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Kultur Heike Pöppelmann will Braunschweiger Landesmuseum neu ausrichten
Nachrichten Kultur Heike Pöppelmann will Braunschweiger Landesmuseum neu ausrichten
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08:43 09.07.2010
Von Simon Benne
Neu-Direktorin am Braunschweiger Landesmuseum: Heike Pöppelmann. Quelle: dpa

Blickt man auf die Amtszeit des im April abgelösten Kulturministers Lutz Stratmann zurück, darf man festhalten: In Museumsfragen hatte der Oldenburger keine glückliche Hand. Die angekündigte Errichtung eines Landesmuseums für Ethnologie in Göttingen ist ins Stocken geraten. Der Versuch, das Braunschweigische Landesmuseum mit dem Städtischen Museum dort zu ver­einen, scheiterte; mehrere hochqualifizierte Bewerber für Leitungsposten sprangen wieder ab. Und ein Vorstoß zur Neugliederung der Museumslandschaft, bei dem unter anderem ein musealer Schwerpunkte für Archäologie in Braunschweig entstehen sollte, stieß auf erbitterten Widerstand in den Landesmuseen, die fürchteten, ihre Sammlungen würden auseinandergerissen. Inzwischen ist der Plan im Sande verlaufen.

„Es ist Zufall, dass ich Archäologin bin“, sagt Heike Pöppelmann, die gestern als neue Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums vorgestellt wurde – und bezog sich dabei nicht auf die Berufsentscheidung in ihrer eigenen Biografie, sondern vielmehr darauf, dass ihre Berufung auf den Braunschweiger Posten wohl nicht als Wiederbelebung des Stratmann-Plans zu deuten sei. Die 45-Jährige studierte unter anderem Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Ethnologie in Köln und Bonn, wo sie 1997 über ein spätantikes Gräberfeld in Jülich promovierte. Danach war die gebürtige Westfälin schon einmal für drei Jahre in Niedersachsen: Sie volontierte am Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg.

Seit 2000 leitet Heike Pöppelmann die archäologische Abteilung am Kulturhistorischen Museum Magdeburg, das sich in dieser Zeit auch überregionale Meriten erworben hat. An erfolgreichen ­Europarats-Ausstellungen über Otto den Großen (2001) und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation (2006) war sie ebenso beteiligt wie an der Landesausstellung „Aufbruch in die Gotik“ im vergangenen Jahr. Außerdem betreute sie in Magdeburg eine umfassende archäologische Sammlung und sammelte vielfältige Erfahrungen im Museumsbetrieb. Pikant: Ursprünglich hatte Pöppelmanns Chef, der Magdeburger Museumsdirektor Matthias Puhle, den Posten in Braunschweig übernehmen sollen – der schon sicher geglaubte Wechsel hatte sich in letzter Minute zerschlagen.

Nun tritt Puhles bisherige Mitarbeiterin in Braunschweig am 1. Oktober nach langer Vakanz die Nachfolge von Gerd Biegel an, der 2008 seinen Direktorenposten aufgab. Das Landesmuseum im repräsentativen Vieweghaus am Burgplatz zählt mit seinen umfassenden Sammlungen zu den Kultureinrichtungen der Stadt mit der größten Strahlkraft. Gleichwohl gilt das altehrwürdige Museum, gegründet 1891, auch als etwas angestaubt. Wohl auch deshalb skizzierte Pöppelmann schon einmal ein neues Konzept für das Haus mit seinen rund 40 Beschäftigten: „Die 22 Jahre alte Dauerausstellung entspricht nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten, sie muss neu konzipiert werden“, sagt sie. Sonderausstellungen sollten die große Vielfalt der Region präsentieren, das Museum müsse „für ein breites Publikum ein Ort der Begegnung sein“. „Auf meine neue Aufgabe freue ich mich sehr“, sagt die neue Direktorin tatendurstig.

Als „sehr gute Wahl“ würdigte Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) die neue Museumsdirektorin: „Ich bin mir sicher, dass sie für ihre neuen Aufgaben bestens ausgebildet ist.“ Auch von der Opposition im Landtag gab es an der Personalie selber gestern kaum Kritik: „Fachlich ist sie sicher kompetent“, sagt Daniela Behrens, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Allerdings war das Besetzungsverfahren nicht transparent und hat sich elendig lang hingezogen.“

Wie auch Gabriele Heinen-Kljajic von den Grünen moniert Behrens außerdem, dass das Land noch immer kein tragfähiges Gesamtkonzept für seine Museen aufgestellt habe. Im August will die SPD das Thema im Landtag aufs Tapet bringen. „Auf dem Gebiet“, sagt Behrens, „kann Frau Wanka sich noch große Verdienste erwerben.“

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