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Kultur Eine musikalisch-philosophische Revue zu 1968
Nachrichten Kultur Eine musikalisch-philosophische Revue zu 1968
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00:36 10.06.2018
Gut aufgelegt: Die Band Dreams 68 auf der Cumberlandschen Bühne. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Gute Musik hatten sie damals. Beatles, Stones und Jimi Hendrix. Die Songs, welche die gut aufgelegte Band Dreams 68 auf der Cumberlandschen Bühne des Schauspielhauses spielt, waren vor 50 Jahren Soundtrack, Ausdruck und zugleich Auslöser der Revolte, die als 1968 in die Geschichte einging. „Richtig zu verstehen ist der Text nur, wenn man selbst Drogenerfahrung hat“, sagt der Germanist Florian Vaßen über San Franciscan Nights von den Animals.

„Protest und Bewegung“ heißt der musikalisch-philosophische Abend, den die Landeshauptstadt, das Ratsgymnasium Stadthagen und das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Junge Philosophie“ auf die Beine gestellt haben. Es ist ein manchmal etwas ausfransendes Wechselspiel zwischen Musik und Statements, irgendwo zwischen Collage und Revue, dazu flimmern Hippiemuster und Bilder sozialen Elends über eine Leinwand.

„Die Achtundsechziger waren keine Konsumkritker“, sagt der frühere Aktivist Joachim Barloschky, „wir haben gespart aufs Mofa.“ Wenn die Veteranen an diesem Abend erzählen, ist das trotzdem manchmal nah an Revolutionsfolklore und Rote-Punkt-Seligkeit. Da ist die Rückschau eher Selbstvergewisserung als Selbstkritik. Dass ein harter Kern der Bewegung damals jeden asiatischen Schlächter bejubelte, der nur irgendwie rot genug rüberkam, fällt eher unter den Teppich.

Es sind die jüngeren Redner, die zeigen, wie aktuell vieles an ’68 bis heute ist: „Es ist wichtig, dass das System verändert wird“, sagt Isabel Reda von der Nachhaltigkeitsinitiative Transition Town im Blick auf die Umweltzerstörung von heute. Die Slampoetin Ninia LaGrande bricht in einem geistreichen Text eine Lanze für den Feminismus. Der Markt fordert heute eine Selbstoptimierung des Menschen, Konsum wird zunehmend zerstörerisch. „Unser ökologischer Fußabdruck ist heute größer als vor 50 Jahren“, sagt der Soziologe Felix Ekardt. Und ob die Musik heute besser ist, darüber ließe sich auch streiten.

Von Simon Benne

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