbst. 1990 begann schließlich die Sanierung für 600 Millionen Dollar. Sie dauerte acht Jahre, und die Eröffnung der neuen Grand Central war so glanzvoll wie die 85 Jahre zuvor. Der Sternenhimmel an der Decke ist nach wie vor spiegelverkehrt. So wie Gott ihn sieht, heißt es. Die New Yorker sind stolz auf ihren Bahnhof, das meistbesuchte Gebäude der Stadt. Gut eine Million Menschen besuchen im Jahr das Empire State Building. Grand Central hat diese Besucherzahl in gerade einmal zwei Tagen.

Und der Bahnhof trumpft noch mit einem weiteren  Superlativ auf Die Uhr über dem Informationsschalter gilt als teuerste Bahnhofsuhr der Welt. Das Ziffernblatt ist aus Opal, Wert: zehn Millionen Dollar.  Der schönste Ort an diesem Platz jedoch ist der Kreuzgewölbebogen im Tiefgeschoss. „Whispering Gallery“ nennt sich die Stelle. Und wer sich dort in die Ecke stellt und vielleicht ein „I love you“ flüstert, ist an der gegenüberliegenden Ecke zu verstehen.

 dpa, dapd

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