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Nachrichten Kultur Im Laboratorium herrschen die Puppen
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13:19 30.06.2013
Pavel Möller-Lück ist Schauspieler und Gründer von "Das Theater Laboratorium". Quelle: dpa
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Oldenburg

Wer das Theater Laboratorium in Oldenburg besucht, glaubt zunächst, ein Wiener Kaffeehaus zu betreten. Die Ausstattung des kleinen Figurentheaters haben Pavel Möller-Lück und seine Frau Barbara Schmitz-Lenders mit viel Liebe zum Detail zusammengesammelt. „Die Dinge erzählen Geschichten“, sagt Müller-Lück. „Mein Theater soll Schönheit und Ruhe ausstrahlen und die Gäste in eine andere Welt versetzen.“ Die Besucher scheinen es zu mögen: Die 182 samtenen, alten Theatersessel im Saal sind laut Müller-Lück immer ausverkauft. In der laufenden Spielzeit kamen bislang mehr als 50.000 Gäste.

Der 53-Jährige ist ein Theater-Begeisterter, besuchte die Schauspielschule, arbeitete im Marionettentheater und unterrichtete als Dozent an der Uni Stuttgart Figurentheater. „Ich wollte anderes Theater machen, es selber herstellen. Mit Figuren schafft man sich ein eigenes kleines Ensemble“, sagt Müller-Lück. Sein erstes Theater gründete er 1979, 1995 zog es die Familie nach Oldenburg. Seit fünf Jahren residiert das Theater Laboratorium in einer denkmalgeschützten ehemaligen Turnhalle in einer kleinen Gasse in der Innenstadt. Nach der Renovierung des Gebäudes wurde Müller-Lück mit dem Oldenburger Preis für praktische Denkmalpflege ausgezeichnet.

In dieser Spielzeit sind unter anderem „Die Bremer Stadtmusikanten - Schönheit kennt kein Alter“, „Vom Fischer und seiner Frau - Warum ein Nein genauso wichtig wie ein Ja ist“ und „Die Rotkäppchen-Variationen - Macht und Willkür treffen auf Poesie und Kühnheit“ zu sehen. „Wir wählen unsere Themen danach aus, was uns gerade am meisten interessiert“, sagt Müller-Lück. Diese Stücke gibt es auch in der nächsten Spielzeit zu sehen.

So geht es bei den Bremer Stadtmusikanten stellvertretend um Sorgen und Nöte alter Menschen und wie die Gesellschaft mit ihnen umgeht. Er spielt in dem Stück unter anderem den Kommandanten der Grenztruppen auf dem Weg von Leben zum Tod und die Tiere, denen er Fragen stellt und in anderer Stimmlage beantwortet. Sein Repertoire ist vielfältig. „Dialekte haben mich schon als Kind interessiert.“

Oldenburg ist eine Puppenspielerstadt. Der Volkskundler und Autor Karl Veit Riedel (1932-1994) veröffentlichte 1982 sein Buch über 130 Jahre Puppentheater Oldenburg, unter anderem über das Genzelsche Marionettentheater und den Kringpoppenspäler Otto Willers. Für den gebürtigen Lübecker Müller-Lück war diese Tradition ein Grund nach Oldenburg zu ziehen. „Das Laboratorium knüpft an diese Geschichte an.“

Die meisten Puppen- und Figurentheater sind im Verband Deutscher Puppentheater (VDP) organisiert. Viele Solisten, Duos und einige Ensembles zählten zu den Mitgliedern, sagt die Verbandsvorsitzende Anke Scholz. Etwa 150 Bühnen gibt es nach ihren Angaben in Deutschland, die größten Puppenspieltheater sind in Halle und Magdeburg zu Hause. Der Anteil von Kinder- und Erwachsenenstücken halte sich die Waage, meint Scholz. Der Verband wurde 1968 gegründet. Der VDP vergibt jährlich die „Die spielende Hand“. In diesem Jahr erhielten den undotierten Preis gemeinsam der Verein Hohnsteiner Puppenspielfest und der Verein Hohnsteiner Kasper.

Im Theater Laboratorium arbeitet ein Team von 26 Leuten. Alle zusammen seien für ein Stück zuständig, sagt Müller-Lück. „Bei uns ist das Gefühl Gesetz, jeder darf seine Ideen einbringen.“ Vorrangig sind es Erwachsenenstücke, aber für Schulen gibt es Vormittagsvorstellungen. Für die Kleinen gibt unter anderem „Die drei Käsehochs“, für die älteren „Des Kaisers neue Kleider“. 

dpa

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