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Hamburger Künstler rufen „Kulturkrise“ aus

Hausbesetzung Hamburger Künstler rufen „Kulturkrise“ aus

Im historischen Gängeviertel halten seit Tagen Künstler die Gebäude besetzt, um ihre Werke auszustellen, um ein breitgefächertes Kulturprogramm anzubieten und um friedlich zu protestieren: gegen den Abriss der alten Gebäude und für mehr Raum für ihre Kunst. Einen ersten Erfolg konnten sie nun verbuchen. Sie dürfen vorerst bleiben.

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Künstler haben im historischen Gängeviertel in der Innenstadt von Hamburg ihre Spuren hinterlassen.

Quelle: Roland Magunia/ddp

Inmitten von Bürotürmen mit Glas- und Stahlfassaden in der Hamburger Innenstadt findet sich eines der letzten Kleinode mit geschichtsträchtigen Häusern und Hinterhöfen.

„Nach letzten Sicherungsmaßnahmen zum Brandschutz wurde uns nun erlaubt, die Erdgeschossflächen bis auf weiteres zu nutzen“, sagt Florian Tampe von der Künstlerinitiative „Komm in die Gänge“. Damit sei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, es sei jedoch nur ein Anfang. „Wir haben nicht nur eine Finanzkrise, wir haben hier in Hamburg eine Kulturkrise“, sagt Tampe. Die Kultur in der Stadt sei bedroht, und die Aktion im Gängeviertel solle darauf aufmerksam machen.

Alle Gebäude müssten möglichst schnell saniert werden, um die Bausubstanz langfristig zu erhalten. „Es eilt sehr, die Gebäude haben keine Zeit“, sagt Tampe. „Einige Häuser sind in derart schlechtem Zustand, dass sie den kommenden Winter nicht überstehen würden, wenn nicht jetzt etwas getan wird“, sagt auch Initiativensprecherin Christine Ebeling. Die Stadt dürfe das historische Erbe nicht aufgeben. „In der Finanzkrise hat die Politik Millionen und Milliarden ausgegeben, nun müssen auch im Gängeviertel die Euros rollen“, fordert sie. Ansonsten sei die „Kulturkrise“ nicht mehr abzuwenden.

„Wir brauchen mehr Raum“, sagt ein Künstler und zeigt auf den Bürgersteig, der das Viertel begrenzt. Diesen haben die Künstler symbolisch mit blauem Filz beklebt, um auf ihre Platznot aufmerksam zu machen. Schilder mit Sprüchen wie „Nein zu leerstehenden Innenstädten“ weisen den Weg zu den verwinkelten Höfen, in denen die Künstler ihre Werke zeigen. Ihr Refugium haben sie mit Topfpflanzen und Blumen in selbstgemachten Vasen dekoriert. „Der öffentliche Raum ist totgebaut, hier ist ein letzter paradiesischer Ort“, sagt Ebeling.

Nach Gesprächen mit der Kulturbehörde dürfen die Künstler ihre Arbeiten nun vorerst weiter zeigen. Eine Behördensprecherin nannte die Gespräche mit den Künstlern „sehr konstruktiv“. Dass die Erdgeschossflächen vorläufig hergerichtet würden, sei „ein wertvolles Zwischenergebnis“. Die oppositionelle SPD fordert einen grundlegenden Neuanfang für das Viertel. Dieses müsse zu einem Wohn- und Künstlerquartier mit bezahlbaren Atelierflächen entwickelt werden, fordert SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote. „Hamburg würde ein lebendiges urbanes Stadtquartier mit einzigartigem Charme gewinnen.“

„Wir hoffen auf ein Angebot vom Senat“, sagt Ebeling. Die Situation im Gängeviertel zeige die Not für Künstler in der ganzen Stadt. Die Kunst drohe in Hamburg auszusterben, weil es keine bezahlbaren Räume für Künstler gebe. „In dieser Stadt traut man sich kaum noch, den Pinsel zu schwingen, ohne etwas zu beschädigen“, sagt sie. Umso erstaunlicher sei es, was die Künstler im Gängeviertel erreicht hätten. „Innerhalb weniger Tage haben wir hier so viel geschafft, und die Unterstützung ist enorm.“ Täglich kämen Anfragen von Künstlern, die auftreten wollten, und auch der Besucherstrom reiße nicht ab.

Unter der Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter zeigen die vielen Künstler im Gängeviertel nicht nur ihre Werke, sondern organisieren täglich ein Kulturprogramm mit Filmabenden oder Diskussionsrunden. Mehr als 200 Künstler aus aller Welt beteiligen sich an den Aktionen. „Dieses Viertel ist einzigartig“, sagt Ebeling und fügt hinzu: „Und das soll es mit uns auch bleiben.“

ddp

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