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Stadt braucht eigenständigen Kulturdezernenten

SPD-Kulturforum Stadt braucht eigenständigen Kulturdezernenten

Die SPD hadert mit der eigenen Kulturpolitik – auch bei der Jubiläumsfeier ihres Kulturforums. Sönke Burmeister fordert für Hannover eigenständiges Kulturdezernat für eine eigenständige Kulturpolitik.

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Sigmund Ehrmann (v. l.), Klaus Staeck, Tülin Colakgil und Sönke Burmeister.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. „Respektlosigkeit ist die Basis unserer Arbeit“, zitiert Gisela Vetter-Liebenow den Karikaturisten Gerhard Haderer und fügt mit Blick auf die Debatte um das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hinzu: „Kritik muss möglich bleiben.“ Die Chefin des Wilhelm-Busch-Museums spricht nur ein Grußwort, doch sie ist Gastgeberin eines Abends, an dem es nicht nur künstlerisch-satirisch, sondern auch ganz handfest politisch um Kulturkritik geht. Denn in dem voll besetzten Haus im Georgengarten feiert das Kulturforum der SPD sein 20-jähriges Bestehen in der Region Hannover.

Dabei sind sozusagen gleich drei Kulturdezernenten anwesend. Marlis Drevermann, SPD-Mitglied und noch bis November Kulturdezernentin in Hannover, ihr parteiloser designierter Nachfolger Harald Härke, und mit seiner griffigen Formel von der „Kultur für alle“ ist gleichsam noch Hilmar Hoffmann präsent, Frankfurts langjähriger, sozialdemokratischer Kulturdezernent.

„Kultur für alle“ ist das Diskussionsthema von Tülin Colakgil und Sönke Burmeister, beide im Vorstand des Kulturforums, sowie dem SPD-Bundestagsabgeordneten Siegmund Ehrmann und dem gleichfalls sozialdemokratischen ehemaligen Präsidenten der Akademie der Künste Klaus Staeck. Der müht sich nach Kräften, dem kulturpessimistischen Lamento Burmeisters zu begegnen, dass in Deutschland der Bau von Straßen wichtiger genommen werde als der von Museen. „In der Kulturförderung sind wir in der Welt ein Musterbeispiel, das es zu verteidigen gilt“, sagt der 77-jährige Staeck. Allerdings kämen wegen der wachsenden Zahl von Flüchtlingen große Aufgaben gerade auf die Kulturpolitik zu. Tülin Colakgil schildert, wie wichtig kulturelle Bildung für die Integrationsarbeit sei. „Ich bin gar nicht so besorgt, dass wir das schaffen werden“, sagt Staeck noch, „und da kommt es dann wieder ganz besonders auf die Sozialdemokratie an.“

Brisanter als diese Abfolge teils recht monologischer Einlassungen sind die Worte, die an diesem Abend zur hannoverschen Kulturpolitik fallen. Sönke Burmeister spricht für das Kulturforum: Immer noch seien dessen Mitglieder in Sorge wegen der „Zerschlagung des Kulturdezernats“, sagt er unter Anspielung auf den Umstand, dass Harald Härke künftig das Kultur- und Personaldezernat gemeinsam führen soll. „Hannover braucht aber ein starkes Kulturdezernat“, fügt Burmeister unter aufbrandendem Applaus zu, und eine Lösung dieses Problems stehe noch aus. „Langfristig benötigt Hannover ein eigenständiges Kulturdezernat für eine eigenständige Kulturpolitik“, sagt Burmeister und fügt hinzu, dass ein Kulturdezernent grundsätzlich „einen kulturellen Hintergrund“ haben und über einen „Innenblick“ verfügen müsse.

Ist das ein Einwand gegen die studierte Sozialwissenschaftlerin Drevermann, die 30 Minuten nach Veranstaltungsbeginn verschwunden ist? Oder eher gegen den erfahrenen Verwaltungsmann Härke, der bis zum Schluss des Abends bleibt? „Wir sollten den Berufsstand des Kulturpolitikers nicht kleiner machen, als er ist“, warnt Siegmund Ehrmann später. „Man muss nicht Kunstgeschichte studiert haben, um eine gute Kulturpolitik zu machen.“

Das Publikum, zu dem der ehemalige Landtagspräsident Rolf Wernstedt ebenso zählt wie der frühere Innenminister Wolfgang Jüttner, die einstige DGB-Chefin Helga Christensen oder der ehemalige Wissenschaftsstaatssekretär Uwe Reinhardt, zeigt, vom kurzen Applaus abgesehen, zunächst keine Rührung angesichts der Kritik an der Kulturpolitik der Stadt.

Im kleineren Kreise wird später, je nach eigener Anschauung, die Kritik goutiert oder verworfen. Sicher ist: Dass die kulturpolitischen Kluften innerhalb der SPD überhaupt derart öffentlich werden, zeugt entweder von mangelnden internen Debatten oder von mangelndem Respekt gegenüber den dabei getroffenen Entscheidungen.     

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