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"Horror" feiert Hannover-Premiere

Theater am Aegi "Horror" feiert Hannover-Premiere

Flirrende Lichter, grelles Kreischen und stumme Protagonisten – Das Theaterstück „Horror“ hat am Dienstagabend im Theater am Aegi Premiere gefeiert. Der schwedische Regisseurs Jakop Ahlbom setzt bei seinem Stück auf die Kombination von visuellen und musikalischen Effekten.

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Flirrende Lichter, grelles Kreischen und stumme Protagonisten – Das Theaterstück „Horror“ hat am Dienstagabend im Theater am Aegi Premiere gefeiert.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Rauch steigt auf, es wird dunkel und eine Besucherin flüstert: „Ich hab’ Angst.“ Es herrscht angespannte Stille im Publikum, manche machen nervös Witze bevor es endlich losgeht.

„Horror“ heißt das Stück, dass am Dienstagabend im Theater am Aegi Premiere gefeiert hat. Horror kann genauso nervös-machenden Psychokram meinen wie eine blutige Splatterszenerie – mit jeweils völlig unterschiedlichem Gruselfaktor. Das Stück des schwedischen Regisseurs Jakop Ahlbom kombiniert beides: Das Blut fließt, es gibt Übernatürliches wie Untote und eine unschuldige Protagonistin mit Kindheitstrauma. Mindestens 16 Jahre muss man alt sein, damit man sich das Gruselstück anschauen darf.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die in das düstere Haus ihrer Familie zurückkehrt, in dem sie als Kind sadistisch gequält wurde. Das Haus scheint verlassen, als sie es mit ihren beiden Freunden erreicht, doch schnell merkt sie: Etwas stimmt nicht. Das Trio wird von Untoten heimgesucht, die aus dem Sofa oder dem Wandschrank kriechen und aus der Badewanne steigen. Hauptsächlich tauchen jedoch die mechanisch-wirkenden Eltern und eine untote Reinkarnation der jungen Frau auf, die mit langen dunklen Haaren und weißem Kleid aussieht wie Samara Morgan aus dem Horrorklassiker „The Ring“.

Und das ist nicht die einzige Parallele zum Filmgenre: Inhaltlich schöpft Ahlbom, der auch schon an Filmproduktionen beteiligt war, genauso aus dem Fundus populärer Horrorfilme wie umsetzungstechnisch. Klar, wer heutzutage Horrorgeschichten sehen möchte, geht ja auch eigentlich nicht ins Theater, sondern ins Kino. Die Übertragung auf die Theaterbühne gelingt dem studierten Pantomime jedoch beeindruckend gut: Wie von Geisterhand kriecht beispielsweise eine Hand über die Bühne und versucht Protagonisten zu erwürgen. Die Spielräume sind durch eine Wand getrennt, die mal durchsichtig ist und mal Filmausschnitten als Leinwand dient – in Horrorfilmen bekannt als Found Footage.

Die namenlose Frau erinnert sich langsam an die schauerlichen Kindheitserlebnisse. Dramaturgisch wird das durch abrupte Szenenwechsel zwischen Erlebnissen als Kind und den Hauserkundungen der jungen Frau dargestellt. Beide Zeiten scheinen jedoch auch parallel zu existieren und verschwimmen immer mehr miteinander, die Bühnen-Realität wird so immer surrealistischer.

Dazu flirren Lichter, die Geräuschkulisse ist laut, mal ist es stockdunkel, mal gleißend hell auf der Bühne – die Mittel sind alles andere als spärlich. Die Lichtwechsel sind plötzlich und schocken zuweilen, wenn plötzlich die strenge Mutter hinter der jungen Frau steht. Die beeindruckende Wirkung von „Horror“ ist jedoch nicht nur den nahtlosen Übergängen zu verdanken, auch die Schauspieler überzeugen mit ihrer Darbietung. Besonders deutlich wird das, als die Hand eines Akteurs ein Eigenleben entwickelt, ihn schlägt und versucht ihn mit einer Schere zu erstechen. Visuelle gehen mit musikalischen Effekte einher, die Protagonisten aber bleiben stumm. Es gibt wiederkehrende Motive, die assoziativ an die Kindheit der Frau erinnern wie das Weinen eines Mädchens oder Spieluhrmusik und splatterhafte Musik wie „Crazy Horses“ von The Osmonds.

Grund Angst vor dem Stück zu haben gibt es aber wenig: Manche Szenen sind so übertrieben, dass sie eher slapstickhaft wirken. Das Publikum lacht, als der Vater einem Mann mit schmatzenden Geräuschen die Eingeweide aus dem Mund zieht. Ein Besucher kommentiert ironisch „Jetzt wird’s richtig gruselig“, als ebenjener Mann seine Frau mit einem Tanz verführen will.

Nach knapp anderthalb Stunden ist „Horror“ vorbei. Das Publikum spendiert anhaltenden Applaus und Standing Ovations. Noch bis Sonnabend gastiert „Horror“ in Hannover. Am Donnerstag und Freitag wird das Stück jeweils ab 20 Uhr aufgeführt, am Sonnabend einmal um 17 Uhr und einmal um 23 Uhr im Theater am Aegi, Aegidientorplatz 2. Karten gibt es ab 36,90 Euro im HAZ-Ticketshop.

Kira von der Brelie

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