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Nachrichten Kultur Hannes Wader gibt Abschiedskonzert in Hannover
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00:15 01.04.2017
Hannes Wader im Theater am Aegi. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

An Ende erhebt sich das Publikum für Hannes Wader in einer großen Bewegung, keiner zögert. Es scheint, als hätten alle schon den ganzen Abend im ausverkauften Theater am Aegi darauf gewartet, ihm für über 50 Jahre auf den Bühnen dieser Welt ein letztes Mal Ehre zu erweisen. Das ist nicht der spontane Jubel nach einem guten Konzert, es ist ergriffener, bedächtiger Respekt vor einer Lebensleistung. Wader, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, verabschiedet sich auf seiner aktuellen Tournee Abend für Abend von seinen Fans. "Es wird kein nächstes Mal mehr geben", kündigt er an. Das Leben als reisender Musiker werde ihm zu beschwerlich. Und so verbeugt er sich, nimmt den langen Applaus zur Kenntnis und sagt entschlossen: "Macht's gut."

Er beweist während des Abschiedsprogramms nochmals eine solche Präsenz und Klarheit, spielt seine Lieder mit solcher Liebe zu musikalischen Details und inhaltlichen Dimensionen, dass nur allzu verständlich wird, warum er nicht abwarten will, bis all das schwindet. Hannes Wader ist ein Liedermacher der alten Schule, einer, der sich für die historische Entwicklung von Themen und Haltungen, aber auch von Formaten und Ausdrucksweisen interessiert. Er ist ein Sammler, der sich Wegbereitern und Kollegen international verbunden fühlt. Und er nimmt sich viel Zeit, das mit seinem Publikum zu teilen. Dabei benennt er Quellen und Autoren, erzählt von historischen Hintergründen und macht transparent, wo sich Melodien und Textversionen verschränken und durchdringen.

Hannes Wader ist nie bei seiner Leidenschaft für alte Volks- und Protestlieder stehengeblieben. Er hat sein Material weitergedacht, fortgedichtet, angepasst und erlebbar gemacht. Sein letztes Tourneeprogramm erzählt viel über seine Inspirationen. Es ist eine sehr persönliche Abfolge von Liedern, eine autobiografische Reise, bei der er nochmals deutlich macht, wie sehr ihn Erinnerungen, Entwicklungen und Veränderungen schon immer beschäftigt haben. Dafür steht nicht nur sein Lied "Heute hier, morgen dort" exemplarisch, mit dem er traditionell seine Konzerte eröffnet. "Damals" ist eine Reflexion alter Ziele und Träume, "Schwestern, Brüder" eine Referenz an verstorbene Weggefährten und "Dass wir so lang leben dürfen" eine Feier des Augenblicks.

 "Wann wird man je verstehen?"

Wader erinnert sich mit dem alten Antikriegslied "Wilde Schwäne" an die Musik seines Elternhauses, mit "Begegnung", einer seiner eigenen sehr frühen Kompositionen, an die Einflüsse französischer Chansons und mit "Wo ich herkomme" an sein Klassenbewusstsein. Überhaupt lässt er keinen Zweifel daran, dass er kritisch und politisch geblieben ist. Seine dritte Version von "Trotz alledem" träumt von einer besseren Welt im Angesicht sozialer Ungerechtigkeiten und mit dem "Bürgerlied" erinnert er an all jene, "die seit 200 Jahren für die Idee einer Republik ihr Blut vergossen haben". Adalbert Hanisch, ein preußischer Postsekretär, dichtete um das Revolutionsjahr 1848: "Ob wir Neues bauen oder Altes nur verdauen - das tut was dazu."

Es sagt viel über Hannes Waders Verhältnis zur Musik, dass er sich als letzte Zugabe ein gemeinsames Lied wünscht, eines, bei dem alle mitsingen können. Es ist das Antikriegslied "Sag mir, wo die Blumen sind". Er verlässt die Bühne mit dessen letzter Zeile - und damit mit einer Frage an die Zukunft: "Wann wird man je verstehen?"

von Thomas Kaestle

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