Bekannt geworden sind Sie mit historischen Büchern, etwa der Romanbiografie über Ihre Mutter „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, von der mehr als 60.000 Exemplare verkauft worden sind. Auch „Wenn Hitler tot ist, tanzen wir“ oder „Die verbannte Prinzessin“ waren historische Romane. Warum haben Sie jetzt das Genre gewechselt und Ihren ersten Krimi geschrieben?
Ich lese selbst gern Krimis, die Form hat mich gereizt. Allerdings ist „Schweinetango“ kein üblicher Krimi. Man könnte das Buch auch als Roman bezeichnen, als Roman mit tragikomischen Zügen.
Der Titel klingt ganz lustig, aber so komisch ist es dann gar nicht.
Genau. So ist es ja auch mit dem Landleben.
Eine Frau stirbt, ihre Leiche wird in einer abgebrannten Scheune gefunden, ein Bauer verliert seine Freundin und fast auch den Glauben an die Welt. Muss ein Krimi so düster sein?
So düster ist das Buch nicht. Es gibt zwei Tote und mehrere Brände. Es tun sich Abgründe unter der Oberfläche des Dorflebens auf. Diese Abgründe darzustellen war mir wichtig. Ich war übrigens selbst mal von so einer Brandserie betroffen. Bei uns im Dorf ging vor zehn Jahren so ein Feuerteufel um. Eine Scheune auf unserem Hof ist ihm zum Opfer gefallen. Es war ein Junge, der im Dorf etwa 30 Brände gelegt hatte. Für die Dorfbevölkerung war das der absolute Ausnahmezustand. Ich habe damals auch darüber geschrieben.
Kam Ihnen da die Idee, daraus mal einen Krimi zu machen?
Nicht unmittelbar, aber ich fand diesen Tätertyp sehr interessant. Damals habe ich mit dem Direktor des Landeskrankenhauses Moringen gesprochen, der solche Brandstifter therapiert. Der hat mir erklärt, dass jemand, der zum Brandstifter wird, in der gesellschaftlichen Hierarchie oft ganz unten steht. So ein Feuer schafft ja die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand große Wirkung zu erzielen. Man muss nur eine Kerze irgendwo hinstellen, schon brennt ein Gehöft. Früher waren Brandstifter oft Knechte und Mägde, die sich an ihrer Herrschaft rächen wollten.
Die Serie von Brandstiftungen ist nur ein Erzählstrang Ihres neuen Buches. Es gibt auch eine Liebesgeschichte, eine Familiengeschichte und eine Mordgeschichte. Alle Geschichten treffen in der Figur des Bauern Cord Kröger zusammen. War es kompliziert, alles sinnvoll zu bündeln?
Na ja, Arbeit hat das schon gemacht. Der Zusammenhang entsteht aus der Geschichte des Cord Kröger, der eben mit ganz unterschiedlichen Leuten zu tun hat.
„Schweinetango“ spielt in der Gegend um Schwarmstedt, dort wo Sie wohnen. Gibt es die beschriebenen Orte wirklich?
Ja. Die Orte gibt es alle. Nur die Handlung, die ich dort angesiedelt habe, ist fiktiv. Es ist ein Mosaik aus unterschiedlichen Wirklichkeitssplittern, das ich zusammengesetzt habe. Ich kenne einiges aus eigener Erfahrung und habe zu allen Elementen eigene Recherchen angestellt.
Wie lange hat die Arbeit an dem Buch gedauert?
Insgesamt vier Jahre. Aber mit Unterbrechungen. Ich habe mich immer wieder neu drangesetzt.
Das Buch beginnt mit einem ziemlich wilden Ball, bei dem es hoch hergeht. Haben Sie selber mal so was erlebt?
Nein, den Schweinetango habe ich erfunden. Aber um für die Szene zu recherchieren, bin ich zum Singletanz nach Verden gefahren. Da habe ich beobachtet, dass man sich mit Blicken verabredet, das fand ich recht bizarr.
Im zweiten Teil verlagert sich die Handlung kurz nach Hamburg. Da wird der Bauer zum Gespenst in der Geisterbahn. Das fand ich etwas übertrieben. So dumm, alles stehen zu lassen und Gespenst zu werden, ist der Bauer nun auch wieder nicht.
Ich finde es gar nicht dumm, wie der Bauer da seine Wut als Geisterbahngespenst abreagiert. Es ist vielleicht leicht surreal, aber es zeigt, wie der Held aus der Bahn gerät. Schrille Jahrmarktstöne waren mir an dieser Stelle wichtig. Und: Ich kenne Bauern, die schon mal ganz verrückte Sachen gemacht haben.
Welches Ihrer mittlerweile acht Bücher ist für Sie das Wichtigste?
Immer das letzte – „Schweinetango“.
Nicht die Geschichte Ihrer Mutter, das Buch, das am meisten verkauft worden ist?
Ich hoffe, dass „Schweinetango“ mein erstes Buch in den Schatten stellt – was die Verkaufszahlen angeht. Mir ist das Buch wichtig. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen.
Was macht mehr Spaß: das literarische oder das journalistische Schreiben?
Es hat beides seine Vor- und Nachteile. Das Schöne am Bücherschreiben ist, dass man sich sehr intensiv und sehr lange mit einem Gegenstand befassen kann, der Nachteil ist, dass man immer das Gefühl hat, damit nicht fertig zu werden. Da ist es manchmal auch ganz schön, für die Zeitung unter Zeitdruck zu schreiben: Man weiß, dass die Geschichte am nächsten Tag im Blatt stehen muss – und dann ist die Sache auch abgehakt. Bücherschreiben macht vielleicht mehr Freude, belastet aber auch mehr.
Nun ist die Belastung durch den „Schweinetango“ ja vorbei. Was kommt als nächstes?
Wieder ein Krimi. Der spielt dann im Herzen der Lüneburger Heide.
Interview: Ronald Meyer-Arlt
Den Kriminalroman "Schweinetango" von Heinrich Thies gibt es im Buchhandel (zu Klampen, 223 Seiten, 12,80 Euro).
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Kommentare
Radiobeitrag über "Schweinetango" Christoph Huppert – 22.02.10
Bitte hören Sie dazu auch unseren Radiobeitrag. Sie finden ihn auf der Webseite unseres Büros unterwww.zeilen-sprung.de
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Christoph Huppert