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02:15 30.03.2017
Von Simon Benne
Eine Botschaft, verfasst auf purem Gold: Bibliotheksdirektorin Anne May präsentiert in einer Vitrine den berühmten Goldenen Brief. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Der König zog alle Register. Um den Adressaten zu beeindrucken, stellte der birmanische Herrscher Alaungphaya sich selbst erst einmal blumig als „Herr der weißen, roten und buntgescheckten Elefanten, Herr der goldenen Chakra-Lanze, Abkömmling des Sonnenklans“ vor. Den Text des Briefes ließ er 1756 eigens von seinem besten Schriftsteller, Letwè Nawratha, formulieren. In dem Schreiben bot er dem hannoversch-britischen König Georg II. den Bau eines Stützpunktes in seinen Gefilden an. Und um das Angebot noch etwas seriöser daherkommen zu lassen, verfasste er seinen Brief auf einem Streifen aus purem Gold.

Der Goldene Brief zählt heute zu den Preziosen der Leibniz-Bibliothek. Vom Donnerstag an steht er nun im Mittelpunkt einer Ausstellung. „Es ist die erste, die sich explizit mit den Hintergründen und der Geschichte des Briefes beschäftigt“, sagt Bibliotheksdirektorin Anne May. Mit 35 Exponaten - darunter historische Landkarten, Statuen und kostbare Handschriften - zeichnet die Schau „Drei Länder, zwei Könige, ein Missverständnis“ die Geschichte des Briefes nach.

Die Leibniz-Bibliothek zeigt ihren berühmten Goldenen Brief. Die Botschaft auf purem Gold wird als Unesco-Weltkulturerbe geehrt.

Alaungphaya erhoffte sich damals Waffenlieferungen von den Briten, die sich ebenso wie Franzosen und Niederländer in Asien etablieren wollten. In dem Ort Negrais, wo die East India Company eine Niederlassung hatte, übergab er den Brief, verziert mit zwölf Taubenblut-Rubinen aus der Mine von Mogok, an den englischen Arzt William Anderson.

Die Ausstellung zeichnet die mehr als 20 000 Kilometer lange Reise des Briefes nach: Über Indien wurde dieser auf abenteuerlichen Wegen Richtung London verschifft, wo er nach mehr als zwei Jahren ankam. Eine vorsorglich beigelegte Übersetzung schaffte es zwar auch von Asien bis England, blieb dort aber wohl auf dem Dienstweg durch die Behörden hängen - und ist bis heute verschollen.

Den Goldenen Brief selbst ließ Georg II. in seine Heimatstadt Hannover schicken, die er gerne mit kleinen Aufmerksamkeiten bedachte. Über die Bibliothek dort schrieb er, man müsse „etliche Tage haben, wenn man alles, was curieux hier ist“, sehen wolle.

Informationen

Info: Die Ausstellung ist in der Leibniz-Bibliothek, Waterloostraße 8, von Donnerstag bis zum 8. September zu sehen.

Ganz so lange braucht man für diese Ausstellung nicht - obwohl Kurator Matthias Wehry zahlreiche prächtige Exponate zusammengetragen hat. Ein „Palmblattbuch“ aus dem heutigen Myanmar veranschaulicht etwa, warum die birmanische Schrift vor allem aus Rundungen besteht: Wenn gerade kein Blattgold zur Hand war, schrieb man dort ursprünglich auf Palmblättern, die gekocht, gewalzt und gestärkt wurden. Bei geraden Strichen wären diese eingerissen.

Die Leibniz-Bibliothek hat für kurze Zeit den Goldenen Brief gezeigt.

Die Geschichte des Briefes ist auch die Geschichte interkultureller Missverständnisse: Als er in Hannover ankam, wurde er irrtümlich als Schreiben von irgendeinem „indianischen Könige“ abgeheftet, der kein Fleisch esse und das Feuer anbete. Der Brief geriet in Vergessenheit. Erst vor wenigen Jahren wurde er neu entdeckt. Erste Zweifel an seiner Herkunft, so heißt es, kamen in den Achtzigern auf. Damals besuchte der indische Botschafter die Bibliothek - und konnte von der angeblich indischen Schrift kein einziges Wort lesen.

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