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Kultur Händels Oper „Arminio“ bei den Göttinger Händel-Festspielen
Nachrichten Kultur Händels Oper „Arminio“ bei den Göttinger Händel-Festspielen
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02:18 19.05.2018
Kosen mit Knalleffekt: Arminio (Christopher Lowrey) und seine Frau Tuselda ( Anna Devin). Quelle: Alciro Theodoro da Silva
Göttingen

 Die Beschäftigung mit Alter Musik ist eine junge Disziplin. Die Wiederentdeckung von Spieltechniken wie sie zu Zeiten Bachs und davor üblich waren, ist die wohl bedeutenste Entwicklung in der klassischen Musik der vergangenen Jahrzehnte und hat das Konzertleben stark und nachhaltig verändert. Insofern kommt den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen eine besondere Rolle zu: Das Festival wurde 1920 gegründet – es ist weltweit das erste, das sich ganz der Alten Musik gewidmet hat. 

Liebe und Stolz: „Arminio“ bei den Händel-Festspielen in Göttingen

Von Göttingen aus wurde die Renaissance der Opern von Georg Friedrich Händel eingeleitet, die bis heute anhält. Die Bedeutung, die seine Werke inzwischen für fast alle Opernhäuser haben, wäre ohne die frühen Aufführungen im Deutschen Theater kaum denkbar.

Neben dieser historischen Bedeutung haben sich die Göttinger Festspiele, die seit einiger Zeit mit Händel-Festspielen in Karlsruhe und Halle konkurrieren, durch die beharrlich hohe Qualität gerade ihrer Opernaufführungen in der internationalen Festivallandschaft etabliert. Die Besucher kommen aus aller Welt nach Göttingen, vor allem viele Engländer pilgern regelmäßig in die Universitätsstadt. 

Das liegt nur zum Teil daran, dass der Stern des einstigen hannoverschen Hofkapellmeisters Händel, der im Gefolge Georgs II. nach England kam, in London am hellsten erstrahlte. Vor allem werden die Festspiele seit Langem von britischen Musikerpersönlichkeiten geprägt. Nach John Eliot Gardiner und Nicholas McGegan ist seit 2012 der Cembalist und Dirigent Laurence Cummings künstlerischer Leiter in Göttingen.

Vorbildliche Produktion

In diesem Jahr hat Cummings sich Händels Oper „Arminio“ vorgenommen. Das Stück war bei der Uraufführung 1737 im Covent Garden Theatre nur ein mäßiger Erfolg. In Göttingen kann man nun aber hören, dass Händel hier ganz auf der Höhe seiner Kunst stand: Die Arien spiegeln ein ungewöhnlich breites Spektrum an Affekten wider und sind oft so berrückend schön, dass man all die Virtuosität, die sie den Sängern abfordern, nur nebenher wahrnimmt. Was Händel seinen Figuren in die geläufigen Kehlen legt, erscheint als vollkommen natürliche Gefühlsäußerung: Wie sonst sollte es schon klingen, wenn man wirklich liebt?

Cummings verstärkt diesen Eindruck durch einen detailscharfen und farbigen, aber wenig exaltierten Zugriff. Anders als sein Vorgänger McGegan, der Schärfe und Süße in der Musik gern noch verstärkte, setzt Cummings auf einen natürlicheren Fluß der Klänge. Mit weichen Bewegungen lenkt er Sängerensemble und Festspielorchester. Statt auf große Gesten setzt er auf kleine Fingerzeige. Gesang und Begleitung verzahnen sich dabei auf nahezu vollendete Weise: So klingt eine ideale Opernaufführung, die das Zeug zum Vorbild hat auch für moderne und großformatigere Produktionen.

Statt der beiden Kastraten, die bei Händel noch publikumswirksam die Hauptrollen übernahmen, überzeugen hier Sopranistin Sophie Junker und Countertenor Christopher Lowrey. Auch das übrige Ensemble hat mit Anna Devin, Helena Rasker, Paul Hopwood, Owen Willetts und Cody Quattlebaum durchweg Festivalformat.

Die berühmte Schlacht des germanischen Titelhelden Hermann (Arminio) gegen die Römer ist der historische Hintergrund, vor dem sich eine allgemeine Verwirrung der Gefühle zwischen Liebe und Ehre entfaltet. Erich Sidler, Intendant des Deutschen Theaters, hat diese Geschichte unaufdringlich in Szene gesetzt. Nur das gute Ende, in dem sich die miteinander verwandten Gegenspieler Hals über Kopf versöhnen, stellt der Regisseur mit etwas Revolvergefuchtel infrage. Die ganze Produktion ist dennoch ein Volltreffer.

Die Festspiele

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen dauern noch bis zum 21. Mai. Händels Oper „Arminio“ wird wieder am Donnerstag, 19 Uhr, (mit kostenlosem Public Viewing in der Lokhalle) sowie am 20. und 21. Mai gespielt. Am Sonnabend, 19. Mai, dirigiert Laurence Cummings ein Galakonzert in der Göttinger Stadthalle.

Von Stefan Arndt

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