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Kultur Händels Oratorium „Seleme“ an der Musikhochschule
Nachrichten Kultur Händels Oratorium „Seleme“ an der Musikhochschule
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11:31 31.07.2018
Dorota Szczepańska als Semele.  Quelle: Nico Herzog
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Hannover

  Ein verwirrendes Geflecht von Traum und Wirklichkeit, Selbstverliebtheit, Eifersucht, wahrer Liebe, Hass und Intrige – und das Ganze angesiedelt zwischen antiker Götter- und Menschenwelt. Das sind die Zutaten, aus denen Georg  Friedrich Händel sein Oratorium Semele als eine schier endlose Folge herrlichster Musik zusammensetzte. Jetzt ging es in der englischen Originalsprache als konzertante Aufführung über die Bühne der Musikhochschule Hannover.

Das Konzert war das Abschlussprojekt von Howard Arman, der als Artist in Residence im Rahmen der Walter- und Charlotte-Hamel-Akademie an der Hochschule tätig war. Intensiv hatte er mit Chor, Orchester und Solisten Händels Musik in eine farbige und konsequent historisch informierte Darstellung umgesetzt. Vollkommen homogen im Klang sang der studentische Kammerchor in gemischter Stimmaufstellung mit dynamischem Ausdruck seinen Part. Das Orchester bewältigte den ständigen Wechsel von Arienbegleitung zu den opernhaften Rezitativen souverän und mit phantasiereicher Artikulation. Die Solorollen waren mit gut singenden Studierenden aus unterschiedlichen Ausbildungsstufen besetzt.

Dabei blieb es trotz einiger hübscher szenischer Akzente immer wieder unklar, wer nun gerade welche Rolle singt. Bei einem so verwirrenden Stoff, wie es Semele nun mal ist, wurde die Grenze einer rein konzertanten Aufführung erkennbar. Gleichwohl erkannte man bald, dass Dorota Szczepańska als Semele auf der Bühne stand. Mit ihrer bestens ausgebildeten Stimme und einer variationsreichen Darstellungskunst erfüllte sie die Riesen-Rolle der in sich selbst verliebten Jupiter-Geliebten mit vibrierendem Leben. Ihre Koloraturen kamen virtuos und ihre Übergänge ins Pianosingen berührten unmittelbar.

Ihren Gegenspieler Jupiter verkörperte Tobias Meyer mit einer fürs Oratorienfach bestens geeigneten schönen Tenorstimme. Ekatheryna Chayka sang die Rolle der Ino als Schwester Semeles mit einfühlsamem Ausdruck. Und Hannah Meyer traf als Götterfrau Juno genau den richtigen Ton zwischen Eifersucht und Rache. Wunderbar klang der Countertenor Tobias Hechler als von Semele verschmähter Prinz Athamas. Und Sophia Körbers Sopran als Götterbotin Iris ließ auch durch ihre Gestaltungskraft aufhorchen. Köstlich das kleine amüsante szenische Kabinettstück von Friedrich Hamel als Gott des Schlafes Somnus. In weiteren Rollen bewährten sich Steffen Kruse als Apollo und Johannes Schwarz als Hohepriester Cadmus.

Bravorufe und rhythmischer Beifall belohnten das junge Projekt-Ensemble, das seinerseits den Dank an Howard Arman weitergab. 

Das Konzert war zugleich ein Geburtagsgeschenk zum 30. Jubiläum des Förderkreises der Hochschule. Die Vorsitzende Eva Ronczka-Schulze freute sich zu Beginn über die blühende Entwicklung des Kreises, der mit über 800 Mitgliedern zu den großen kulturell aktiven Vereinen der Stadt gehört. Und Gründungsvorstand Werner M. Bahlsen erinnerte an die Leidenschaft für die Musik, die ihn und andere 1988 zur Gründung des Förderkreises getrieben hatten: „Das Gebäude hier ist eine Schatzkiste. Man muss sie immer wieder öffnen und für sie sorgen.“

Noch einmal am Montag, 19. Februar, 18 Uhr in der Musikhochschule.

Von Claus-Ulrich Heinke

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