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Kultur Im „Sommer in Orange“ treffen Guru-Jünger auf CSU-Anhänger
Nachrichten Kultur Im „Sommer in Orange“ treffen Guru-Jünger auf CSU-Anhänger
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12:05 18.08.2011
Von Kristian Teetz
Oranger wird's nicht: Amrita (Petra Schmidt-Schaller) und ihre Kinder. Quelle: Majestic
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So sieht der Zusammenstoß der Kulturen des Jahres 1980 aus: Eine Gruppe junger Bhagwan-Anhänger in orangefarbener Kleidung trifft auf eine Gruppe alteingesessener Franz-Josef-Strauß-Anhänger im Trachtenoutfit. Es begegnen sich: Kombuchapilze und Weißwurst, dynamische Meditation und Dorftraditionen, Nacktsingen und Schwarzärgern.

„Sommer in Orange“, der neue Film des Regisseurs Marcus H. Rosenmüller, der mit „Wer früher stirbt, ist länger tot“ einen der schönsten deutschen Filme der vergangenen Jahre gedreht hat, beginnt mit einem Ortswechsel: Bislang hat die gut gelaunte Bhagwan-Gruppe in Berlin-Kreuzberg gelebt, doch nun erbt Siddharta (Georg Friedrich) einen Bauernhof in Bayern. Die Anhänger des damaligen Kult-Gurus Bhagwan, der sich später Osho nannte, entscheiden schnell: Sie wollen auf dem Hof ein Therapiezentrum eröffnen. Ein Hauch vom Ashram in Poona weht durch Bayern.

Die Mitglieder der Gruppe werden von den Darstellern Oliver Korittke, Brigitte Hobmeier, Daniela Holtz, Chiem van Houweninge (bekannt als Ex-Schimanski-Kumpel Hänschen) sowie Wiebke Puls (früher am Schauspiel Hannover tätig) gespielt. Sie tragen beinahe durchweg klingende Namen wie Gopal (Sanskrit für „Meister der Sinne“), Leela („Spiel des Lebens“), Shakti („Energie“), Prakash („Leuchtend“) sowie Chandra („Mondlicht“).

Auf ihrer ganz besonderen Reise zu sich selbst begleiten wir Amrita, die Petra Schmidt-Schaller in einer Mischung aus bezaubernd und nervtötend spielt. In ihrer Person laufen die Konfliktlinien zusammen. Zum einen verliebt sich ein enger Bhagwan-Kompagnon (Thomas Loibl) in die schöne Blonde und versucht, sie mit allerhand Erleuchtungsgeklingel ins Bett zu bekommen – prompt melden sich bei Amritas Partner Siddharta trotz aller Ideale von freier Liebe die Symptome der Eifersucht. Zum anderen steckt die unsichere 30-Jährige im täglichen Dilemma zwischen Sinnsuche und ihren beiden Kindern (Amber Bongard und Béla Baumann). Immer häufiger entscheidet sie sich gegen die Kinder – „Ich hab’ jetzt keine Zeit, ich muss an mir arbeiten“ – und stößt damit vor allem ihre Tochter Lili vor den Kopf.

Die Hölle der grenzenlosen Freiheit

Die Heranwachsende ist die ­eigentliche Hauptperson von „Sommer in Orange“, die 14-jährige Jungschauspielerin Amber Bongard derheimliche Star des Films. Lili sehnt sich nach ein bisschen Geborgenheit und einem regelmäßigen Mittagessen. Um der Hölle der grenzenlosen Freiheit zu entfliehen, sympathisiert das Mädchen sogar mit der dunklen Seite der Macht: Sie beginnt, sich in der CSU-Bürgermeisterfamilie von nebenan heimisch zu fühlen.

Marcus H. Rosenmüller hat sich nicht recht entscheiden können, ob er nun eine „Culture-Clash-Komödie“ oder einen halbwegs ernsten Film über die verkorkste Kindheit einer Bhagwan-Tochter dreht. Auch hätte die eine oder andere dynamische Meditation im Schneideraum einige Längen vermeiden können.

Trotzdem verspürt man nach dem Film irgendwie eine gute Energie und hat Lust, nackt ein Mantra zu tanzen. Bhagwan sei Dank ist die Ex-Baggi-heute-Osho-Disko ja nicht weit vom Kino am Raschplatz in Hannover entfernt.

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