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Deutscher baut Tolkien-Museum in den Alpen

Hobbits im Heidiland Deutscher baut Tolkien-Museum in den Alpen

Neuseeland? Von wegen! Die Heimat der Elben, Orks und Hobbits lag nicht dort, wo Peter Jackson ihre Geschichte verfilmte. Vielmehr soll J.R.R. Tolkien beim Schreiben an die Schweizer Alpen gedacht haben. Dort hat ein Deutscher das weltgrößte Mittelerde-Museum geschaffe

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Bernd Greisinger (l.) zeigt Besuchern in seinem Tolkien-Museum Pfeifen des Zauberers Gandalf.

Quelle: dpa

Jenins. Smaug war ein Drache der allergefährlichsten Sorte. Millionen Leser von J.R.R. Tolkien (1892-1973) wissen das. Und natürlich auch all jene, die Peter Jacksons "Hobbit"-Verfilmung gesehen haben. Aber wie viele Beine hatte Tolkiens feuerspeiendes Ungeheuer? Waren es zwei oder vier? Mit solchen Fragen testet Bernd Greisinger die "Tolkien-Festigkeit" seiner Gäste. Die meisten kennen sich mit der Welt des großen englischen Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers gut aus. Kein Wunder. Wer sich eigens in die Bündner Alpen begibt, um in Greisingers unterirdischem Museum in eine Welt mit Elben, Orks, Hobbits und Kampfzwergen einzutauchen, muss ein echter Fan sein. Genau wie der Museumsgründer selbst. Einst hat der Mann aus Mainz an der Börse Millionen gemacht. 2003 war er gar als "Fondsmanager des Jahres" nominiert. Doch 2008 schlug die Krise zu.

Der Ex-Börsenstar - immer noch Millionär - entschied sich für einen Wechsel: Raus aus der Finanz- und hinein in die Fantasiewelt. Greisingers Interesse am Werk von John Ronald Reuel Tolkien war 2001 erwacht, als der erste Teil von Peter Jacksons Verfilmung der "Herr der Ringe"-Trilogie in die Kinos kam. Der Mainzer begann, alles zu sammeln, was irgendwie mit Tolkien und der von ihm erdachten Welt Mittelerde zusammenhing. "Der Fundus wurde größer und größer", erzählt Greisinger. "Von Tolkiens Kompass aus dem Ersten Weltkrieg über Merchandising-Artikel von Werbefirmen bis zu teuren signierten Erstausgaben - ich wollte alles haben, was mit diesem Schöpfer von Weltliteratur zu tun hat." So kamen mehr als 3500 Bücher von und über Tolkien in etlichen Sprachen zusammen. Dazu mehr als 600 Originalgemälde und -skizzen von rund 80 Künstlern, die sich mit seinem Werk beschäftigen. Und unzählige Filmrequisiten, Kostüme, Schwerter, Äxte und Skulpturen - vom Hobbit-Fiesling Gollum bis zum gütigen Zauberer Gandalf. "Ich habe weggekauft, was für Geld zu bekommen war", sagt der heute 51-jähriger Greisinger. "Aber ich wollte es nicht für mich allein.

Größte Tolkien-Sammlung der Welt

"Ich wollte den Menschen, die sich für Tolkiens Welt interessieren, etwas geben, was sich die meisten nicht leisten könnten." Ein geeignetes Grundstück fand sich im Bündner Weinbauerndorf Jenins. Umgeben von Rebstöcken, mit Blick auf schneebedeckte Berge und nur ein paar Autominuten vom Heididorf entfernt - der "Heimat" des berühmtesten Schweizer Mädchens - entstand das Greisinger Museum. Auf 2,5 Millionen Schweizer Franken (2,3 Millionen Euro) beliefen sich allein die Baukosten. Durch eine Nachbildung des Hobbit-Gartens und der Hobbit-Höhle, die der kanadische Illustrator John Howe einst für die Jackson-Filme entworfen hatte, geht es in unterirdische Museum. Es berherberge "die größte Tolkien-Sammlung der Welt", sagt Greisinger stolz - eine Einschätzung, die von der Deutschen Tolkien Gesellschaft geteilt wird. Die Zahl der Besucher hält sich allerdings in Grenzen.

Rund 6000 waren es seit der Eröffnung im Oktober 2013. Der Grund dafür ist, dass Greisinger und seine Helfer vom Schweizer Verein der Freunde Mittelerdes keinen Massenandrang wollen. Sie bieten sachkundige Führungen für jeweils maximal 14 Personen (50 Franken pro Person, nur mit Voranmeldung auf der Website). Oft führt der Museumsgründer die Gäste selbst. Und gleich zu Beginn der gut dreistündigen Tour gibt es eine Lektion für alle, die immer noch glauben sollten, Tolkiens Sagenwelt habe etwas mit Neuseeland zu tun. Abgesehen natürlich von der Tatsache, dass der dort geborene Regisseur Peter Jackson seine Heimat zur Filmkulisse machte.

Zurück zum Ursprung

"Mittelerde war nirgendwo anders, als hier in der Schweiz", sagt Greisinger und deutet in Richtung Alpenpanorama. Mit dieser Überzeugung ist er nicht allein. Viele Tolkien-Begeisterte glauben, dass der Autor bei der Erschaffung von Mittelerde vor allem auf Erlebnisse und Eindrücke einer Alpentour zurückgriff, die er als 19-Jähriger gemeinsam mit Freunden unternahm. Tatsächlich berichtete Tolkien seinem Sohn Michael 1967 in einem Brief, dass die Reise des Hobbits Bilbo "from Rivendell to the other side of the Misty Mountains" durch sein Schweiz-Abenteuer im Jahr 1911 inspiriert wurde - Rivendell ist in der deutschen Ausgabe das Bruchtal im Nebelgebirge. In jenem Jahr war Tolkien von Interlaken durch das Lauterbrunnental bis nach Grindelwald gewandert.

Dort hatte er das Gipfel-Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau ebenso bewundert wie das Silberhorn. Letzteres war, wie der Autor später berichtete, die Vorlage für den Berg Celebdil im Nebelgebirge. "Und Interlaken, die Stadt zwischen Thunersee und Brienzersee, findet sich in der Hobbit-Trilogie als Seestadt wieder, die vom Drachen angegriffen wird", sagt Greisinger. Und sieht nicht sogar in Jacksons "Hobbit"-Verfilmung der Erebor - der Heimatberg der Zwerge, den sie vom goldgierigen Smaug befreien - dem Matterhorn verdächtig ähnlich? Apropos Smaug: Wie viele Beine hatte der Drache nun? Zwei oder vier? Irgendwie ist beides richtig: Bei Tolkien sind es vier, in den Filmen nur zwei. "Warum das so ist", sagt Greisinger, "werde ich Peter Jackson fragen, sobald er mein Museum besucht." Ein Plandatum soll es dafür schon geben. Aber das ist derzeit noch so geheimnisumwittert wie Tolkiens Dunkelwald.

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