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Hannovers Handbuch des Fotojournalismus

FH-Professoren veröffentlichen Buch Hannovers Handbuch des Fotojournalismus

Lars Bauernschmitt und Michael Ebert, beide nach langjähriger fotografischer Berufspraxis Professoren an der Fachhochschule in Hannover, erinnern in ihrem neuen „Handbuch des Fotojournalismus“ an besondere Momente.

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Ein Klassiker des Fotojournalismus: Raising the Flag on Mount Suribachi, Iwo Jima.

Quelle: Joe Rosenthal

Hannover. Kaum ist Otto von Bismarck gestorben, da klettern zwei Fotografen durchs Fenster in sein Schlafzimmer. Sie rücken Kissen zurecht, drücken den Kopf der Leiche hoch. Und schießen vom einstigen Reichskanzler das letzte Foto, das sie für 30 000 Mark einer Zeitung verkaufen – der vielleicht erste und sicher folgenschwerste Paparazzi-Fall. Nicht nur weil Bismarck Sohn gegen die beiden vorgeht, so dass sie ins Gefängnis wandern. Sondern auch weil danach das Urheberrecht verschärft wird, zum Schutz vor solchen Störenfrieden. Fotojournalist, eine fragwürdige Tätigkeit? Oder ein ehrenwerter Beruf?

Lars Bauernschmitt und Michael Ebert, beide nach langjähriger fotografischer Berufspraxis Professoren an der Fachhochschule in Hannover, erinnern in ihrem neuen „Handbuch des Fotojournalismus“ an besondere Momente.

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Lars Bauernschmitt und Michael Ebert, beide nach langjähriger fotografischer Berufspraxis Professoren an der Fachhochschule in Hannover, erinnern an diesen Fall von 1898 in ihrem neuen „Handbuch des Fotojournalismus“. Das trägt den eher technisch klingenden Untertitel „Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis“. Doch das Fallbeispiel zeugt davon, dass hier kein schmales Vademekum, sondern ein anspruchsvolles Kompendium vorliegt, das einen kenntnisreichen Blick auf den Beruf des Fotojournalisten wirft und durchaus das Zeug zum Standardwerk hat. Ein Handbuch zwar, doch eines, das tief ins Thema einführt, das dabei gegenüber technischen und rechtlichen den ethischen und historischen Fragen den Vortritt lässt.

Denn historisch startet dieses Buch – mit den Anfängen der modernen Fotografie durch Louis Daguerre im Jahr 1839 und gleich auch mit der journalistischen Nutzung des neuen Bildmediums. Und weil das Buch großzügig gestaltet und reich bebildert ist, dürfte es nicht nur bei Angehörigen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an Hannovers Fachhochschule auf Interesse stoßen. Wer in dem 400-Seiten-Band blättert, stößt auf zahlreiche Klassiker der Dokumentarfotografie – von Mathew Bradys Aufnahmen aus dem US-Bürgerkrieg von 1862 über Erich Salomons Fotografien von Marlene Dietrich oder Gustav Stresemann bis zu den Sozialreportagen Dorothea Langes oder den Kriegsfotos von Robert Capa. Ganz hinten geht es um die richtige Kameraausrüstung, um Hard- und Software, Bildrechte und Branchenverbände. Und dazwischen um Lokal- und Sport-, Politik- und PR-Fotografie. „Letztendlich ist es so, dass man mit PR-Kampagnen das Geld verdient, mit dem man freie Geschichten fotografiert“, sagt da der Journalist Christian Bruch zum Rollenkonflikt zwischen PR-Arbeit und Journalismus. Der wird durch die Printkrise zusehends schärfer, weshalb es für freie Journalisten entscheidend ist, eine „gute Mischung“ aus Journalismus und Werbung zu finden, wie der Journalist Uwe Schinkel sagt. Solche Stimmen werden ausführlich zitiert. Denn über die griffigen und reich bebilderten Texte hinaus kommen in anderthalb Dutzend teils langen Interviews Experten aus vielen für Fotojournalismus wichtigen Bereichen zu Wort.

Diese Interviews sind eine Besonderheit dieses Buches, Marketingsprecher würden von einem Alleinstellungsmerkmal reden. Der Text- und Bildmix braucht aber auch ansonsten keinen Vergleich zu scheuen. Auf Julian Rossigs „Fotojournalismus“ (UVK 2014, 266 Seiten, 24,99 Euro), das komplett ohne die Geschichte des Fotojournalismus auskommt, trifft eher das Bescheidenheitsrubrum Handbuch zu, Wolfgang Pensolds „Geschichte des Fotojournalismus“ (Springer VS, 202 Seiten, 29,99 Euro) bietet umgekehrt fast nur die Historie.
Und wie war das jetzt mit dem Paparazzo? Lars Bauernschmitt erinnert im Schlusskapitel unter Hinweis auf die Folterbilder von Abu Ghraib daran, dass der Voyeurismus längst nicht mehr auf professionelle Bilderverfertiger beschränkt ist – und appellliert an die Eigenverantwortung der Profis. Und sein Professorenkollege Rolf Nobel erinnert daran, dass die Beschäftigung mit „Grundsätzen von Ethik und Moral“ für jeden Fotografen wichtig ist – nicht nur im Rahmen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie.

Lars Bauernschmitt, Michael Ebert: „Handbuch des Fotojournalismus. Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis“.
Dpunkt-Verlag, 423 Seiten, 39,90 Euro.

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