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Leuchtflächen für Hannover

„Ihme-Vision“ Leuchtflächen für Hannover

Hannover gehört zwar nicht zu den UNESCO-Städten, die am Jahr des Lichts teilnehmen, dennoch war am Wochenende am Peter-Fechter-Ufer leuchtende Urbanität zu spüren: Mit dem Lichtfestival „Ihme-Vision“ haben die Veranstalter einen ersten Versuch unternommen, städtisches Leben, Licht und Kultur auch in Hannover zusammenzubringen.

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Im Schein der Visionen: Besucher beim Lichtfestival in Linden. 

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Licht ist ein wesentlicher Bestandteil von Urbanität. Nicht umsonst ist der Times Square mit seinen Leuchtreklamen Sinnbild des nächtlichen New York – der Stadt, die angeblich niemals schläft. Licht ist auch als Bedingung, Material und Thema für Kunst und Kultur zentral. Die UNESCO thematisiert dies zur Zeit im Rahmen vieler Veranstaltungen zum Jahr des Lichts.

Das Lichtfestival „ Ihme-Vision“, das am Freitag und Sonnabend erstmals im Ihme-Park am Peter-Fechter-Ufer stattfand, steht zwar nicht auf der Liste der UNESCO. Dennoch unternahm es den wichtigen Versuch, städtisches Leben, Licht und Kultur auch in Hannover zusammenzubringen. „Wir wollen uns mit einem solchen Festival als Großstadt begreifen“, erklärt der Lichtkünstler Franz Betz, der unter anderem mit der Veranstaltungsproduzentin Iyabo Kaczmarek für Konzept und Organsisation zuständig war.

Die Kunstszene Hannovers beleuchtet das Ihmezentrum und zeigt Kurzfilme rund um den Betonklotz.

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Dass es um Licht in allen seinen kulturellen Erscheinungsformen gehen soll, war den Initiatoren schnell klar. Wie auch der Ort des Geschehens. Das Ihme-Zentrum sollte Leinwand, Kulisse und Hauptdarsteller in einem sein. Der Ihme-Park wurde so erstmals als Festivalgelände mit Leben erfüllt. Tausende Neugierige nutzten ihn gut gelaunt als Tribüne mit bestem Blick auf die umstrittene Architektur. So sehr das marode Ihme-Zentrum seit Jahren den Stadtentwicklern Sorgen bereitet, so sehr wurde es zunehmend als potentieller Ort für kulturelle Projekte wahrgenommen. Allerdings kamen die meisten davon über das Stadium der Behauptung nicht hinaus. Grund genug für die Initiatoren der „Ihme-Vision“, ihren Blick nicht nur auf vergangene Utopien zu richten.

Die hohen Erwartungen des Publikums sollten sich jedoch in diesem Jahr noch nicht erfüllen. Eine gute Auswahl an vorwiegend in Hannover entstandenen Kurzfilmen zu Themen wie Heimat, Zivilisation, Traum und Vision wurde auf einer kleinen Filmbühne gezeigt. Dass dabei das Ihme-Zentrum immer wieder auch als Drehort auftauchte, erzeugte reizvolle neue Perspektiven. Die einzige Projektion jedoch, die direkt auf dessen Fassade gerichtet war, beleuchtete nur eine kleine Ecke des Gebäudes. Zwar schaffte es das Kollektiv Pix.Cell, mit seiner Animation die Konturen der Architektur zum Tanzen zu bringen. Doch nach zehn Minuten hatten viele den Eindruck: zu kurz, zu klein, zu unspektakulär. Dass danach die Besucher mittels Leuchttisch, Kamera, Software und Projektor sebst zu Fassadengestaltern werden konnten, war eine charmante Idee. Die jedoch über das Niveau von Kritzeleien nicht hinaus kam.

Die Veranstalter sehen ihr Festival selbst eher als Gedankenanstoß. Im nächsten Jahr soll alles größer und vielfältiger werden, bunter und spektakulärer. Thema und Ort sind gesetzt, man hofft darauf, viele andere zu einer Teilnahme zu inspirieren. Das könnte großartig werden. Braucht jedoch ein vielfach höheres Budget. Dass das visionäre Projekt unter anderem aus dem neuen Innovationsfonds des Kulturbüros gefördert wurde, ist richtig und wichtig. Es zeigt aber, dass echte kulturelle Strahlkraft mehr politische Unterstützung braucht als ein paar tausend Euro. Dass es höchste Zeit ist, hohe Summen nicht nur in kulturelle Leuchttürme zu investieren. Sondern den Mut und die Konsequenz aufzubringen, Hannover mit Hilfe freier Szenen zur kulturellen Leuchtfläche zu machen. Die „Ihme-Vision“ hat Potentiale beleuchtet. Für das eigene Festival. Für das Ihme-Zentrum. Für eine Bündelung von Kulturschaffenden. Es war jedoch vermutlich kein Zufall, dass die Szenerie am Sonnabendabend überstrahlt wurde: vom Feuerwerk in Herrenhausen.

Von Thomas Kaestle

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