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17:10 15.11.2016
Der junge Insasse Alexander stellt sein Bild der "Alternativen Stadtmusikanten" vor. Quelle: dpa
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Bremen

Sie leben hinter dicken Mauern, Stacheldraht umgibt das Gelände: Die Insassen einer Justizvollzugsanstalt haben in der Regel einen tristen Alltag. Kreative Bildung kann da ein Ausgleich sein, sagt Regina Babovic-Born, Lehrerin in der Bremer JVA. Bei einem Kunst- und Gewaltpräventionsprojekt der Kunsthalle Bremen haben nun Gefangene ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.

"Picasso meets the Streets!" heißt das Projekt und der 18 Jahre alte Zasa gesteht: "Am Anfang hatte ich gar keine Lust dazu." Nach vier Wochen war sein erstes eigenes Bild fertig und nun will Zasa auf jeden Fall weiter malen, wenn er wieder draußen ist. Durch das Malen sei er ruhig und entspannt, sagt er.

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"Picasso meets the Streets!": Bei einem Kunstprojekt haben Häftlinge der Bremer Justizvollzugsanstalt (JVA) ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Zum Abschluss des Kooperationsprojektes der Bremer Kunsthalle und des Gefängnisses werden die entstandenen 17 Werke bis Januar in der JVA gezeigt. Ab Februar sind sie dann in der Kunsthalle ausgestellt.

Alexander (32) hat zwar als Kind gemalt, aber dann nie wieder. Auch Bilder in Museen interessierten ihn nicht. Jetzt kann er sich immerhin vorstellen, selber Museen zu besuchen. "Ich verstehe heute mehr davon." Sein Werk erinnert ein wenig an die Bremer Stadtmusikanten: Ratte, Schwein, Katze und Hahn sitzen am Tisch und Pokern, ein Affe bedient sie. Neben dem Tisch tanzt eine knapp bekleidete Dame an der Stange. "Das Schwein mit der dicken Zigarre ist der Chef. Das ist ein bisschen wie Knast", sagt Alexander. Auch der 32-Jährige möchte unbedingt weitermalen.

Genauso geht es einem anderen Häftling. Sein Bild zeigt einen Wasserlauf, der auf der einen Seite ins Meer und auf der anderen in einen Gully fließt. Darüber hängt eine große weiße Kugel - der Mond? "Die Interpretation ist dem Betrachter überlassen", meint der 34-Jährige. Er habe schon als Kind gerne gemalt und gebastelt, sagt er. Zuerst will er gar nicht über sein Werk sprechen, weil er erschöpft ist - bis kurz vor der Bilder-Präsentation hat er in der Bäckerei gearbeitet.

Zum Abschluss des Kooperationsprojektes der Bremer Kunsthalle und des Gefängnisses werden die entstandenen 17 Werke bis Januar in der JVA gezeigt. Ab Februar sind sie dann in der Kunsthalle ausgestellt.

"In vielen unserer Insassen steckt doch wirklich ein Künstler", sagt Anstaltsleiter Carsten Bauer. Ausführung und Originalität seien von höchster Qualität, lobt Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg die Bilder. "Wir sind in Deutschland das erste Museum, das eine solche Kooperation realisiert hat." Mit dem Malen könnten Häftlinge einen Weg finden, sich gewaltfrei auszudrücken.

"Die Häftlinge haben sich Gedanken über sich gemacht. Das Projekt hat unglaubliche Wirkung gezeigt." Für die Kunsthalle hat die freischaffende Künstlerin Dina Koper mit den Gefangenen gearbeitet. "Man kann mit Kunst ausdrücken, was man sonst nicht sagen kann", meint sie. Gearbeitet wurde mit Acrylfarben, die auch schon mal kleine Fehler verzeihen. "Jeder kann malen, wenn man sagt, wie es geht."

Unterstützt wurde das Projekt von der VGH-Stiftung und privaten Sponsoren. Harm Meyer-Stiens von der Stiftung sagt: "Ich glaube, Pablo Picasso würde sich freuen." Kunstprojekte gibt es schon lange in Justizvollzugsanstalten. Seit 35 Jahren malen, fotografieren oder zeichnen Häftlinge im Gefängnis von Butzbach in Hessen, Regina Börke leitet das Projekt seit 1992. "Es geht darum, dass die Gefangenen so ihre eigene Persönlichkeit entwickeln", sagt sie. Über die Kunst setzten sich die Häftlinge mit sich selbst auseinander.

Im Hochsicherheitsgefängnis im niederbayrischen Straubing gibt es seit 50 Jahren Kunstkurse, angeboten teilweise von externen Kursleitern und von Mitarbeitern der JVA. Einmal im Jahr werden die von Häftlingen erstellten Malereien, Modellbauten, Krippen und Kunstgegenstände verkauft. In diesem Jahr wurden etwa 10.000 Euro eingenommen, sagte Hans-Peter Schreyer von der Ausstellungsleitung der JVA. 90 Prozent des Erlöses gingen an die Häftlinge.

dpa/lni

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