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Hotzenplotz als Kinderoper

Oper Hotzenplotz als Kinderoper

Seit einem halben Jahrhundert begeistert Otfried Preußlers "Räuber Hotzenplotz" die kleinen Leser: Jetzt zeigt die Junge Oper Hannover die Geschichte für Zuschauer ab fünf Jahren.

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Quelle: dpa

Hannover. Die Obrigkeit überwacht den Einlass: Da steht der Wachtmeister Dimpfelmoser am Eingang des hannoverschen Ballhof zwei und hält mit strengem Blick ein Auge darauf, dass die Zuschauer der Kinderoper „Räuber Hotzenplotz“ auch gesittet ihre Plätze einnehmen. Wenig später baut sich dieser Dimpfelmoser vor dem Publikum auf und zeigt an, dass es ab jetzt heißt: Ruhig bleiben und zuschauen!

Die Besucher folgen, soweit das bei einer Oper für Kinder ab fünf Jahren möglich ist, der Anweisung überraschend brav. Auf der Bühne ist gleich zu Beginn allerdings auch so viel los, dass die Zuschauer gebannt - und still - sind. Ein verwegen dreinblickender, wenn auch ungewohnt schlanker Räuber Hotzenplotz (Nicolas Kröger) schleicht dort umher, klaut erst ein Hemd von der Wäscheleine und dann dem musikalischen Leiter der Aufführung, Benjamin Reiners, den Gürtel. Reiners rutscht die Hose herunter, und er steht in gemusterten Boxershorts vorm Pult. Das junge Publikum quietscht vor Vergnügen.

Mancher ältere Zuschauer wundert sich wenig später allerdings auch: Als der Großmutter (Anna Bineta Diouf) an einer Tasse nippt und schwärmt „Kaffee, Kaffee, das ist, was ich mag“ wirkt das ein bisschen wie aus einem Werbespot aus dem Hause Jacobs.

Regisseur Tobias Ribitzki, der in Hannover schon erfolgreich die Kinderopern „Freunde!“ und „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ inszeniert hat, hält sich insgesamt eng an die literarische Vorlage Otfried Preußlers. Die Geschichte vom Dieb, der der Großmutter die geliebte Kaffeemühle klaut, und der von Kasperl und Seppel hinter Gittern gebracht wird, ist mit viel Charme und noch mehr liebenswerten Gags auf die Bühne (Bühnenbild: Pablo Mendizábal) gebracht. Zwei Podeste und eine Art Klettergerüst dienen mal als Großmutters Küche, mal als Schloss des Zauberers Zwackelmann (Christoph Rosenbaum, der auch den Dimpfelmoser spielt) und als Wald, in dem Kasperl und Seppel den Räuber verfolgen.

Der aus Hannover stammende Andreas N. Tarkmann, der mehrere Märchen vertont und für den Mädchenchor Hannover „Didos Geheimnis“ komponiert hat, begleitet die Erzählung schlüssig, wenn auch etwas konturlos. Das junge Publikum immerhin wird nicht überfordert - ebenso wenig wie bei Jörg Schades Libretto. Der reimt munter „diese Mütze, die ist Spitze“ und „Hände hoch, Kiste her, denn sonst gibt es ein Malheur“.

Das Ensemble der Jungen Oper - unter anderem mit Michael Chacewicz als Kasperl und Tivadar Kiss als Seppel - lässt sich von solchen Reimen weder Sing- noch Spielfreude nehmen. Manchmal jedoch haben es die Sänger schwer, sich gegen die recht forsch und laut aufspielende Musik durchzusetzen.

Der Applaus fällt sehr herzlich aus, und wer sich ein Programmheft kauft hat, kann zu Hause Hotzenplotz nachspielen: Aus dem Heft kann man mit einer Schere, etwas Geduld und Geschick die Figuren ausschneiden - ein kleines Kasperletheater basteln.

Wieder heute, morgen sowie am 13. und 14. Februar, jeweils 10 Uhr. Infos und Karten unter Telefon (0511) 99991111.

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