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Kultur „Ich hasse Menschen“: Julius Fischer liest im Pavillon
Nachrichten Kultur „Ich hasse Menschen“: Julius Fischer liest im Pavillon
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01:15 17.10.2018
Hasst seine Mitmenschen: Autor Julius Fischer. Quelle: Enrico Meyer
Hannover

 Julius Fischer macht es sich einfach. Er hasst. Wer liebt, macht sich angreifbar. Einfacher als hassen ist nur okay finden. Aber weil sich das Buch „Ich finde Menschen okay“ wahrscheinlich nicht so gut verkauft hätte, hat Fischer am Sonntag aus seiner Novelle „Ich hasse Menschen“ im ausverkauften kleinen Saal im Pavillon vorgelesen.

„Hass zieht“, erklärt Fischer den 155 Zuschauern die Wahl seines Buchtitels. Und er zieht nicht nur die Menschen auf die Straßen ostdeutscher Städte. Sondern auch ins Internet. Neben all den ernst gemeinten Beleidigungen und Drohungen gibt es dort viel ironischen Hass. Besonders im sozialen Netzwerk Twitter ist das Witzschema beliebt: banale Alltagssituation schildern und darauf überzogen emotional reagieren. Fischer macht genau das Gleiche, nur eben nicht in den 280 Zeichen eines Tweets, sondern auf 160 Seiten.

Doch obwohl die Pointen in seinen Erzählungen alle nach demselben Muster aufgebaut, noch dazu immer betont-ironisch und allzu oft etwas sehr konstruiert sind – trotz allem langweilt Fischer sein Publikum nicht. Das liegt zum einen daran, dass er nicht nur aus seinem Buch vorliest, wie sehr ihn laute Nachbarn, Rentner, Möhren kauende Mitreisende im Zug und die Stadt Köln nerven. Er trägt auch andere absurde Texte vor, in denen er Spam-Mails beantwortet oder Pferde und Katzen auf ihre Haustiertauglichkeit hin vergleicht. Und er singt eine kitschige Pophymnenparodie, ganz so wie Jan Böhmermann mit „Menschen Leben Tanzen Welt“.

Doch noch mehr als mit diesen kleinen Extras überzeugt Fischer mit seiner Art. Diesem sympathischen Bücherwurm von nebenan kauft man den Hass einfach nicht ab. Wenn er seine Texte schnell liest, so wie der das vom Poetry Slam gewöhnt ist, verhaspelt er sich regelmäßig, um sich dann mit einem „Konzentration, junger Mann!“ selbst zu ermahnen. Beim Singen vergisst er mal den Text und trifft nicht jeden Ton. Wenn er versucht, den Grantigen zu mimen, muss er kichern.

Und so hasst Julius Fischer eigentlich gar nicht. Das gibt er selbst zu. „Ich hasse ja eigentlich auch nicht ganze Menschen“, sagt er. Nur die nervigen Eigenschaften. Aber das ließe sich als Buchtitel halt nicht verkaufen.

Von Johanna Stein

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