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„Hannover ist hungrig nach Stars“

Pro-Musica-Chef über sein Erfolgsmodell „Hannover ist hungrig nach Stars“

Der Klassik stirbt das Publikum weg? Seit Burkhard Glashoff Geschäftsführer bei dem hannoverschen Konzertveranstalter Pro Musica ist, ist das Geschäft mit klassischer Musik wieder ein Wachtumsmarkt.

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„Bei uns können die Musiker machen, was sie selbst interessiert“: Burkhard Glashoff.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Auf den ersten Blick scheint es, als würde Burkhard Glashoff das sagen, was alle Veranstalter und Kulturpolitiker sagen. „Das Freizeitverhalten der Menschen ändert sich. Sie haben nicht mehr so viel Erfahrung mit klassischer Musik“, sagt er zum Beispiel. Oder auch: „Wir versuchen, es den Menschen leicht zu machen, ins Konzert zu gehen.“ Doch der Musikmanager, der sein Handwerk als Tourneeorganisator bei der hannoverschen Konzertdirektion Schmid gelernt hat, stimmt weder ins Lamento von der Krise der Klassik ein, noch will er ausgefeilte Vermittlungsprogramme an den Mann bringen. Glashoff ist kein Grübler. Er ist ein Macher.

Sein Job ist es, Menschen in Konzerte zu bringen. In seine Konzerte: Seit zwei Jahren ist der 45-Jährige verantwortlicher Geschäftsführer des hannoverschen Konzertveranstalters Pro Musica. Und seinen Job erledigt er gut. Mit Glashoff am Ruder des traditionsreichen Unternehmens ist das Geschäft mit der Klassik wieder ein Wachstumsmarkt: Im Vergleich zu 2013 hat die Zahl der Pro-Musica-Abonnenten um rund 20 Prozent zugenommen. Und auch für die kommende Saison kann Glashoff immerhin ein Plus von etwas mehr als 200 Stammbesuchern verbuchen. Das vermeintlich aussterbende Klassikpublikum scheint erfolgreich wiederbelebt.

Glashoff bestimmt, was wo zu hören ist

Allerdings räumt auch Glashoff ein, dass die hannoverschen Zahlen gegen den allgemeinen Trend laufen. Bundesweit haben es gerade die privaten Konzertanbieter schwer. So schwer, dass viele von ihnen aufgeben. Davon profitiert Glashoff: Wo andere aufhören, springt er ein. Zuletzt hat er Konzertreihen in Düsseldorf übernommen. Außer in Hannover, Hamburg und Bremen ist er so in der vierten Metropole aktiv. Und in Städten wie Braunschweig oder Osnabrück bestimmt er ohnehin schon längst, was auf den Podien zu hören ist.

Diese Größe des Unternehmens bietet eine schnelle Erklärung für seinen Erfolg: Manche Künstler lassen sich leichter gewinnen, wenn man ihnen mehrere Auftrittsmöglichkeiten anbieten kann. Andere werden von attraktiven Konzertorten angelockt und spielen, wenn sie ohnehin da sind, noch einmal in der Nähe. Auf diese Weise könnte Hannover bald stark von der Hamburger Elbphilharmonie profitieren, schätzt Glashoff. Das Programm für seine ersten Konzerte 2017 dort hat er schon festgezurrt. Und auch von der Renovierung des Kuppelsaals, die im kommenden Frühjahr angeschlossen sein wird, erhofft er sich Einiges: „Eine attraktive Spielstätte ist für Konzerte sehr wichtig. Da hatten wir zuletzt Luft nach oben.“

Große Werke mit klassischen Repertoire

Schwieriger wird es, wenn man nach inhaltlichen Gründen für das wachsende Publikumsinteresse sucht. Glashoff setzt etwas vage auf „kommunikative, spannende Künstler, die Geschichten erzählen können“. Jemand wie der Schlagzeuger Martin Grubinger steht für ihn beispielhaft dafür. „Er hat es mit einem ganz neuen Repertoire geschafft, ein Publikum zu finden und an sich zu binden.“ Glashoff lässt auch populäreren Musikern wie dem Oboisten Albrecht Meyer oder der Geigerin Patricia Kopatchinskaja viel Spielraum für eigene Programme. „Bei uns können sie machen, was sie wirklich interessiert“, sagt er. „Wenn sie selbst begeistert sind, überträgt sich das auch auf das Publikum.“

Für ihn ist es daher wichtig, dass diese Persönlichkeiten wirklich im Mittelpunkt stehen. „Darum bemühen wir uns auch, sie in beiden Hälften eines Konzertes zu präsentieren.“ Das klassische Sandwichprogramm aus Ouvertüre, Konzert und Sinfonie ist daher immer seltener zu hören. Ansonsten sind in den Konzerten mit Orchestern aber keine besonderen Experimente gewünscht: „Wir bauen auf die großen Werke des klassisch-romantischen Repertoires“, sagt Glashoff.

Ein anderes wichtiges Argument für gut besuchte Konzerte ist ein großer Name. „Medienkünstler“ nennt Glashoff bekannte Musiker wie Lang Lang oder Jonas Kaufmann. Gerade in Hannover interessiert man sich sehr für solche Stars, hat er beobachtet. „Wir verkaufen die Karten für diese Konzerte viel schneller als in anderen Städten. Man kann deutlich sehen, wie hungrig danach das Publikum ist.“ Und man spüre hier auch die Begeisterungsfähigkeit der Zuhörer. Selbst applausverwöhnte Künstler wie Lang Lang zeigen sich davon beeindruckt: Nach seinem letzten Auftritt im Kuppelsaal hat der Chinese selbst um eine möglichst baldige Wiederholung gebeten. Das lässt sich Glashoff natürlich nicht zweimal sagen: 2017 wird es so weit sein.

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