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Kultur Harry Potter bringt seine Zauberlehre im Kino zu Ende
Nachrichten Kultur Harry Potter bringt seine Zauberlehre im Kino zu Ende
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18:06 10.07.2011
Es endet alles: Am 14. Juli startet mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ der letzte Film der Reihe in den Kinos. Quelle: Warner Bros.
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Gibt es ein Leben nach dem Zauberertod? Ja. Und im Film sowieso. Im Film geht sogar noch mehr. Gerade ist Harry Potter durch eine volle Ladung Zauberfluch aus der Stabspitze von Lord Voldemort dermaßen weggeblasen worden, dass es weiß wird um ihn und den Kinobesucher. Sekundenlang, einfach nur weiße Leinwand. Dann steht Harry im Jenseits, einer weißen Bahnstation ohne Züge. Potter trägt T-Shirt, Jeans, aber keine Brille. Albus Dumbledore, sein alter Lehrmeister, schon länger dort, gibt ihm ein paar Tipps für das Sein und das Gewesensein – und eröffnet Harry dann, dass sich dieses Jenseits nur in seinem Kopf abspielt, dass er im Diesseits aufwachen wird und dem dunklen Lord jetzt gefälligst mal den Garaus machen soll. So einfach ist das, wenn Zauberer auf Filmemacher treffen.

Sieben Potter-Bücher haben – von vier verschiedenen Regisseuren in den vergangenen zehn Jahren umgesetzt – schon vor dem letzten Teil sagenhafte 4,4 Milliarden Dollar eingespielt. Sechseinhalb Folgen lang durfte man Harry und seine Freunde Ron und Hermine wie in Echtzeit heranwachsen sehen. Vor der ersten Filmpremiere 2001 standen drei schüchterne Kinder im Blitzlichtgewitter, Mitte der Woche nun, bei der Weltpremiere des allerletzten Filmteils, der zweiten Hälfte von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, standen da drei routinierte Multimillionäre, Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson, und heulten wie die Kinder, weil ihnen die Potter-Abenteuer nicht nur ein Stück Kindheit geraubt, sondern auch ersetzt haben. „Wir bleiben Freunde“, schluchzte Watson, die mittlerweile auch als Model und Covergirl Spitzenverdienerin ist.

Wie viel Zeit vergangen ist, merkt man auch an anderen Dingen: Die digitale 3-D-Technik, die heute fast selbstverständlich ist im Trick- und Effektkino und in der die zweite Hälfte des letzten Teils angeboten wird, gab es zu Zeiten des ersten Films noch gar nicht in den Filmsälen. Mit Harry, Hermine und Ron sind eben alle mitgewachsen. Daniel, Emma und Rupert und ihre Konten, viele ihrer Fans und eben auch das Kino. Die Tatsache, dass die Potter-Fans schon miträtselten, während Joanne K. Rowling das Ende noch gar nicht verfasst hatte, hauchte dem Zaubermärchen geschickt echtes Leben ein.

Nun also das Filmfinale, das angeblich aus Gründen der Stofffülle – natürlich, natürlich – in zwei Hälften zerteilt wurde und die Geldfülle der Produzenten einfach verdoppelt hat.

Wir erinnern uns an Ralph Fiennes, der uns mit einem echten Cliffhanger in die neunmonatige Pause geschickt hatte: Als flachnasiger, kahlköpfiger Oberfiesling Voldemort hatte Fiennes das Grab des toten Albus Dumbledore geöffnet und dem Oberhirten des sauberen ­Magierhandwerks dessen Premium-Zauberstab aus den kalten Händen gerissen.

Das Feld ist also bereitet für das Duell der Duelle, auf das die ganze Geschichte mit zehn Jahren Anlauf zugelaufen war. Auserwählte unter sich. Gut gegen Böse. Brille gegen Glatze. Um sich unsterblich zu machen, hat Voldemort Teile seiner Seele in sogenannten Horkruxen versteckt, heute würde man von externer Datensicherung sprechen. Diese Horkruxe muss Potter finden und zerstören, um seinen mächtigen Gegner, der seine Eltern auf dem Gewissen hat, immer weiter zu schwächen. Dass ein Stück von Voldemorts Seele in Harry selbst steckt, macht die Sache nicht gerade einfacher.

Opfert sich der Held also, um die Welt vor der Herrschaft des machtgeilen Monsters zu bewahren? Tun würde er’s, so haben wir Harry zehn Jahre lang kennengelernt. Gehört in diesem Job auch irgendwie dazu, da ist er ein ganz normaler Auserwählter, wie Matrix-Neo oder Hobbit-Frodo auch. Aber schade wär’s schon. Dieses dramaturgische Problem wird schließlich mit der Stippvisite in der weißen Bahnstation gelöst. Es ist ja nicht gerade ein Dokudrama, und bei Fantasy findet man immer einen Ausweg, wenn der Plot hakt. Oft geht das sogar als kreativer Kniff durch.

Dass Harry überlebt, darf also verraten werden, weil das Geheimnis spätestens seit Erscheinen des letzten Buches 2007 gelüftet ist. So bittet Regisseur David Yates zum Showdown in die Zauberschule Hogwarts und darf alle Action-Register ziehen. Die Animationscomputer im Trickstudio müssen geraucht haben. Andererseits behält Yates, der die letzten vier Potter-Filme inszeniert hat, sorgfältig die Hauptfiguren, ihre Ängste und Zweifel im Blick. Schließlich ist es die letzte Chance, noch einmal große Themen zu verhandeln. Tod ist eines davon. „Tut es sehr weh, wenn man stirbt?“ fragt Harry, als ihm seine verstorbenen Eltern erscheinen. Viele Nebenfiguren der Filmserie tauchen noch einmal auf – wie beim Schnelldurchlauf in der Hit­parade. Für manche heißt es aber auch: Bitte nicht wiederwählen, von einigen liebgewonnenen Figuren müssen sich Potter-Fans vorzeitig verabschieden.

Viele Fäden laufen in diesem Finale zusammen, letzte ungeklärte Rätsel aus der Vergangenheit werden gelöst, und das Staraufgebot von Alan Rickman über Helena Bonham Carter, Gary Oldman, John Hurt bis zu Julie Walters und Maggie Smith setzt noch einmal kurze Glanzpunkte.

Nachdem Harry den letzten Horkrux gefunden und mithilfe seiner Freunde erledigt hat, steht er Voldemort wie im Westernduell mit Zauberstäben gegenüber. Beide schleudern ihre ultimativen Flüche aufeinander. Doch der Schurke ist zu schwach, verliert – und entsorgt sich praktischerweise und umweltfreundlich gleich selbst.

Und das Ende – offen? Jein. Wir begegnen Harry 19 Jahre später auf dem Bahnsteig 9 3/4. Er und seine mittlerweile Angetraute Ginny bringen ihre Kinder zum Zug nach Hogwarts. Wie auch das Ehepaar Ron und Hermine. Die nächste Generation wächst heran. Selbst Harry ist ja eigentlich noch jung. Und mit 40-jährigen Ruheständlern hat sich Hollywood noch nie zufrieden gegeben. Fragen Sie mal Rocky Balboa.

Ab 14. Juli im Kino.

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