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Kultur In „Alles koscher“ wohnen zwei Religionen in einer Brust
Nachrichten Kultur In „Alles koscher“ wohnen zwei Religionen in einer Brust
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19:32 29.06.2011
Von Stefan Stosch
Essensfragen sind auch Glaubensfragen: Lenny (Richard Schiff, links) berät Mahmud (Omid Djalili). Quelle: Central
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Dass Religionsstreitigkeiten Gräben zwischen Menschen aufreißen, lesen wir jeden Tag in der Zeitung. Was aber passiert, wenn ein einzelner Mensch plötzlich das Gefühl hat, er selbst werde zwischen zwei Religionen zerrieben? Davon erzählt der britische Regisseur Josh Appignanesi in seiner Komödie „Alles koscher“.

Ein bis dahin gut gelaunter Londoner Minibusfahrer wird in eine tiefe Identitätskrise gestürzt: Bis eben hieß der Mann noch Mahmud Nasir und war Moslem, nun soll er plötzlich Solly Shimshillewitz heißen und ist Jude. Mahmud – wie wir ihn der Einfachheit halber nennen wollen – wurde als Baby adoptiert. Das erfährt er, als er beim Tod seiner Mutter die eigene Geburtsurkunde zu Gesicht bekommt.

Nicht dass Mahmud (Omid Djalili) bis dahin durch religiöses Streben aufgefallen wäre. Er führt ein Leben als gut integrierter Londoner Taxifahrer, hat eine liebende Gattin und einen gut geratenen Sohn. Beim Gebet auf dem dicken Moscheeteppich nickt Mahmud schon mal ein und muss dann vom liberal gesonnenen Imam geweckt werden. „The Infidel“, der Ungläubige, heißt der Film denn auch im Original. Und doch wird Mahmuds Leben von nun an wegen Glaubensfragen heftig durchgerüttelt.

Seine lieb gewonnene Nachbarschaftsfehde mit dem jüdischen Taxifahrer Lenny (Richard Schiff) muss er schnellstens beenden. Mahmud braucht nun Lennys Hilfe für einen Schnellkurs in jüdischer Religionspraxis: Mahmud hat soeben im Pflegeheim seinen biologischen Vater aufgespürt, der im Sterben liegt. Er will ihn nach jüdischen Glaubensregeln würdig bestatten. Und dann ist da noch die geplante Heirat seines Sohnes Rashid. Die Auserwählte ist ausgerechnet die Tochter eines Hasspredigers (gespielt von dem jüdisch-israelischen Darsteller Yigal Naor). Um des lieben Fami­lienfriedens willen soll Mahmud den tiefgläubigen Moslem und akzeptablen Schwiegervater mimen. Wie aber kann jemand zugleich nach muslimischen und nach jüdischen Regeln leben?

Die Doppelexistenz treibt Mahmud an den Rand des Nervenzusammenbruchs und noch ein Stück darüber hinaus. Er wird von fürchterlichen, aber dafür um so komischeren Albträumen geplagt. Bei seinen muslimischen Freunden taucht er irrtümlich mit einer Kipa auf dem Kopf auf – und schreitet sogleich zur Verbrennung derselben, um vor den Freunden sein Geheimnis zu wahren. Immer wieder schreckt er vor seinem längst fälligen Coming-out zurück.

Schöner als in diesem Film ist die Hirnrissigkeit von religiösem Fundamentalismus in jüngster Zeit kaum bebildert worden – außer in der bitterbösen Selbstmordattentäter-Farce „Four Lions“, die ebenfalls aus britischer Produktion stammt.

Ein aufklärerisches Projekt

In „Alles koscher“ schlägt Regisseur Josh Appignanesi, 1975 geboren, dagegen versöhnlichere Töne an. Er verfolgt sozusagen ein aufklärerisches Projekt: Langsam lässt er Mahmud und seine Umgebung gewahr werden, dass beide Religionen ganz okay sind. Appignanesi und sein Drehbuchautor David Baddiel plädieren dafür, es vielleicht doch mit den Andersgläubigen zu versuchen – erst recht dann, wenn man selbst zugleich der Andersgläubige ist.

Am Ende übertreiben es die Filme­macher allerdings mit ihrem Harmoniestreben. Man hätte sich „Alles koscher“ noch deutlich bissiger gewünscht. Hauptdarsteller Omid Djalili wäre zweifellos der richtige Mann dafür gewesen: Er ist ein britischer Comedystar, der in seiner Fernsehsendung noch viel rabiater gegen alle Klischees in Glaubensfragen zu Felde zieht. Andererseits: Zur Abwechslung ist eine versöhnliche Note auch mal ganz schön.

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