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00:15 04.09.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Goldener Eisberg von Leonard van Munster Quelle: HAZ
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Hannover

Alle zwei Jahre lohnt sich eine Radtour von Hannover aus Richtung Westen ganz besonders. Denn alle zwei Jahre gibt es in den historischen Gärten des Ober- und Untergutes Lenthe die Ausstellung „Neue Kunst in alten Gärten“. Am Sonntag, 7. September, wird die sechste Ausgabe der Kunstschau eröffnet; in den weiträumigen Gärten sind Arbeiten von 13 Künstlern zu sehen. Hannes Malte Mahler und Hartmut Stielow, die beiden Kuratoren, haben der Gartenschau wie jedes Mal ein Motto vorangestellt. In diesem Jahr lautet es „Spielen“. Sehr originell ist das zwar nicht, schließlich hat Kunst ja meist irgendetwas mit Spiel zu tun, aber wenn schon ein Motto sein muss, dann gehört das Thema Spiel (das auch die ersten Kunstfestspiele Herrenhausen als Motto nutzten) immerhin noch zu den interessanteren.

Das Werk, das im Untergut (dort, wo der Rundgang beginnen sollte) als erstes die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zieht, passt sehr gut zum Motto, denn es erinnert an einen Abenteuerspielplatz - an einen Abenteuerspielplatz für Ingenieure. Gaby Taplick, die an der FH Hannover Bildende Kunst studiert hat, hat eine große Holzarbeit mitten auf den Rasen gestellt. Aus alten Brettern hat sie einen (besteigbaren) Turm gebaut, der von einer Art Kugelgerüst umgeben ist. Das ist ein irrwitziges Spiel mit Innen und Außen, ein permanenter Perspektivenwechsel und eine spannende Verbindung von akkurater Planung und lustvoll anarchischer Ausführung. An der zweiten Station der Ausstellung, dem Obergut, wird das Holzwerk mit einem isoliert stehenden Turm fortgesetzt - kurz hat man den Eindruck, als seien beide Teile mit einem unterirdischen Holzweg verbunden. Der Künstlerin wäre durchaus zuzutrauen, das Spiel so weit zu treiben.

Der zweite große Hingucker liegt gleich hinter dem Kugelturm. Was von Ferne wie ein Comicgesicht (riesige Augen, breiter Mund) aussieht, stellt sich beim Näherkommen als Klangwerk heraus. Oliver Blomeier, der im vergangenen Jahr bei der niedersächsischen Herbstausstellung im Kunstverein Hannover einen überdimensionalen, von einem Fahrrad angetriebenen Plattenspieler vorgestellt hat, hat nun im Garten ein ebenso originelles Werk aufgestellt. Das Objekt aus drei gigantischen Lautsprechern ist dreh- und schwenkbar. Wer will, kann sich hinter das Trichtergesicht ans Mundstück stellen und etwas in den Garten hineinrufen. Die Schallverstärkung ist beachtlich. Blomeier, der an der HBK-Braunschweig studiert hat, ist ein großartiger Bastler mit schönem Hang zur großen Geste. Das Moment des Peinlichen, das solchen Mitmachkunstwerken oft eigen ist, fehlt hier glücklicherweise - mal abgesehen von den Hör-Oliven des angeschlossenen Stethoskops, mit denen man die Lautsprecher zu Hörrohren machen kann. Weil die jedermann benutzen kann, mag sie gewiss nicht jedermann benutzen.

Die Gartenausstellung ist von erheblichen Kontrasten geprägt. Neben pointensinnigen Installationen wie Leonard van Munsters goldenem Eisberg, der auf dem See schwimmt, oder Paul Schwers bunten Plexiglasobjekten, die wie riesige geschmolzene Bonbons wirken, sind auch altmeisterliche Arbeiten zu sehen: Werner Pokornys streng geometrische Stahlhäuser etwa, Hanneke Beaumonts Skulptur eines sitzenden Bildbetrachters oder die Eisenskulptur „Drei bewegte Motive“ des 1995 verstorbenen Bildhauers Bernhard Heiliger.

Eine Arbeit mit besonderem Entwicklungspotenzial steht etwas unscheinbar am Rand des Untergutgartens: Zwei parabelartig gebogene transparente Kunststoffröhren. Das Werk stammt von Rosmarie Weinlich. Beide Röhren sind mit einer Nährflüssigkeit gefüllt. In die eine Röhre hat die Künstlerin Biomaterial aus dem Park gegeben: Erde, Gras und Pflanzenreste. In die andere Röhre hat sie Biomaterial ihres eigenen Körpers gefüllt: Hautschuppen, Schweiß, Haare.

In den Röhren dürfte einiges heranwachsen. Und so muss das in einem Garten ja auch sein.

Bis 12. Oktober, sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen um 15 Uhr. Eröffnung am Sonntag, 7. September, um 11 Uhr auf dem Untergut. Weitere Informationen: (0 51 08) 92 61 12

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