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Kultur In Extremo lässt es krachen
Nachrichten Kultur In Extremo lässt es krachen
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16:53 16.10.2016
Wo sich das Abseitige und das Eingängige treffen: In Extremo – hier beim feurigen Finale in der Swiss Life Hall. Quelle: Eberstein
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Hannover

Das Solo am Bühnenrand spannt sich über mehr als 800 Jahre Musikgeschichte – und es fasst das Konzert von In Extremo in der Swiss Life Hall recht gut zusammen: Da lösen sich erst der Bassist und der Gitarrist mit harten Metal-Klängen aus der Band. Dann treten zwei Dudelsackspieler hinzu. Gemeinsam rocken die vier Musiker zur Melodie von „Ai Vis Lo Lop“, einer traditionellen Weise aus dem südfranzösischen Raum, wo im Hochmittelalter die Kultur der Troubadure besonders ausgeprägt war. Danach setzt der Gesang wieder ein, mit rauem, ungeschliffenen Klang. Die Stimme rezitiert den Reim über das karge Alltagsleben auf Okzitanisch. Also in jener aus dem Lateinischen entwickelten Sprache, die im südwestfranzösischen Raum einst weit verbreitet war. Das Publikum in der Swiss Life Hall tobt dazu, hüpft, singt mit und reckt die Fäuste.

Am Samstagabend spielten die Mittelalter-Rocker von In Extremo in der Swiss Life Hall.

„Ai Vis Lo Lop“ war vor 18 Jahren der erste große Erfolg des neuen Sounds, den die Band aus mittelalterlicher Musik und harten Rock-Klängen fusioniert hatte. Erstmals traten beide musikalische Einflüsse gleichberechtigt nebeneinander, nachdem verschiedene Bands der Szene um die ostdeutschen Mittelaltermärkte mit der Mischung experimentiert hatten. Über die Jahre changierte das Repertoire von In Extremo zwischen traditionellen Quellen aus unterschiedlichen Kulturräumen, Mainstream-Rock und Metal, aber auch Einflüssen aus Pop und Schlager. Neben musikhistorische Merkwürdigkeiten traten selbstkomponierte Gassenhauer über Freiheit, Unangepasstheit und den romantisierten Traum von einem Leben als Vagabunden. Eine Kombination, die bis heute gut ankommt bei den Hörern. Das aktuelle Album „Quid Pro Quo“ führte nach seinem Erscheinen vor einigen Monaten 14 Wochen lang die deutschen Charts an.

Das Konzert in Hannover ist zudem ein kleines Heimspiel. André Strugala, der als Bühnenfigur „Dr. Pymonte“ heißt, ist hier geboren. Der studierte Musiker ist das Rückgrat der Band, wenn es um historische Präzision geht. Auf „Quid Pro Quo“ war seine Expertise wieder stärker gefragt. Nachdem die vergangenen Alben immer mehr auf Massentauglichkeit produziert waren, besinnt sich das neue auch wieder auf alte Weisen aus dem russischen, baltischen und keltischen Raum. Ein Höhepunkt ist das von Sänger Michael Rhein, der auf der Bühne „Das Letzte Einhorn“ heißt, auf Estnisch intonierte „Pikse Palve“, ein altes Donnergebet, mit dem die Band das Konzert beendet. Was langsam und akustisch mit Laute, Sackpfeifen und Pauke beginnt, steigert sich treibend in ein rockendes Gewitter, dessen Sog sich kaum jemand entziehen kann.

Das Publikum will das auch gar nicht. Es wirft sich ekstatisch in den letzten Song, der danach zusammen mit dem Rauch aus dem pyrotechnischen Finale wie ein Versprechen über der jubelnden Menge hängt: Das hier ist noch lange nicht vorbei. Tatsächlich wirkt In Extremo frischer und inspirierter als zuletzt. Neben den Spaß am zeitlosen Vagabunden-Image und die Schunkel-Hits für harte Kerle ist wieder mehr Lust an den Zwischentönen getreten, den alten und schrägen aus Drehleier, Schalmei und Harfe. Die Fans lieben es ohnehin, wenn sich das Abseitige mit dem Eingängigen verbindet. Solange sich dazu über dem Kopf eine Faust ballen lässt
Am Sonnabend, dem 29. Oktober, um 20 Uhr spielt Runrig schottischen Folk-Rock in der Swiss Life Hall.     

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