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Kultur „Mit 72 ist noch lange nicht Schluss“
Nachrichten Kultur „Mit 72 ist noch lange nicht Schluss“
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00:29 27.02.2018
„Ich bin immer noch da“: Howard Carpendale in der Swiss Life Hall Quelle: Heusel
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Hannover

 Howie mag er nicht. Die Bezeichnung Schlagersänger auch nicht. Er freue sich, dass er endlich mal ein Instrument spielen dürfe, sagt Howard Carpendale vorn auf der Bühne. Er lächelt, greift zur Mundharmonika und spielt „I Should Have Known Better“ von den Beatles. Carpendale hat sichtlich Spaß. Sein Publikum sowieso. Das Konzert ist keine 30 Minuten alt, doch in der Swiss Life Hall in Hannover sitzt schon jetzt kaum noch jemand auf seinem Stuhl. Es wird getanzt, gefeiert, gesungen und gelacht. 

 Im Januar ist Carpendale 72 Jahre alt geworden. Aber was heißt das schon? Carpendale hat Sneakers an den Füßen, Kaugummi im Mund und blondes Haar auf dem Kopf. „Ich bin immer noch da“, singt er. Sein Publikum applaudiert dankbar. Zeit vergeht, Carpendale bleibt, wie er ist: souverän, lässig, charmant. 

 Seit mehr als 50 Jahren ist Carpendale im Geschäft. Kurz war er mal weg, kam aber wieder. Ohne Bühne und Publikum geht es nicht, hat er gemerkt. „Hello again“, „Ti amo“ und „Tür an Tür mit Alice“ – die alten Lieder singt er auch an diesem Abend. Dazu Lieder seines aktuellen Albums. Begleitet wird er von Hintergrundsängern und seiner Band. 

Howard Carpendale in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss Life Hall.

 Die Musik ist gitarrenlastiger geworden. Einige Texte lassen Politisches erahnen. Zum Beispiel „Wenn nicht wir“, das Lied, das Album und Tour den Namen gab. „Heut` ist der Tag, mach` dich bereit. Ja, wir zusammen schlagen alle, eine ganz neue Zeit.“ Es klingt fast revolutionär, kämen dann nicht die Zeilen: „I love to see you dance, let me see you dance.“ Andrerseits könnte man natürlich auch tanzend gegen die – jetzt nur als Beispiel – AfD aufbegehren. Carpendale bleibt vage. Er belässt es bei dem eher unbestimmten Appell: mehr Wir, weniger Ich. 

 Deutlicher wird er in seiner Abneigung gegen Donald Trump. Trump und Carpendale verbindet nicht nur ihr Geburtsjahrgang 1946. Eine Zeit lang lebten sie in Florida auch in derselben Nachbarschaft. Nun sagt Carpendale: „Früher habe ich auf meinen Konzerten Witze über Trump gemacht. Das mache ich nicht mehr. Denn das ist langsam nicht mehr komisch mit dem Typen.“ Zustimmender Beifall. 

 Plötzlich hat er einen Brief in der Hand. Fanpost. Einer seiner Musiker drängt ihn, den Brief vorzulesen. „Mein lieber Howie“, liest Carpendale. Das Publikum lacht. Es weiß, dass er die Verniedlichung nicht mag. Carpendale liest weiter: „Ich bin zur Zeit Single. Alle Männer vor dir konnten nicht ertragen, dass ich deine Bilder in jedem Raum aufgehängt habe.“ Das Lachen wird lauter. „Ich bin jetzt 81, also nur unwesentlich älter als du. Als Zeichen, dass ich es ernst meine, habe ich im Seniorenheim das Zimmer gleich nebenan für dich reserviert.“ Das Publikum lacht und lacht. Carpendale auch. Und dann: „P. S.: Bitte entscheide dich bis morgen, denn dann bin ich bei einem Konzert von Roland Kaiser.“ Der Saal tobt. 

 Nach gut zwei Stunden schenkt Carpendale dem Publikum noch drei Zugaben. Er singt ein zweites Mal „Unter einem Himmel“. Ein Lied mit Ohrwurmqualität. Hannover tanzt, klatscht und singt begeistert mit. Dann geht’s nach Hause. Bis zum nächsten Mal. Denn wie sang Carpendale gerade noch: „Mit 72 ist noch lange nicht Schluss.“ Eben.

Von Wiebke Ramm

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