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Kultur So war das Konzert von Jan Josef Liefers Band Radio Doria
Nachrichten Kultur So war das Konzert von Jan Josef Liefers Band Radio Doria
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00:19 01.04.2018
Radio Doria mit Jan Josef Liefers im Theater am Aegi. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

  Der Bühnennebel wabert bereits um die Sitzreihen im ausverkauften Theater am Aegi, bevor auf der Bühne die Lichter für Jan Josef Liefers und seine Band Radio Doria angehen. Offenbar geht es um die Dramatik des Einstiegseffekts. Das ist viel Aufwand, um ein bisschen gut auszusehen, aber ein treffender Prolog für den Auftritt, bei dem Liefers sein neues Album „2 Seiten“ vorstellt. Er scheint zu den letzten Tönen des ersten Songs „Abendlied“ die Motive der bühnenfüllenden Projektion im Hintergrund zu lenken, als stehe er vor einem riesigen interaktiven Bildschirm. In dieser Inszenierung steckt viel Als-Ob und Theatralität.

 Zumal nie ganz klar zu sein scheint, ob das begeisterte Publikum vor allem aus Fans des Schauspielers Liefers besteht, oder aus Menschen, die seine Musik lieben. Zumindest vermag er sein Fernseh-Image gut zu nutzen: Ganz ohne Anspielungen auf seine beliebte Rolle als Gerichtsmediziner im Münster-Tatort bleibt der Abend nicht. Liefers singt solide. Aber er wirkt oft wie ein Schauspieler, der sich in seiner Rolle als Popstar ein wenig zu sehr auf Klischees verlässt. Dabei weiß er trotz allem die Qualitäten seines sonoren Charmes auszuspielen. Wer keinen großen Wert auf Unmittelbarkeit legt, vermag dem zu erliegen, auch wenn die Musik zunächst erwartbar bleibt.

 Es ist berechnender Retortenpop, den Radio Doria allerdings druckvoll zu präsentieren weiß. Als die Band mit akustischen Instrumenten am Bühnenrand zusammenkommt, scheint das zunächst ihre Eindimensionalität zu bestätigen. Angeblich improvisierte Reime über Hannover haben nicht mehr zu bieten als Maschsee, Scorpions und Lütje Lage. Doch dann wissen die Musiker die unmittelbarere Klangsituation zu nutzen. Mit wachsender Direktheit wird deutlich, warum Liefers so stolz darauf ist, für die Aufnahme von „Nie egal“ Reinhard Mey als Duettpartner gewonnen zu haben. Beim alten Song „Ein Halleluja“ weiß er auch auf der Bühne sein Liedermacherpotenzial auszuschöpfen, die behauptete Leichtigkeit der Band unter Beweis zu stellen. 

Mit „Unbeschreiblich“ berührt Liefers schließlich doch noch, gerade auch in einem langen Intermezzo, in dem er von Not, Krieg, Luxus und Dankbarkeit erzählt. Die Ernsthaftigkeit des politischen Menschen steht dem Sänger und seiner Musik gut. Geschickt zitiert Liefers seine Dresdner Großmutter: „Das Gefühl, nicht willkommen zu sein, ist schlimmer als Hunger.“ Und trotzig kommentiert er: „Solche Sätze gehören auch zu unserer Kultur.“ Da hat sich der Nebel längst gelichtet.

Von Thomas Kaestle

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