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Kultur „Ich will das nicht!“
Nachrichten Kultur „Ich will das nicht!“
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18:41 23.02.2018
Etwas stimmt nicht - nur was? - Peter Arbeitsloser (Denis Pörtner) an seinem Arbeitsplatz Quelle: Isabel Machado Rios
Hannover

Willkommen in der Zukunft! Hier läuft alles rund: Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. „QualityPartner“ weiß, wer am besten zu dir passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo du hin willst. Und wer bei „TheShop“ angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, automatisch zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen. Das System weiß, was du willst. Super praktisch! Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen – denn in „QualityLand“ lautet die Antwort auf alle Fragen: okay.

Gerade herrscht Wahlkampf in QualityLand, da die amtierende Präsidentin den Berechnungen zufolge demnächst einer schweren Krankheit erliegen wird. Die beiden Präsidentschaftskandidaten sind ein abgehalfterter Fernsehkoch für die „Qualitätsallianz“ und der Androide John of Us für die „Fortschrittspartei“. Schließlich machen Maschinen keine Fehler!

Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es im Land der Superlative dann Drohnen, die an Flugangst leiden, Sexdroiden mit Erektions- und Kampfroboter mit posttraumatischen Belastungsstörungen? Warum werden die Maschinen immer menschlicher und die Menschen immer maschineller? Warum bekommt Peter einen pinkfarbenen Delfinvibrator zugeschickt, den er nun wirklich nicht will, und warum weigert sich das System, seinen Irrtum einzugestehen und das Teil zurückzunehmen?

Statt sich der unumstößlichen Wahrheit zu beugen, dass das System weiß, was er will und er sich den Delfinvibrator dann eben unbewusst gewünscht hat, nimmt Peter den Kampf auf – unterstützt von einer Handvoll Systemgeschädigter und -gegner. In der populärsten Fernsehshow „Die nackte Wahrheit“ kommt es zum Duell, in dem Peter seinem Widersacher entgegenschleudert: „Soll ich Ihnen den Grund sagen, warum Sie sich nicht für die Probleme interessieren, die Sie verursachen? Weil Sie nicht davon betroffen sind! Auf der Verliererseite der algorithmischen Schranke sammeln sich die Armen und die Randgruppen. Die Nutzlosen! Menschen, die in den Filterblasen der Superreichen gar nicht existieren! ICH WILL DAS NICHT!“

Aber wird sich dadurch an Peters Problem etwas ändern? Wird das System seinen Aufstand nicht als unbedeutende Störung ohne langfristigen Einfluss auf die Finanzströme abtun? Oder gibt es doch noch einen Verbündeten, der mit den Algorithmen reden kann? „Känguru“-Autor Marc-Uwe Kling hat mit „QualityLand“ ein großes und merkwürdig defektes Epos über den Kampf um das Humane geschrieben, die Geschichte eines postmodernen Michael Kohlhaas. Wichtig, witzig und tiefernst. Regisseur Malte C. Lachmann und ein sechsköpfiges Ensemble stellen sich mit anarchistischem Witz der Herausforderung, die zwei parallel laufenden Erzählstränge mit insgesamt 30 Figuren, Stimmen und Maschinen auf die Bühne des Ballhof Eins zu setzen. Da bekommt das Wort „Unberechenbarkeit“ noch einmal eine ganz andere Bedeutung.Barbara Kantel

Mit: Christian Decker, Antonia Hölzel, Dennis Pörtner, Valentin Schroeteler, Mareike Sedl, Frank Wiegard

QualityLand

von Marc-Uwe Kling

Preview 7. März, 19.30 Uhr

Uraufführung 9. März,

19.30 Uhr Ballhof Eins, ab 15 Jahren

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