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Hannovers Bürger sollen für Sprengel Museum spenden

Für geplanten Anbau Hannovers Bürger sollen für Sprengel Museum spenden

Wie genau die Erweiterung des Sprengel Museums aussehen soll, scheint noch unklar zu sein. Aber schon an diesem Freitag stellen die Freunde des Sprengel Museums und Oberbürgermeister Stephan Weil die Spendenkampagne „Mehr Museum“ vor, um Geld für den Anbau zu sammeln.

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Spieglein, Spieglein: Visualisierung der Erweiterung des Sprengel Museums.

Quelle: Meili + Peter / Christian Burkert

Eine verspiegelte Box mit „tanzenden Räumen“ hat sich das renommierte Züricher Architekturbüro Meili + Peter für Hannover ausgedacht. Auf den Anfang des Jahres vorgestellten Computervisualisierungen der Erweiterung des Sprengel Museums ist ein schuppiger Anbau als neue Hülle für Niki de Saint Phalle, Schwitters & Co. zu sehen. Doch gegen die schimmernde Fassade aus unterschiedlich ausgerichteten Spiegelschindeln scheint es bei der Stadt einige Bedenken zu geben.

„Das Aussehen der Fassade sei noch offen“, hieß es am Dienstag aus dem Züricher Architekturbüro. Marlis Drevermann, Hannovers Kulturdezernentin, sagte auf Anfrage, in den kommenden Monaten werde Meili + Peter verschiedene Varianten der Fassadengestaltung vorlegen. Die Art der Konstruktion aus verschobenen Elementen stehe zwar fest, Farbgebung und Materialität, ob beispielsweise spiegelnd oder nicht spiegelnd, seien aber noch keineswegs festgelegt. Markus Peter, der Anfang dieser Woche in Hannover mit Stadtverwaltung und Museumsleitung das weitere Vorgehen besprach, sagte am Dienstag, der Fassadenvorschlag sei „nicht heilig“. Bis Frühjahr kommenden Jahres solle in engem Austausch mit Museum und Stadt Hannover eine allseits befriedigende Lösung für das Aussehen des Museums gefunden werden, so Markus Peter.

In der von Computervisualisierungen bekannten Form schillert das Museum rosabräunlich. Der Prestigebau am Maschsee würde sich in verspiegelter Form optisch extrem zurücknehmen und gleichsam als Projektionsfläche für die Umgebung und eine dicht an die Fassade herangerückte Baumreihe dienen. Unklar ist noch, ob eine solche Hülle störende Windgeräusche erzeugt, blendet und welcher Reinigungs- und Wartungsaufwand zu erwarten ist.

Ein Reflexionsbecken (Reflection Pool) am Fuß des Baus ist aus Spargründen gestrichen worden. In diesem hätte sich eine Goldkante spiegeln sollen. Irgendeine Fuge zwischen Fußgängerbelag und Auskragung des Gebäudes werde es geben müssen, sagt Christof Weber. Er ist im Züricher Büro (Meili + Peter unterhalten auch eine Niederlassung in München) im Planerteam für das hannoversche Museum. Eine Goldkante aber werde es eher nicht sein.

Dass Projektentwürfe in Details umgearbeitet werden müssen, ist Architektenalltag. Verglichen mit der megalomanen Stadionplanung in Zürich durch das Büro Meili + Peter mag sich die hannoversche Frage nach einer Goldkante wie Peanuts ausnehmen. In Zürich gewann das Architektenduo Marcel Meili und Markus Peter im Jahr 2002 mit einem kühnen Entwurf aus zwei gegeneinander verdrehten Fünfecken den Architektenwettbewerb für ein 30.000 Zuschauer fassendes Stadion samt Shoppingcenter und Büros. Das 800-Millionen-CHF-Projekt (etwa 600 Millionen Euro) sorgte für enormes Aufsehen – und auch für zahlreiche Rechtseinsprüche. Nach sieben zähen Jahren scheiterte es. Derzeit bereitet die Stadt Zürich einen neuen Wettbewerb für ein verkleinertes Fußballstadion vor: Statt 30.000 Plätzen werden es jetzt nur 16.000.

Die Stadiongeschichte sei ein „Trauerspiel“ und ein Beispiel für „Schweizer Provinzialität“, sagt Markus Peter. Freilich mehren auch gescheiterte Großprojekte den Bekanntheitsgrad von Architekten. Bei der Stadionplanung in Zürich, aber auch bei einer eigenwilligen hölzernen Brücke in Österreich (Murausteg), mit der das rund 30 Mitarbeiter beschäftigende Architektenduo in den neunziger Jahren in Fachkreisen große Aufmerksamkeit erzielte, fällt als architektonische Handschrift eine Vorliebe für das Riesige und Raue auf.

Vor allem in den neunziger Jahren hatte sich das Büro „Die Wucht großer Formen“ auf die Fahnen geschrieben. Und es bekundete die Absicht des „nicht nach Kunst Aussehen Wollens“. Genau das ist freilich eine sichere Formel, um Kunst zu schaffen. Daneben erwiesen sich Meili + Peter technisch als äußerst experimentier- und innovationsfreudig.

Zu den realisierten Bauten des Büros gehören ziemlich massive Bahnsteigdächer für den Züricher Hauptbahnhof ebenso wie ein Konzerthaus oder ein Stadtteil in Paris (auf dem Gelände der ehemaligen Renault-Werke). Derzeit gestalten die beiden Professoren der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) das Areal der Süddeutschen Zeitung in München um.

Ein Kunstmuseum – neben Fußballstadien gehören Museen heute zu den krönenden Aufgaben für Architekten – hat das Duo Meili + Peter aber bislang nicht realisieren können. Das Projekt in Hannover nehme in dem Büro einen „hohen Stellenwert“ ein, betont Markus Peter. „Wir freuen uns außerordentlich, ein Museum realisieren zu können.“ Derzeit durchläuft der Projektplan für die Museumserweiterung – elf Ausstellungsräume sollen dazugewonnen werden – die städtischen Gremien. Heute befasst sich der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss damit. Wenn alle Gremien zustimmen, kann der Rat der Stadt Hannover am 28. Oktober grünes Licht für den Anbau geben.

Doch schon an diesem Freitag stellen die Freunde des Sprengel Museums und Oberbürgermeister Stephan Weil die Spendenkampagne „Mehr Museum“ vor. Fünf der nötigen 25 Millionen Euro für das Projekt der Zürcher Architekten Meili + Peter sollen aus nichtöffentlichen Mitteln aufgebracht werden – bis Frühjahr 2011 möchte man das Geld zusammenhaben. Nicht nur die großen, auch die kleinen Spenden zählen.

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Prof. Dr. Ulrich Krempel, Direktor vom Sprengel Museum, erläutert den Sieger-Entwurf von dem Schweitzer Marcel Meili (Markus Peter Architekten).

Das Züricher Büro Meili + Peter hat sich in dem internationalen Architektenwettbewerb gegen 64 Konkurrenten durchgesetzt. Die Entwürfe des Schweizer Architekten Marcel Meili werden als Vorlage für den geplanten Anbau des Sprengel Museums verwendet.

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