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Heinz Rudolf Kunze bleibt sich treu

Konzert im Capitol Heinz Rudolf Kunze bleibt sich treu

Am Mittwochabend trat Heinz Rudolf Kunze im Capitol auf und zeigte erneut, wie sehr sich die Auseinandersetzung mit deutschen Zuständen und Befindlichkeiten wie ein roter Faden durch sein Leben zieht. Seine Texte sind wie schon vor 30 Jahren kritisch und unzufrieden, leidenschaftlich und empathisch. Die Fans feierten ihn dafür.

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Heinz Rudolf Kunze wurde für seinen Auftritt im Capitol von den Fans gefeiert.

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Man könnte Heinz Rudolf Kunze als hartnäckig bezeichnen. Seine Auseinandersetzung mit deutschen Zuständen und Befindlichkeiten zieht sich unverkennbar durch sein Leben. Ende November wird der Musiker 60. Bereits vor 30 Jahren veröffentlichte er ein Album, dessen Cover eine mit dicken Strichen gemalte Deutschlandfahne dominierte. "Wunderkinder" hieß es, und bereits der Titelsong ist eine sehr unzufriedene Betrachtung der Heimat, mit der sich Kunze trotz allem identifiziert. Bis heute ist er ein kritischer Partiot geblieben, einer, der es sich nicht einfach macht, sich in Deutschland zuhause zu fühlen. "Wunderkinder" ist der zweite Song seines Konzertes im Capitol, gleich nach dem biografischen Manifest "Es ist in ihm drin", in dem er vor allem über den eigenen Dickkopf singt. Er stoße immer wieder auf rote Fäden in seinem Werk, erzählt Kunze auf der Bühne.

Bis heute ist Heinz Rudolf Kunze ein kritischer Partiot geblieben, einer, der es sich nicht einfach macht, sich in Deutschland zuhause zu fühlen. 

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Im Titelsong des neuen Albums "Deutschland" klingt "Wunderkinder" tatsächlich als Echo nach. Sein Autor ist kaum zufriedener als vor 30 Jahren. "So vieles dürfte anders sein", wünscht er sich. Und wenn er sein Land dann "Kind von schlechten Eltern" nennt, wird klar, wie tief die Identifikation reicht. Kunzes Vater war im Krieg Frontoffizier der Waffen-SS, arbeitete später als Dorfschullehrer. Der Sohn setzt sich in seinen Liedern hingegen schon immer für Weltoffenheit und Toleranz ein. "Aller Herren Länder" von 1999 erlangt heute traurige Dringlichkeit: "Du wirst nie zuhause sein, wenn du keinen Gast, keine Freunde hast." Dazu gehört als Kommentar vom aktuellen Album das Stück "Jeder bete für sich allein". Die Songfolge bestätigt die These von den roten Fäden. Lieder über Unangepasstheit, Liebe und Zugehörigkeit fügen sich zu kleinen Gruppen und erzählen am Ende alle gemeinsam eine große Geschichte über Heimat und Ankommen, über Werte, Zweifel und Sehnsucht.

Dabei fügen sich Hits wie "Dein ist mein ganzes Herz" nahtlos ein. Sie werden Teil einer Bühnenerzählung. Kunze stellt sein neues Album nicht über ältere Titel. Das scheint er ganz einfach nicht nötig zu haben. Dabei entzieht sich seine Musik den Kategorien. Er legt seinen stimmlichen Schmelz mühelos über Pop, Folk, Schlager, Rock und Rock'n'Roll und scheut auch die Nähe zur Schnulze nicht. Kunze lässt sich von seiner vierköpfigen Band "Verstärkung" in einen präzisen, satten Sound einbetten. Nach weit über zwei Stunden behauptet er im neuen Song "Ein fauler Trick": "Ich kann euch nichts mehr Neues zeigen." Tatsächlich hat er seinem jubelnden Publikum nur geboten, was es erwarten konnte, nämlich Leidenschaft, Sprachgefühl, Empathie und Unzufriedenheit in seiner ihm eigenen Mischung. Die Fans lieben und feiern ihn dafür.

Von Thomas Kaestle

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